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"Mehr junge Menschen für die duale Ausbildung begeistern"

Bessere Berufsorientierung an den Schulen erforderlich
Ausbilder erklärt Azubis Maschine

In den nächsten Jahren sollen noch mehr junge Menschen für eine duale Ausbildung gewonnen werden

© Getty Images / SolStock / E+

"Der Bericht legt den Finger in die Wunde, gibt aber nur teilweise zielführende Handlungsempfehlungen". So kommentiert Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), den "Ländermonitor Berufliche Bildung" der Bertelsmann-Stiftung.

Dercks: "Richtig ist, dass trotz eines reichlichen Angebots an Ausbildungsplätzen Betriebe und Jugendliche immer noch zu oft nicht zusammenfinden.

Die aktuelle DIHK-Ausbildungsumfrage (siehe Pressemitteilung vom 15. August 2019) unterstreicht das Problem: 2018 erhielten rund zehn Prozent der IHK-Unternehmen keine einzige Bewerbung für ihre Ausbildungsplätze. Generell sind heute die Chancen auf eine Ausbildung für Jugendliche besser denn je, auch für Hauptschüler. Mündeten 2007 nur rund 67 Prozent von ihnen in eine duale Ausbildung, sind es heute 75 Prozent.

Ein neues Übergangssystem mit öffentlich finanzierten Ausbildungsalternativen wäre als Antwort der falsche Weg. Zielführend ist vielmehr, was direkt und ohne Umwege in die betriebliche Praxis führt.

Das ist das Ziel des in der Allianz für Aus- und Weiterbildung beschriebenen Pfads in Ausbildung. Danach erhält jeder Jugendliche, der zum Beginn des Ausbildungsjahres noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, drei Angebote auf Ausbildung. Flexibilität ist dabei Trumpf. Kein Jugendlicher darf verloren gehen, aber möglichst auch kein Ausbildungsplatz.

Es geht nicht darum, einen Bewerber, der Bankkaufmann werden will, zum Floristen auszubilden. Es gibt aber viele weitere kaufmännische Ausbildungen, die teilweise weniger bekannt sind. Und wer den Wunschberuf nicht in der Heimatregion findet, wird möglicherweise andernorts fündig. Die Bundesländer sollten daher möglichst kostenlose oder kostengünstige Azubi-Tickets anbieten.

Kammern und Arbeitsagenturen wollen auch gezielt Betriebe ansprechen, die ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können und dafür werben, noch mehr Bewerbern mit schwierigen Startchancen Ausbildungschancen zu geben und dabei Fördermöglichkeiten wie Einstiegsqualifizierungen, Assistierte Ausbildung oder ausbildungsbegleitende Hilfen verstärkt zu nutzen.

Für Leistungsstarke muss Ausbildung noch attraktiver werden, zum Beispiel durch den Ausbau von Auslandsaufenthalten während der Ausbildung. Dazu sollte ein Austauschdienst für die Berufliche Bildung geschaffen werden, der sich an den Strukturen des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD) orientiert.

In den nächsten Jahren kommt es darauf an, noch mehr junge Menschen für eine duale Ausbildung zu gewinnen: Studienabbrecher, Geflüchtete oder junge Menschen mit Behinderungen.

Wir brauchen dringend eine bessere Berufsorientierung, vor allem an den Gymnasien. Schüler und deren Eltern brauchen Informationen nicht nur zum Studium, sondern auch zu den Chancen der dualen Ausbildung und zur Höheren Berufsbildung. Noch immer wissen viel zu wenige junge Menschen, Eltern oder Lehrer, welche hervorragenden Verdienstmöglichkeiten und berufliche Perspektiven einem Meister, Fachwirt oder Betriebswirt offenstehen.

Bei der derzeit laufenden Novellierung des Berufsbildungsgesetzes unterstützen wir das Vorhaben, die Bezeichnungen 'Bachelor Professional' und 'Master Professional' als gemeinschaftliche Klammer für die Abschlüsse der Höheren Berufsbildung einzuführen. Diese verdeutlichen nicht nur die Gleichwertigkeit von Beruflicher und akademischer Bildung, sondern sind auch international gut verständlich."

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Thomas Renner Pressesprecher | Leiter des Presseteams

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Markus Kiss Referatsleiter Ausbildungspolitik und -projekte