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5. DIHK-Corona-Blitzumfrage: Nachfrage bei deutschen Unternehmen bleibt aus

Neue Kfz auf einem Parkplatz

Auch die deutsche Automobilindustrie hat mit Absatzproblemen zu kämpfen

© Grafissimo / iStock / Getty Images Plus

Mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen hat derzeit mit geringerer Nachfrage zu kämpfen. Das geht aus einer aktuellen DIHK-Blitzumfrage hervor, an der sich über 13.000 Unternehmen aller Branchen und Regionen beteiligt haben. Eine Ursache sind weltweit gekürzte Investitionsbudgets – aber es drücken auch neue Corona-Beschränkungen im Inland die Nachfrage in vielen Branchen. Die Folge: Für das Jahr 2020 erwarten mehr als zwei Drittel der Unternehmen einen Umsatzrückgang.

Die Lage bleibt kritisch

Die ersten Wochen des Teil-Lockdowns im November treffen vor allem das Gastgewerbe und die Reisewirtschaft hart: Für über 80 Prozent der Unternehmen aus diesen Branchen stehen die Geschäfte ganz oder in Teilen still, in der Kultur- und Kreativwirtschaft gilt das für rund 60 Prozent.

Nachfrage- und Umsatzrückgänge machen sich darüber hinaus in der ganzen Breite der Wirtschaft bemerkbar. In den Branchen Industrie, Einzelhandel, Verkehr und Logistik sowie im Kfz-Handel beklagen aktuell fast 60 Prozent der Betriebe eine geringere Nachfrage. Das drückt die Umsatzerwartungen für das Jahr insgesamt: 69 Prozent der Industriebetriebe erwarten 2020 einen Rückgang. Im Einzelhandel sind es 66 Prozent, im Kfz-Handel 73 Prozent und im Verkehrsbereich 74 Prozent.

Darüber hinaus zählen stornierte Aufträge und Mitarbeiterausfälle derzeit zu den häufigsten Auswirkungen der Corona-Krise auf die deutschen Unternehmen.

Wie die Unternehmen der Krise begegnen

Als Reaktion auf die Pandemie müssen fast die Hälfte der Betriebe geplante Investitionen verschieben oder komplett streichen. 40 Prozent sehen sich gezwungen, Kosten zu senken, 24 Prozent tun dies in Form von Personalabbau. Gleichzeitig ist die Krise Anlass für viele Unternehmen, stärker auf die Digitalisierung zu setzen (36 Prozent) sowie ihre Online-Präsenz und Online-Kundenbindung auszubauen (32 Prozent). Ein Fünftel der befragten Betriebe stellt sogar ganze Geschäftsmodelle um.

Wirft man einen Blick auf einzelne Branchen, zeigt sich, dass in der Industrie Rationalisierungsmaßnahmen dominieren und Investitionen entweder aufgeschoben oder gestrichen werden. Im Einzelhandel liegt der Fokus bei fast der Hälfte der Unternehmen auf dem Ausbau der Online-Aktivitäten. Die stärksten Abstriche bei ihren Investitionsplanungen nehmen die Betriebe der Reisewirtschaft und des Gastgewerbes vor.

Rote Zahlen in der Bilanz

Die Auswirkungen der Pandemie zeichnen sich auch in den Bilanzen ab. Rund 40 Prozent der Umfrageteilnehmer berichten von einem Rückgang ihres Eigenkapitals. Trotz staatlicher Hilfen kämpfen etliche Betriebe mit Liquiditätsproblemen (27 Prozent) oder beklagen zunehmende Forderungsausfälle (10 Prozent). Insgesamt sehen sich rund 9 Prozent der Betriebe von einer Insolvenz bedroht, etwas weniger als noch im Juni (10 Prozent).

Jedes zweite Unternehmen, das eine Insolvenz befürchtet, rechnet damit, den Geschäftsbetrieb nur noch maximal drei Monate aufrechterhalten zu können. Im Großhandel sind es sogar 54 Prozent, im Einzelhandel 48 Prozent und im stark betroffenen Gastgewerbe 60 Prozent. Vielen Betrieben würde es helfen, wenn sie derzeit anfallende Verluste noch konsequenter als bisher mit Gewinnen aus den Vorjahren verrechnen könnten.

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Melanie Vogelbach Bereichsleiterin Internationale Wirtschaftspolitik, Außenwirtschaftsrecht

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Dr. Kathrin Andrae Referatsleiterin Öffentliche Finanzen