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Aufschwung verliert an Dynamik

Konjunktur-Charts , Handy, Tablet auf Schreibtisch

Wie geht es weiter mit der Konjunktur hierzulande?

© ipopba / iStock / Getty Images Plus

Im Herbst bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage größtenteils zwar positiv. Die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate hingegen sind gedämpft und fallen pessimistischer aus, als viele angesichts der Hoffnung auf ein sich abzeichnendes Ende der Corona-Krise erwartet hatten. Statt eines steilen Aufschwungs gerät die wirtschaftliche Erholung ins Stocken. Dies zeigt die aktuelle DIHK-Konjunkturumfrage unter bundesweit knapp 28.000 Unternehmen. Auf der Basis dieser Ergebnisse prognostiziert der DIHK für das kommende Jahr ein Wirtschaftswachstum von lediglich 3,6 Prozent und ist damit zurückhaltender als die meisten Institute oder die Herbstprojektion der Bundesregierung.

Gute Geschäftslage, gedämpfte Erwartungen

Die Einschätzungen zur Geschäftslage verbessern sich gegenüber dem Frühsommer deutlich. Nahezu die Hälfte der Unternehmen beurteilt ihre aktuelle Situation als gut, nur noch 14 Prozent als schlecht. Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen springt auf 29 Punkte. Damit erreicht er erstmals wieder einen Wert wie vor der Corona-Pandemie und liegt sogar über dem langfristigen Durchschnitt von 22 Punkten. Auch der Saldo der Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate verbessert sich. Dennoch fallen die Erwartungen in Relation zur guten Lage verhalten aus. Das Aufholwachstum flacht ab, noch bevor die Verluste aus dem letzten Jahr aufgeholt wurden.

Vor allem die für die Wertschöpfung in Deutschland so wichtige Industrie rechnet kaum mit einer stärkeren Belebung gegenüber dem Frühsommer (Saldo von 17 nach zuvor 16 Punkten). Im Bau und beim Handel verbessern sich die Erwartungen auf niedrigem Niveau (Saldo minus 7 nach zuvor minus 14 Punkten beziehungsweise von plus 1 nach zuvor minus 10 Punkten). Die Dienstleister hingegen rechnen mit deutlich mehr Geschäftschancen durch wegfallende pandemiebedingte Einschränkungen und blicken optimistischer nach vorne (Saldo von 12 nach zuvor minus 2 Punkten).

Zwei Risiken dominieren

Die Unternehmen berichten aktuell von zwei zentralen Geschäftsrisiken: Als größte Herausforderung wird erneut der Fachkräftemangel genannt (59 nach zuvor 43 Prozent der Betriebe sehen darin eine Gefahr), dicht gefolgt von den Energie- und Rohstoffpreisen (58 nach zuvor 42 Prozent). Beide Risiken haben im Vergleich zum Frühsommer 2021 kräftig an Bedeutung gewonnen. Dabei wurden die Energie- und Rohstoffpreise noch nie von so vielen Unternehmen als problematisch bewertet wie in der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage. Diese Sorge bremst die Geschäftserwartungen besonders in energie- und rohstoffintensiven Wirtschaftsbereichen. In der Industrie sehen sogar vier von fünf Betrieben diesen Faktor als kritisch an – deutlich mehr als noch in der Vorumfrage (66 Prozent). Im Baugewerbe und bei Dienstleitern kehrt der Fachkräftemangel als größtes Geschäftsrisiko zurück (80 beziehungsweise 60 Prozent).

Investitionen ermöglichen

Im Vergleich zur Vorumfrage haben sich die Investitionsabsichten der Unternehmen über alle Wirtschaftszweige hinweg aufgehellt, hier steigt der Saldo zwischen Ausweitungsplänen und Kürzungen auf 13 nach zuvor 0 Punkten. Besonders die Industrieunternehmen, deren Auftragsbücher gut gefüllt sind, haben ihre Investitionspläne ausgeweitet (Saldo 21 nach zuvor 13 Punkten). Scheitern könnte die Umsetzung dieser Pläne allerdings noch am Fachkräftemangel und den vielfältigen Lieferengpässen in vielen Bereichen.

Umweltschutz gewinnt branchenübergreifend an Bedeutung. Mittlerweile nennen ihn 26 Prozent der Unternehmen als Grund für ihre Investitionsausgaben. Das liegt weit über dem langjährigen Schnitt von 14 Prozent. Vor dem Hintergrund der Mobilitätswende ist ein besonders sprunghafter Anstieg in der Automobilindustrie zu beobachten: Der Anteil der Unternehmen, die Investitionen zum Umweltschutz planen, ist von 31 auf 42 Prozent gestiegen. Angesichts drängender Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Klimawandel und Fachkräftemangel sind weitere Investitionen unverzichtbar. Jetzt ist es an der Politik, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit vor allem diese privaten Investitionspläne auch umgesetzt werden können.

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Dr. Jupp Zenzen Referatsleiter Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen

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