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Corona international: Mit dem Handel aus der Krise

Plastische Europa-Karte, auf der Paletten mit Kartons stehen

© AlexLMX / iStock / Getty Images Plus

Die Corona-Pandemie hat das Wirtschaftsleben nicht nur in Deutschland, sondern auf dem ganzen Globus erfasst. Laut aktuellem AHK World Business Outlook rechnen 80 Prozent der deutschen Unternehmen im Ausland mit starken Umsatzverlusten im Geschäftsjahr 2020; 15 Prozent gehen sogar von einer Halbierung aus. Die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus in vielen Ländern – von Reiseeinschränkungen bis hin zu Produktionsschließungen – stellen die Betriebe vor zahlreiche Herausforderungen. Hinzu kommt die Sorge, dass der zunehmende Protektionismus der vergangenen Jahre durch neue Handelshemmnisse in der Krise weiter beschleunigt wird. Dabei ist der internationale Handel gerade zur Krisenbewältigung nötig.

Globale Lieferketten erhalten

Damit die auslandsaktiven Unternehmen gut durch die Krise kommen, müssen Lieferketten jetzt dringend funktionieren. Jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland hängt am Export, in der Industrie sogar jeder zweite. Um erfolgreich und wettbewerbsfähig agieren zu können, brauchen Unternehmen Zulieferer und Kunden in aller Welt. Die wirtschaftliche Belebung nach der Corona-Krise kann daher nachhaltig nur gelingen, wenn auch unsere Handelspartner wieder auf die Beine kommen.

Die Corona-Krise wird zur Protektionismus-Krise

Krisenbedingt eingeführte Handelshemmnisse beeinträchtigen nicht nur Lieferketten einzelner Unternehmen, sondern stellen zunehmend ganze Bereiche des freien Welthandels unter Vorbehalt. Die Pandemie droht so zu einer Protektionismus-Falle zu werden. Das gilt besonders für die zur Corona-Bekämpfung wichtigen Arzneimittel und Gesundheitsprodukte. Viele Staaten haben Exportverbote, -beschränkungen oder -kontrollen für Schutzmasken, Beatmungsgeräte oder Desinfektionsmittel beschlossen.

Bereits vor der Corona-Krise klagten 50 Prozent der deutschen Unternehmen mit Auslandsgeschäft über neue Handelshemmnisse durch Zölle, Sanktionen oder andere Barrieren – ein Rekordwert. Der Ruf in vielen Ländern nach Lokalisierungszwängen und Exportkontrollen, um die heimische Wirtschaft vermeintlich zu schützen, hat über die Jahre hinweg an Lautstärke gewonnen. Das Ergebnis: Höhere Kosten, Produktionsengpässe und längere Lieferzeiten bedrohen die erfolgreiche deutsche Außenwirtschaft.

Neue Zölle verhindern, alte abbauen

Eine Verpflichtung der G20-Länder, keine neuen Zölle einzuführen, könnte das Schlimmste verhindern. Solch ein Zollmoratorium war auch schon 2008 für Deutschland vorteilhaft. Heute wäre dies wieder nötig, denn Handelshemmnisse führen zu Effizienzverlusten und verstärken Versorgungsprobleme, die sogar Leben kosten können: Denn die Gesundheitsindustrie ist hochinternationalisiert. Vorprodukte und Dienstleistungen werden grenzüberschreitend gehandelt. Eine Ausweitung des Pharma-Abkommens der Welthandelsorganisation auf alle Länder und Gesundheitsprodukte kann hier einen wichtigen Beitrag zur Absicherung lebenswichtiger Wertschöpfungsketten leisten.

Resilienz statt Abschottung

Die Corona-Krise wirkt strukturell als Beschleuniger auf die Globalisierung, etwa bei der Digitalisierung. Die internationale Arbeitsteilung wird fortbestehen, sich jedoch verändern – zum Beispiel durch intensivere Risikobewertungen und regionale Diversifizierung. Änderungen von Lieferketten sind unternehmerische Entscheidungen. Der Staat sollte dabei grundsätzlich nicht eingreifen, sondern regulatorische Belastungen vermeiden und offene Drittmärkte sicherstellen. Für die Betriebe hierzulande ist zudem wichtig, dass Deutschland sich in Brüssel für gemeinsame Lösungen einsetzt. Denn die deutschen Unternehmen wickeln knapp 60 Prozent ihrer Warenexporte und -importe mit anderen Ländern der EU ab. Der europäische Binnenmarkt sollte deshalb gestärkt und ausgebaut werden.

Die erste deutsche EU-Ratspräsidentschaft seit über einem Jahrzehnt bietet eine wichtige Gelegenheit, die Rolle der EU als zukunftsgerichteter Impulsgeber für die Wirtschaft in Europa und weltweit zu sichern. Für Europa muss gelten: Resilienz durch Diversifizierung statt Abschottung. Nur mit einer EU, die entschlossen und geschlossen auftritt, haben unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb eine hörbare Stimme. Die beste Unterstützung für globale Lieferketten sind verlässliche Regeln und internationale Abkommen, die Märkte öffnen, offenhalten und Unternehmen Rechtssicherheit bieten.

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Mann im Haus der Deutschen Wirtschaft
Klemens Kober Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen