Pfadnavigation

Covid-19 stellt die duale Berufsausbildung im Ausland vor neue Herausforderungen

In einer Fabrik in Ecuador erklärt ein Ausbilder einer jungen Frau eine Maschine

Die AHKs machen sich weltweit für die duale Berufsausbildung stark – unter anderem in Ecuador

© Focus Estudio / BBP Ecuador

Die Corona-Pandemie wirkt sich in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern auf den Ausbildungsmarkt aus. Viele Betriebe müssen immer noch auf Sicht fahren. Daher ist in etlichen Unternehmen noch nicht endgültig über das konkrete Lehrstellenangebot entschieden. Zudem hatten es Betriebe und Schulabgänger wegen der Pandemiebeschränkungen schwer, zueinander zu finden.

Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge wird daher in diesem Jahr hierzulande zurückgehen. Andere Länder sind noch weitaus stärker von der Pandemie betroffen – wie stellt sich die Situation dort dar?

Weniger Ausbildungsplätze weltweit

Anderswo waren und sind die Corona-bedingten Einschränkungen für Unternehmen und Bürger einschneidender als in Deutschland; vor entsprechend großen Herausforderungen stehen Betriebe und die Berufliche Bildung in vielen Ländern: Ausgangssperren erschweren die Bewerbungsprozesse ebenso wie mangelnde technische Ausstattungen. Die Umsätze der Unternehmen sind rückläufig, staatliche Hilfsmaßnahmen geringer als in Deutschland.

Mit der Unterauslastung der Kapazitäten sinkt auch der aktuelle Bedarf an Fachkräften. Das wirkt sich wiederum auf die Nachfrage nach Auszubildenden aus. So zögern auch deutsche Unternehmen momentan, ihr Ausbildungsengagement im Ausland auszubauen, und das Wachstum der dortigen Ausbildungskapazitäten stagniert.

AHKs weiten digitale Dienstleistungen aus

Für die 49 Auslandshandelskammern, Delegationen und Repräsentanzen der Deutschen Wirtschaft (AHKs), die sich seit Jahren im Bereich der Berufsbildung engagieren, liegt das Hauptziel 2020 deshalb darin, die Unternehmen in dieser schwierigen Phase bestmöglich zu unterstützen.

Dafür werden aktuell beispielsweise die Online-Dienstleistungsangebote für Unternehmen und Partner ausgeweitet, Online-Kurzseminare für Corona-spezifische Themen angeboten oder zum Beispiel Sitzungen von Prüfungsausschüssen auf Online-Formate umgestellt. Die AHKs wollen dabei Kurs halten: Drei Viertel der Kammern planten laut einer DIHK-Umfrage im April, ihre Ausbildungsaktivitäten trotz der Corona-Pandemie weiter auszubauen.

Bedarf der Unternehmen nach Fachkräften bleibt mittelfristig groß

Entscheidendes Motiv für die AHK-Aktivitäten rund um die Berufsbildung bleibt die Nachfrage der (deutschen) Unternehmen vor Ort nach qualifizierten Fachkräften. Aber auch die Bildungspolitiker vieler Länder schauen neugierig auf das deutsche System der Berufsbildung, das zum größten Teil in den Unternehmen umgesetzt wird und auch in Krisenzeiten hilft, die (Jugend-) Arbeitslosigkeit im Zaum zu halten. AHKs können Politik und Verwaltung in den Gastländern zum Thema Berufsbildung "made in Germany" beraten.

Dabei steht jede AHK vor der Herausforderung, ihre Berufsbildungsangebote an die Bedürfnisse der Unternehmen und der Politik im jeweiligen lokalen Kontext anzupassen und gleichzeitig Standards gerecht zu werden, die weltweit vergleichbar sein sollen.

Für die weitere Zukunft der Berufsbildung im Ausland wäre es ein Gewinn, wenn die Abschlüsse nach deutschem Standard zukünftig sowohl im jeweiligen Land als auch in Deutschland rechtlich anerkannt würden. Was im Hochschulbereich beispielsweise mit Double Degrees inzwischen gang und gäbe ist, sollte auch im Bereich der Beruflichen Bildung möglich sein. Gespräche auf politischer Ebene hierzu laufen und könnten den dualen Ausbildungen im Ausland einen zusätzlichen Schub verleihen.

Logo auf dem "Thema der Woche" steht.

© DIHK

Kontakt

Avatar weiblich
Hannah Frey Projektkoordinatorin