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Die Tourismuswirtschaft kämpft

Tourismus: Frau auf Demonstration mit Sonnenhut, Maske und Rettungsring

Vielen Branchenvertretern steht das Wasser bis zum Hals

© Sean Gallup / Getty Images News / Getty Images

Vier Wochen eines zweiten Corona-Lockdowns haben für viele Betriebe des Gastgewerbes begonnen. Beherbergungs- und Gastronomieunternehmen befinden sich trotz implementierter Hygienekonzepte in einer erneuten Phase der Schließungen. Auch für die weiteren Beteiligten der Tourismuswirtschaft bedeutet dies, dass ihnen immer noch – oder erneut – für diese Zeit die Geschäftsgrundlage entzogen wird. Die Ergebnisse der DIHK-Konjunkturumfrage machen deutlich: Keine andere Branche kämpfte bereits vor November so sehr mit den Folgen der Corona-Krise wie die Unternehmen der Tourismuswirtschaft.

So arbeitete schon zu Herbstbeginn nur jeder zehnte Beherbergungsbetrieb auf Vorkrisenniveau. 94 Prozent der Unternehmen der Reisewirtschaft gaben an, dass sich die Geschäftslage verschlechtert habe. In keiner anderen Branche wurde die Geschäftslage schlechter beurteilt.

Die aktuellen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen überlagern auch das jahrelang dominierende Problem des Gastgewerbes – den Fachkräftemangel: Angesichts sinkender Beschäftigungsabsichten verliert das Thema aktuell an Bedeutung. Die Reisewirtschaft wertet neben den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen die infolge der zahlreichen Reisehinweise eingebrochene Inlandsnachfrage zuletzt als größtes Geschäftsrisiko.

Die Aussichten sind düster

Nach dem ersten Lockdown im März/April und den damit einhergehenden Umsatzeinbußen im Gastgewerbe gab es eine kleine Sommerbelebung. So erfuhren beispielsweise Campingplätze durch vielfach ins Inland verlagerte Urlaube eine Sonderkonjunktur. Aufgrund der aktuellen und möglicherweise andauernden Beschränkungen in den kommenden Monaten ist die kurz- und mittelfristige Entwicklung der Geschäftslage jedoch kritisch.

Dies zeigt sich unter anderem in der sinkenden Erwartung an die inländische Nachfrage. Das einfache und nicht eingeschränkte Reisen im In- und Ausland ist die zentrale Grundlage für das Geschäft der Reisebüros und -veranstalter: Die derzeit Corona-bedingt sehr restriktiven Reisehinweise machen wirtschaftliche Aktivität hier nahezu unmöglich. Angesichts der nicht absehbaren Entwicklung der Beschränkungen äußert die Branche, die sich ohnehin schon auf einem sehr niedrigen Niveau bewegt, nochmals verschlechterte Geschäftserwartungen.

Finanzierungssituation kritisch

50 Prozent und mehr Umsatzrückgang im Jahr 2020 – das erwarten fast 90 Prozent der Unternehmen aus der Reisewirtschaft. Das Gastgewerbe rechnet zu einem Drittel ebenfalls mit einem Umsatzrückgang um mehr als die Hälfte. Ein weiteres Drittel der Restaurants und Kneipen veranschlagt seine Einbußen auf 25 bis 50 Prozent. Die Finanzierung wird bei mittlerweile dünnen oder aufgebrauchten Kapitaldecken schnell schwierig. 55 Prozent der befragten Restaurants und Kneipen geben an, dass ihr Eigenkapital schmelze; 34 Prozent berichten von Liquiditätsengpässen. Die Liquidität war bei 19 Prozent der Befragten schon vor dem zweiten Lockdown ein Problem; mit den aktuellen Einschränkungen dürfte sie weiter dramatisch sinken.

Die Krise hält an

Die Folgen der Corona-Pandemie für die Betriebe der Tourismuswirtschaft sind nicht nur besonders tiefgreifend, sondern auch besonders lang andauernd: 81 Prozent der Unternehmen im Gastgewerbe rechnen erst für die Zeit nach 2021 mit einer Geschäftstätigkeit auf Vorkrisenniveau. In der Reisewirtschaft sind sogar 89 Prozent der Befragten der Meinung, dass eine Rückkehr zur Normalität noch länger als ein Jahr dauern wird.

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Kontakt

Porträtfoto Anne-Kathrin Tögel
Anne-Kathrin Tögel Referatsleiterin Tourismuswirtschaft und Tourismuspolitik