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Ein langer Aufholprozess für die deutsche Wirtschaft

Konjunktur: Charts auf Bildschirmen

Wann die Wirtschaft wieder auf das Vorkrisenniveau zurückkehrt, ist ungewiss

© g-stockstudio / iStock / Getty Images Plus

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern mit rund 30.000 Unternehmensantworten zeigt, dass die Geschäfte der Unternehmen in Deutschland noch unter Vorkrisenniveau liegen. 61 Prozent der deutschen Betriebe rechnen mit einem Umsatzrückgang für das Gesamtjahr 2020. Nur rund ein Fünftel der Unternehmen gibt an, dass ihre Geschäftstätigkeit bereits wieder auf oder über dem Niveau zu Jahresbeginn liegt.

Keine rasche Rückkehr zur Normalität

Die Antworten der Unternehmen zeigen, dass der Aufholprozess Zeit in Anspruch nehmen wird: Knapp 40 Prozent der Betriebe erwarten eine Rückkehr zur Normalität frühestens im zweiten Halbjahr 2021 oder noch später. 7 Prozent der Befragten rechnen gar nicht mit einer Normalisierung der Geschäfte.

Insbesondere das Baugewerbe ist hinsichtlich der künftigen Entwicklung pessimistisch. Lediglich die Industrie blickt wieder etwas optimistischer in die Zukunft – jedoch ausgehend von einer im Vergleich der Wirtschaftszweige niedrigen Lagebewertung. Entscheidend für den Erholungsprozess der stark vom internationalen Geschäft abhängigen Industrie ist neben dem Verlauf der Binnennachfrage die Frage, wie sich die Wirtschaft bei den wichtigsten Handelspartnern entwickelt.

Risiko Auslandsnachfrage

Die Exporterwartungen erreichen aufgrund der schwachen Weltkonjunktur noch nicht wieder das Niveau von vor der Corona-Krise. Das Exportgeschäft leidet unter der weltweit geringen Nachfrage und der schwachen Investitionsdynamik. Aktuell erwarten 30 Prozent der Unternehmen einen Rückgang ihrer Exporte in den kommenden zwölf Monaten, rund jeder vierte Betrieb geht von einer Steigerung seiner Ausfuhren aus. Bei Lieferungen ins Ausland sehen 62 Prozent der exportierenden Industrieunternehmen in der Auslandsnachfrage ein Risiko für ihre Geschäfte in den nächsten Monaten.

Zurückhaltung bei Investitionen und Beschäftigung

Die insgesamt angespannte wirtschaftliche Stimmung drückt auf die Investitions- und Beschäftigungspläne der Unternehmen: 19 Prozent der Betriebe wollen in den nächsten Monaten mehr investieren, 34 Prozent planen eine Verringerung. Die Investitionsabsichten liegen weiter deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Wo investiert wird, geschieht dies vorwiegend für Ersatzbedarf, etwa von abgenutzten Anlagen oder Maschinen. Ein weiterer Grund für Investitionen sind Rationalisierungsmaßnahmen – beispielsweise zur Kostensenkung im Betrieb. Im Vergleich zu den Vorumfragen treten hingegen Kapazitätsausweitungen, also der Auf- und Ausbau von unternehmerischen Standorten in Deutschland, in den Hintergrund.

Fachkräftemangel nicht mehr Top-Risiko

Die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen haben sich nach dem Corona-bedingten Einbruch im Frühsommer erholt, liegen aber noch immer unter dem zu Jahresbeginn erreichten Wert. Jedes vierte Unternehmen rechnet für die kommenden zwölf Monate mit einem Beschäftigungsrückgang, elf Prozent planen mit einem Aufbau. Etwa zwei Drittel der Betriebe gehen von einer unveränderten Mitarbeiterzahl aus. Das über Jahre dominierende Geschäftsrisiko Fachkräftemangel rangiert erstmals seit 2016 hinter der Inlands- und Auslandsnachfrage. Wegen der deutlich geringeren Personalnachfrage wird dieses Risiko nunmehr von 37 Prozent der Unternehmen in der Gesamtwirtschaft genannt. Vor einem Jahr hatte der Wert noch bei 56 Prozent gelegen.

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Porträtfoto Melanie Vogelbach
Melanie Vogelbach Bereichsleiterin Internationale Wirtschaftspolitik, Außenwirtschaftsrecht