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EU will Fachkräftepotenzial der Unternehmen stärken

Junger Mann mit Latzhose sitzt vor einem Computer

Eines der EU-Ziele ist die Stärkung grundlegender digitaler Kompetenzen

© Westend61 / Getty Images

Die am 8. Mai von den EU-Staats- und Regierungschefs und der Europäischen Kommission verabschiedete Porto-Erklärung enthält quantitative Zielmarken für berufliche Weiterbildung, digitale Kompetenzen und Beschäftigung. Sie sollen dazu dienen, das Fachkräftepotenzial der Unternehmen im Rahmen des digitalen und ökologischen Wandels zu verbessern. Schon 2019, also noch vor der Corona-Krise, hatten bei der DIHK-Ausbildungsumfrage 77 Prozent der Betriebe die IT-Kenntnisse der Jugendlichen als wichtiges Einstellungskriterium genannt. Mit dem aktuellen Digitalisierungsschub dürfte diese Quote weiter gestiegen sein.

EU-Finanzmittel für berufliche Kompetenzen und Weiterbildung

Die EU-Arbeitsminister haben sich Mitte Juni damit befasst, die auf dem EU-Gipfel in Porto vereinbarten Ziele zu realisieren. Bis 2030 sollen, so das Ziel der EU, mindestens 78 Prozent der 20- bis 64-Jährigen in der Europäischen Union einer Beschäftigung nachgehen, mindestens 60 Prozent aller Erwachsenen jedes Jahr an einer Weiterbildung teilnehmen und wenigstens 80 Prozent der 16- bis 74-Jährigen über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen.

Für die Umsetzung dieser Pläne werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, entsprechende Ziele auf nationaler Ebene festzulegen. Finanzielle Unterstützung erhalten sie dabei über EU-Finanzinstrumente wie den Wiederaufbaufonds sowie den Europäischen Sozialfonds+. Zudem soll das Bildungsprogramm Erasmus+ den Aufbau von europäischen Netzwerken beruflicher Exzellenzzentren und von europäischen Innovationspartnerschaften für digitale und grüne Kompetenzen fördern.

Deutschland will mit seinem Ende Juni von der EU-Kommission genehmigten nationalen Aufbauplan EU-Gelder unter anderem für das Bundesprogramm "Ausbildungsplätze sichern" und die Errichtung einer "Nationalen Bildungsplattform" einsetzen, die Beschäftigten den Zugang zu digitalen Weiterbildungsangeboten erleichtert.

Europäischer Rahmen für individuelle Lernkonten

Zuvor hatte die EU-Kommission bereits weitere Vorschläge für die berufliche Weiterbildung und zur Sicherung des betrieblichen Fachkräftenachwuchses angekündigt. So will sie etwa im Herbst 2021 ein europäisches Rahmenkonzept für individuelle Lernkonten vorlegen. Derzeit wird in Brüssel geprüft, ob eine europäische Initiative dazu beitragen könnte, Lücken beim Ausbildungszugang zu schließen und Erwachsene in ihrem Erwerbsverlauf zu unterstützen. Über individuelle Lernkonten sollen Menschen im erwerbsfähigen Alter Mittel für Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt werden. Auch in den Koalitionsverhandlungen im Herbst in Deutschland dürfte die Frage nach einer intensiveren Förderung der beruflichen Weiterbildung eine Rolle spielen.

Empfehlungsvorschlag für kurze Weiterbildungsangebote

Zudem möchte die EU-Kommission eine Weiterbildungsoffensive starten. Hierfür soll es noch 2021 einen Empfehlungsvorschlag geben, wie der breitere Einsatz sogenannter Microcredentials – zertifizierter kleiner Lerneinheiten beziehungsweise Weiterbildungsangebote – vorangebracht werden kann. Ein solcher Ansatz ist allerdings mit dem deutschen Berufsprinzip möglicherweise nur schwer vereinbar. Angesichts der begrenzten Kompetenzen der EU im Bildungsbereich müsste sie zudem Mehrheiten unter den Mitgliedstaaten finden, damit ihr Empfehlungsvorschlag in Kraft treten kann. Der tatsächliche Mehrwert von individuellen Lernkonten und Microdentials für die Unternehmen und die Auswirkungen auf die nationalen Aus- und Weiterbildungssysteme sind derzeit insgesamt noch nicht absehbar. 

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Barbara Fabian Referatsleiterin EU-Bildungspolitik

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Porträtbild Dr. Knut Diekmann, Referatsleiter Grundsatzfragen der Weiterbildung
Dr. Knut Diekmann Referatsleiter Grundsatzfragen der Weiterbildung