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Europass – ein Instrument für Fachkräftesicherung über Grenzen hinweg

Geschäftsfrau mit Handy vor dem Eiffelturm

Der Europass soll die berufliche Mobilität vereinfachen

© franckreporter / E+ / Getty Images

Seit Mitte des Jahres unterstützt die Europäische Kommission Unternehmen mit dem neuen Europass-Portal bei der Gewinnung von Fachkräften aus dem EU-Ausland. Das Portal wurde am 1. Juli 2020 in einer ersten, noch nicht vollständigen Fassung freigeschaltet. Dieses öffentlich verantwortete Netzangebot soll es künftig ermöglichen, Fachkräfte auf Basis standardisierter Informationen effektiver zu finden. Dabei verspricht es eine Innovation: Unter der Adresse www.europass.eu will das Portal für europäische Fachkräfte ein Angebot für ein persönliches Archiv von Zeugnissen und Leistungsnachweisen werden und gleichzeitig Marktplatz für die eigene Qualifizierung und Arbeitsvermittlung sein. Dabei bedient sich die EU-Kommission neuer Technologien und schafft technologische Standards.

Mehrwert Digitalisierung

Im digitalen Potenzial verbergen sich für Unternehmen und andere Zielgruppen wichtige Mehrwerte: Postalische Wege, manuelle Abgleiche und andere aufwändige Prozesse könnten so künftig eingespart werden. Gleichzeitig ist es ein Ziel, die Abläufe durch den Einsatz von Maschinenlesbarkeit und Künstlicher Intelligenz effizienter zu machen. Außerdem funktioniert das Portal in allen 29 Amtssprachen, was Nutzern hilft, sprachliche Grenzen zu überwinden.

Der Europass selbst adressiert zunächst den Einzelnen – Erwerbspersonen ebenso wie Lernende. Mittelbar werden auch Bildungsanbieter und öffentliche Einrichtungen einbezogen. Den Unternehmen soll das Portal über standardisierte Lebensläufe die Bewerberauswahl erleichtern. Eine Möglichkeit, den Europass an die innerbetriebliche Laufbahnentwicklung und Weiterbildung anzubinden, steht jedoch noch aus.

Neue ordnungspolitische Vorstellungen

Das neue Portal bündelt verschiedene Instrumente, die die EU über ein Jahrzehnt hinweg entwickelt hat. In Erwartung eines immer rascheren technologischen Wandels plant es mit "Micro-Credentials", also kleinteiligen Lernelementen, im "Europass Learning Model" ein neues System von Bildungseinheiten, die in Konkurrenz zu etablierten Qualifikationen und Berufen treten beziehungsweise sie ergänzen. Zudem hat die EU-Kommission mit ESCO ("European Skills, Competences, Qualifications and Occupations") eine eigene Systematik zur Beschreibung von beruflichen Tätigkeiten und Fertigkeiten geschaffen, die entsprechende Modelle der Mitgliedstaaten mit einbezieht – und so einen pan-europäischen Vergleichsmaßstab etablieren will.

Portal mit Potenzial?

Ob der Europass das Potenzial hat, eine europäische Alternative zu bestehenden Social-Media-Netzwerken in der Erwerbswelt zu werden, bleibt abzuwarten. Schon die erste Basisversion konnte überraschend viele Mitglieder gewinnen. Mit der zunehmenden Mobilisierung von Nutzern und deren Daten erzeugt der Europass immer bessere Ergebnisse bei der Suche nach Stellen und Bildungsangeboten. Betriebe können sich so ein gelungeneres Matching erhoffen. Mit der für 2021 vorgesehenen Ausgabe von digitalen Bildungsnachweisen ("Credentials") ist ein weiterer Mehrwert verbunden. Und eine steigende Nutzerzahl könnte die Früherkennung von Qualifikationsbedarfen im europäischen Wirtschaftsraum erleichtern.

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Porträtbild Dr. Knut Diekmann, Referatsleiter Grundsatzfragen der Weiterbildung
Dr. Knut Diekmann Referatsleiter Grundsatzfragen der Weiterbildung