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Neuer Schwung für die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen

Élysée-Palast bei Nacht violett beleuchtet

Historischer Schauplatz: der Élysée-Palast

© Dati Bendo / Europäische Union, 2022

Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Präsident Charles de Gaulle im Élysée-Palast den Freundschaftsvertrag zwischen Deutschland und Frankreich. Damit besiegelten sie vor 60 Jahren die Aussöhnung beider Länder und vereinbarten, sich in der Außen-, Europa- und Verteidigungspolitik abzustimmen. Auch wirtschaftspolitische Themen wurden in regelmäßigen Konsultationen intensiv diskutiert.

Wirtschaftsmotor der EU

Das erfolgreiche deutsch-französische Paar trägt mehr als 40 Prozent zur EU-Wirtschaftsleistung bei. Für deutsche Unternehmen ist das Nachbarland der viertgrößte Handelspartner weltweit; das bilaterale Handelsvolumen belief sich 2021 auf 164,7 Milliarden Euro. Aktuelle Daten bis November 2022 zeigen einen erneuten Zuwachs um rund 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Über 3.000 deutsche Unternehmen unterhalten Direktinvestitionen von knapp 70 Milliarden Euro in Frankreich und erwirtschaften dort einen Umsatz von circa 174 Milliarden Euro. Deutschland war 2021 Frankreichs größter ausländischer Investor. Wie die letzte Studie der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer zeigt, wollen hiesige Betriebe weiterhin in den französischen Markt investieren.

Höhen und Tiefen im deutsch-französischen Verhältnis

Trotz der Erfolge kriselten die Beziehungen des "couple franco-allemand" zum Jahresende. Streitpunkte waren etwa der deutsche Widerstand gegen einen EU-Gaspreisdeckel, Konflikte in der Rüstungskooperation und Meinungsverschiedenheiten beim Verkauf kritischer Infrastruktur an China. Der deutsche 200 Milliarden Euro schwere "Doppelwumms" wurde vom Nachbarn als Alleingang angesehen, der dem Geist der vereinbarten Abstimmung widerspreche.

Neuer Anlauf für bessere Zusammenarbeit …

Der 60. Jahrestag des Élysée-Vertrags bietet nun einen guten Anlass, sich auf die gemeinsamen Werte zu besinnen. In diesem Rahmen soll auch der im Oktober 2022 verschobene deutsch-französische Ministerrat nachgeholt werden. Neuer Schwung in der Kooperation, vor allem in der Wirtschaft, ist in diesen Krisenzeiten unerlässlich. Die Grundlage dafür steht: Bei zahlreichen Wirtschaftsprojekten und in der Berufsbildungskooperation, etwa im Austauschprogramm "Pro Tandem", läuft die praktische Zusammenarbeit gut. Der wichtige Austausch von deutschem Strom und französischem Gas ist in vollem Gange. Auch zum Inflation Reduction Act der USA vertreten die Regierungen eine gemeinsame kritische Position und fordern eine starke Antwort seitens der EU.

… und für eine starke und wettbewerbsfähige EU

Beim Jubiläumstreffen in Paris sollen konkrete Fortschritte in schwierigen aktuellen Fragen erzielt werden. Gemeinsam wollen Deutschland und Frankreich die europäische strategische Souveränität fördern und bei der Entwicklung von Schlüsseltechnologien verstärkt zusammenarbeiten. Wasserstoff, Batteriezellfertigung und Gesundheitswirtschaft sollen dabei im Fokus stehen. Auch für eine sichere Versorgung mit Rohstoffen ist eine enge Kooperation von großer Bedeutung. Zudem soll eine neue europäische Plattform für Transformationstechnologien aufgebaut werden.

Kooperationsfelder Energie, Wasserstoff, Rohstoffe, Gesundheit

Die DIHK unterstützt eine engere wirtschaftspolitische Kooperation zwischen Frankreich und Deutschland, die einer besseren Zusammenarbeit auf EU-Ebene dient:

  • Die Senkung der Energiepreise und eine stärkere Verflechtung des EU-Energiebinnenmarktes können dazu beitragen, dass die europaweit wirtschaftlichsten Kapazitäten zum Einsatz kommen. Wichtig ist dabei, den Wettbewerb zwischen allen Stromerzeugungstechnologien aufrechtzuerhalten.
  • Die geplante bilaterale Arbeitsgruppe für Wasserstoff ist sinnvoll: Die Strategie Frankreichs zielt auf den Export von Wasserstoff ab; der in Deutschland entstehende Bedarf wiederum lässt sich nur mit Importen abdecken. Dies sollte sich in einer europäisch abgestimmten Importstrategie widerspiegeln.
  • Gemeinsame Initiativen zur besseren Versorgung mit Rohstoffen können wertvolle Impulse zum angekündigten Critical Raw Materials Act auf EU-Ebene geben. DIHK-Umfragen wie der AHK World Business Outlook belegen, dass es bei Rohstoffen gegenwärtig zu Engpässen kommt.
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Kontakt

Porträtbild Sara Borella, Referatsleiterin West- und Mitteleuropa
Dr. Sara Borella Referatsleiterin West- und Mitteleuropa