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Potenziale der Medizinischen Versorgungszentren stärker nutzen

Menschen in Kittel stehen im Kreis

Auch für das Fachpersonal bieten Medizinische Versorgungszentren zahlreiche Vorteile

© Hispanolistic / E+ / Getty Images

Der Hausarzt im Nachbarort ohne Nachfolger, die Diagnostik eingeschränkt, das medizinische Angebot in der Region überschaubar – Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind oft eine Lösung für solche Probleme in der ambulanten medizinischen Versorgung. Die Wirtschaft hat ein großes Interesse daran, dass diese Versorgungsstrukturen gut funktionieren. Denn sie sind ein wichtiger Standortfaktor, um als Wohn- und Arbeitsort für Fachkräfte attraktiv zu sein – gerade im ländlichen Raum. Zudem beeinflusst eine gute Versorgung auch direkt die Arbeitsfähigkeit und reduziert Fehlzeiten von Beschäftigten in den Betrieben. Wie das Potenzial von MVZ noch besser genutzt werden kann, hat der DIHK nun in einem Impulspapier zusammengetragen.

MVZ als Teil des Gesundheitswesens

MVZ sind Einrichtungen, die Patienten ambulant – also ohne stationären Aufenthalt – medizinisch versorgen. Die Trennung zwischen Inhaberschaft (Träger) und medizinischer Ebene ist dabei charakteristisch. MVZ können bislang von einigen wenigen Leistungserbringern wie Ärzten und Krankenhäusern gegründet werden. Auch gemeinnützige Träger oder Kommunen sind mögliche Gründer. Allerdings müssen MVZ immer in ärztlicher Leitung – weisungsungebunden von der Verwaltung beziehungsweise dem Träger – geführt werden.

Vorteile erkennen …

Das MVZ in seiner existierenden Form bietet für die ambulante Versorgung schon jetzt einige Chancen: Denn sie können spezifische Aufgaben übernehmen – etwa bei der Weiterentwicklung digitaler Infrastrukturen, bei der Implementierung digitaler Technologien, aber auch bei der Weiterbildung oder Qualitätssicherung. Auf diese Weise erhöhen sie die Attraktivität der ärztlichen Tätigkeit in der ambulanten Versorgung, da der MVZ-Träger die medizinische Ebene von Bürokratie entlastet und wichtiges Organisationswissen einbringt. Durch Trägerkombinationen – eine gemeinsame MVZ-Gründung durch unterschiedliche Akteure – können Synergieeffekte etwa über eine Zusammenführung von Know-how erzeugt werden. Dies kann einen großen Beitrag zu einer effizienten Versorgung leisten.

Außerdem müssen sich Ärzte nicht selbst den Herausforderungen und finanziellen Risiken einer Praxisgründung stellen, etwas in strukturschwachen Regionen. MVZ können mit flexiblen Beschäftigungsangeboten zudem interessant für Fachkräfte sein – insbesondere für Ärzte mit Kindern und Herausforderung bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die ärztliche Berufsausübung in einer ambulanten Versorgung wird dadurch insgesamt attraktiver. MVZ können damit dem Fachkräftemangel – gerade im ländlichen Raum – entgegenwirken.

… und Potenziale stärker nutzen

Um die medizinische Versorgung als wirtschaftsrelevanten Standortfaktor zu stärken und zugleich die Versorgung für die Menschen zu verbessern, sollten die Möglichkeit der MVZ noch weiter ausgebaut werden. So sollten auch weitere Akteure wie zum Beispiel Apotheken, Reha- und Vorsorgeeinrichtungen, Sanitätshäuser oder Privatärzte MVZ (mit-)gründen können. Potenziale der Trägervielfalt können so gerade im ländlichen Raum stärker genutzt werden. Zugleich ergeben sich mehr Gestaltungsmöglichkeiten für Trägerkombinationen – zum Beispiel eine gemeinsame Gründung durch je ein Ärztenetz, Apotheke und Sanitätshaus. Der Investitionsbedarf in der Versorgung ist sehr hoch: Hier können private Investoren ansetzen und so – vor allem auch im ländlichen Raum – Versorgungslücken schließen.

Die Größenvorteile und Kompetenzen überregionaler MVZ-Gruppen gilt es weiterhin zu nutzen; eine einschränkende Regulierung sollte hier unterbleiben. Denn es ist wichtig, den effizienten Einsatz von finanziellen Ressourcen in der Versorgung sicherzustellen; schließlich werden sie durch die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung und somit auch von der Gesamtwirtschaft finanziert. 

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Dr. Philipp Wien Referatsleiter Gesundheitswirtschaft