Pfadnavigation

Potenziale nutzen: Indien im Fokus der Außenwirtschaft

Von der Leyen und Modi

Ursula von der Leyen und Narendra Modi trafen sich kürzlich in Indien

© European Union, 2022

Indien wird in Kürze das bevölkerungsreichste Land der Welt sein. Mit bald anderthalb Milliarden Menschen bietet dieser Markt große Geschäftschancen für die deutsche Wirtschaft. Bisher rangiert Indien nur auf Platz 24 der deutschen Handelspartner weltweit. Grund hierfür ist unter anderem die Handelspolitik des Subkontinents, die bislang vor allem auf Marktabschottung setzt.

Angesichts zunehmender Herausforderungen in den globalen Handelsbeziehungen und weltwirtschaftlicher Entkopplungsbewegungen wäre eine engere Partnerschaft mit Indien für die deutschen Unternehmen eine gute Nachricht. Ein Handelsabkommen zwischen der EU und Indien, wie von Premierminister Narendra Modi und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jüngst angekündigt, könnte wichtige Türen öffnen und Lieferketten absichern.

Viertwichtigster Handelspartner Deutschlands in Asien-Pazifik

Indiens Bevölkerung ist jung und dynamisch; die Wirtschaft wächst. Gleichzeitig positioniert sich der Subkontinent in der Boom-Region Asien-Pazifik als ökonomische Alternative zu China. In Zeiten zunehmender internationaler Handelskonflikte und erodierender Welthandelsregeln wird der deutsch-indische Warenaustausch intensiver: Das bilaterale Handelsvolumen betrug im vergangenen Jahr 23,3 Milliarden Euro. Damit ist Indien immerhin viertwichtigster Handelspartner Deutschlands im Asien-Pazifik-Raum; umgekehrt zählt die Bundesrepublik zu den zehn wichtigsten Handelspartnern des südasiatischen Landes. Rund 1.800 deutsche Unternehmen sind über eigene Niederlassungen vor Ort vertreten – mit insgesamt über 500.000 Beschäftigten.

Neuer Indopazifik-Fokus Europas

Während sich China und die USA weiter voneinander entkoppeln und der Ukraine-Krieg globale Lieferkettenproblemen verschärft, möchten Deutschland und die EU eine Diversifizierung ihrer internationalen Handelsverflechtungen vorantreiben. Indien soll hierfür im asiatischen Raum eine bedeutende Rolle zukommen.

Seit Anfang 2021 hat die EU eine eigene Strategie für Kooperationen im Indopazifik. Deutschland gab bereits 2020 seine Indopazifik-Leitlinien bekannt. Zentrale Punkte sind eine stärkere Kooperation bei globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel sowie bei der Reform der Welthandelsregeln. Auch der Schutz von Lieferketten und die Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung, Innovation und Digitalisierung sind im Gespräch. Für deutsche Unternehmen könnten hierbei neue Markt-, Absatz- und Innovationschancen entstehen.

Ambitionierte Handelsverhandlungen

Der Besuch der EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen in Indien am 24./25. April stellt eine wichtige Wegmarke für die Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen dar. Dabei wurde einer Wiederaufnahme der seit 2013 ruhenden Verhandlungen zu einem Handelsabkommen für Mitte dieses Jahres angekündigt – ein wichtiges Zeichen für regelbasierten Handel und fairen Wettbewerb zwischen diesen beiden großen Wirtschaftsregionen.

Im Raum steht ein Handelsabkommen, das symbolträchtig beim indischen G20-Gipfel 2023 abgeschlossen werden könnte und wichtige Wettbewerbsvorteile für auslandsaktive deutsche Unternehmen schaffen würde. Zudem wurden bei dem Besuch ein bilaterales Investitionsabkommen sowie ein Abkommen zum Schutz geografischer Herkunftsbezeichnungen angekündigt – dies könnte etwa Bayerisches Bier, Moselwein oder Lübecker Marzipan in Indien besser schützen.

Und nicht zuletzt vereinbarten die EU und Indien einen sogenannten Handels- und Technologierat EU-Indien zur besseren wirtschaftlichen Vernetzung. Deutsche Unternehmen könnten von Zollsenkungen und einem Abbau von Handelshürden profitieren – etwa in den Bereichen Digitalisierung, Maschinen, Kraftfahrzeuge, Textilien, Pharma und Chemie.

Hierfür sollte sich auch die Bundesregierung bei den anstehenden sechsten deutsch-indischen Regierungskonsultationen einsetzen. Schließlich ist eine konstruktivere Rolle Indiens in der Welthandelsorganisation sowie im Rahmen der G20 nötig. So sollte sich das Land im Umgang mit den wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in der Ukraine keine unfairen Wettbewerbsvorteile gegenüber deutschen Unternehmen verschaffen.

Logo auf dem "Thema der Woche" steht.

© DIHK

Kontakt

Mann im Haus der Deutschen Wirtschaft
Klemens Kober Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen

Kontakt

Porträtfoto Sabrina Netzer
Sabrina Netzer Referatsleiterin Süd- und Südostasien, Pazifik | APA: Australien und Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK)