Pfadnavigation

Unternehmen behaupten sich in schwierigem internationalen Fahrwasser

Container-Terminal Hongkong bei Nacht

Welche Perspektiven hat der weltweite Handel? AHK-Vertreter schildern ihre Einschätzungen

© xPACIFICA / Stone / Getty Images

Die Herausforderungen für deutsche Unternehmen im Ausland sind auch gut anderthalb Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie zahlreich. Steigende Rohstoffpreise und Reiseeinschränkungen haben die Störungen in den Lieferketten in den vergangenen Monaten nochmals befeuert – hiervon sind aktuell mehr als die Hälfte der international aktiven deutschen Betriebe betroffen.

Die Einschätzungen zur internationalen Konjunktur trüben sich daher gegenüber dem Frühjahr leicht ein. Dennoch behaupten sich die deutschen Unternehmen im Ausland und blicken positiver auf die Entwicklung ihrer eigenen Geschäfte. Das geht aus dem aktuellen AHK World Business Outlook hervor, der Rückmeldungen von mehr als 3.200 deutschen Unternehmen im Ausland zusammenfasst.

Erwartungen sinken vor allem in China und USA

41 Prozent der Unternehmen weltweit rechnen mit einer besseren Konjunkturentwicklung vor Ort, 17 Prozent mit einer schlechteren. Damit sind die Einschätzungen insgesamt verhaltener als noch in der Vorumfrage – insbesondere in China und Nordamerika. Während im Frühjahr noch 70 Prozent der deutschen Unternehmen in der Volksrepublik von einer besseren Konjunkturentwicklung ausgingen, sind es aktuell nur noch 36 Prozent. In den USA sinkt dieser Wert von 74 auf 50 Prozent. Grund dafür ist, dass die Betriebe in diesen Regionen zuletzt besonders stark mit Herausforderungen wie hohen Rohstoffpreisen und Lieferkettenproblemen zu kämpfen haben.

Vielerorts zeigen sich die Unternehmen jedoch widerstandsfähig, was die eigene Geschäftslage betrifft. Insgesamt bewerten die deutschen Betriebe ihre derzeitige Situation an den internationalen Standorten positiver als im Frühjahr: Weltweit bezeichnen 52 Prozent ihre Lage als gut, nur 11 Prozent bewerten sie als schlecht. Insbesondere in Europa verzeichnen die Unternehmen gute Geschäfte: Davon berichten beispielsweise in Ost- und Südosteuropa 67 Prozent.

Auch mit Blick auf ihre Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten sind die deutschen Unternehmen mehrheitlich optimistischer als zuletzt – entgegen den verhaltenen Konjunkturerwartungen. Über alle Weltregionen hinweg erwarten 56 Prozent bessere, nur 6 Prozent schlechtere Geschäfte. Eine Erklärung für die unterschiedlichen Bewertungen der Geschäfts- und Konjunkturentwicklungen ist, dass die Unternehmen teilweise die Nachteile an einem Standort durch bessere Geschäfte an anderen Standorten ausgleichen können.

Zahlreiche Faktoren erschweren internationale Aktivitäten

Das wirtschaftliche Umfeld für Auslandsgeschäfte wird in vielen Weltregionen schwieriger. Für 44 Prozent der deutschen Unternehmen im Ausland stellen steigende Rohstoffpreise aktuell das größte Risiko für ihr Geschäft dar, gefolgt von wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen wie Steuern, Zöllen oder Sanktionen (40 Prozent). Auch Fachkräfteengpässe gewinnen an Bedeutung – diesen Aspekt nennen nun 37 nach zuvor 29 Prozent.

Auswirkungen der Corona-Pandemie

Weiterhin bestimmen pandemiebedingte Herausforderungen global das Geschäft international aktiver deutscher Unternehmen. So sind aktuell noch immer zwei Drittel der Betriebe von Reiseeinschränkungen betroffen – aus diesem Grund kommen Geschäftsabschlüsse nicht zustande, Montage- und Wartungsarbeiten können nicht durchgeführt werden.

Im Vergleich zur Vorumfrage noch einmal deutlich zugenommen hat auch der Anteil der Unternehmen, die von Problemen in Lieferketten und Logistik berichten – mehr als die Hälfte der Betriebe müssen sich derzeit dieser Herausforderung stellen. Die Folge sind fehlende Waren und Dienstleistungen sowie Produktionsausfälle, die insgesamt einen selbsttragenden, investitionsgetriebenen Aufschwung im internationalen Geschäft verhindern.

Logo auf dem "Thema der Woche" steht.

© DIHK

Kontakt

Porträtfoto Carolin Herweg
Carolin Herweg Referatsleiterin Grundsatzfragen der Außenwirtschaft und Entwicklungspolitik