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Verlässliche Finanzierungsbedingungen für Unternehmen

Hände von zwei Menschen, von denen einer Geldscheine hält, der andere einen Vertrag unterschreibt

Die für Deutschland typische Finanzierung mithilfe der Kreditwirtschaft hat erheblich zur Resilienz der hiesigen Wirtschaft beigetragen

© BernardaSv / iStock / Getty Images Plus

Die Betriebe in Deutschland stehen vor großen Herausforderungen – von der Transformation  hin zur klimaneutralen Produktion über  die Digitalisierung bis zur Bewältigung der  wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. In vielen Märkten wird zudem der internationale Wettbewerb intensiver. Dabei half bislang, dass Deutschland vergleichsweise gut aufgestellt war bei den Finanzierungsbedingungen für die Betriebe. Doch auch hier zeichnen sich starke Veränderungen ab.

Dem Mittelstand die Finanzierungspartner vor Ort erhalten

Die deutsche Wirtschaft, insbesondere der Mittelstand, setzt in der Unternehmensfinanzierung vor allem auf die drei Säulen der Kreditwirtschaft: Sparkassen, Genossenschaftsinstitute und private Geschäftsbanken. Die Finanzierungspartner konnten den Unternehmen über Branchen und Unternehmensgrößen hinweg  Angebote zur Fremdkapitalfinanzierung machen und sie auch während finanzieller Durststrecken unterstützen. Dies hat erheblich zur Resilienz der deutschen Wirtschaft in vielen Bereichen beigetragen. An diesem hierzulande typischen Modell wird allerdings seit geraumer Zeit gerüttelt. Denn seit der Finanz- und Staatsschuldenkrise vor rund zehn Jahren hat die Regulierung der Finanzmärkte stetig zugenommen. Für die Kreditwirtschaft bringt das höhere Fixkosten mit sich. Gleichzeitig müssen Risiken des Kreditgeschäfts mit tendenziell mehr Eigenmitteln unterlegt werden. Die Finanzierungspartner müssen sich dadurch betriebswirtschaftlich zusehends die Frage stellen, ob sie es sich leisten können, den Mittelständlern vor Ort in der bisherigen Form weiterhin zur Seite zu stehen.

Finanzplatz Deutschland muss runderneuert werden

In den Programmen der Parteien zur Bundestagswahl spielt dieses Thema kaum eine Rolle. Im Hinblick darauf, wie sich die deutsche Wirtschaft in der neuen Legislaturperiode auf- und umstellen kann, ist es aber hoch relevant. Für die Unternehmen kommt es vor allem auf folgende Punkte an:

  • Insbesondere die im Zuge der Corona-Pandemie geschwächte Eigenkapitalposition in zahlreichen Unternehmen machen weitere Eigenkapitalfinanzierungen notwendig. Ähnliches gilt im Zusammenhang mit Unternehmensnachfolgen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Gut ist daher, dass Mittelständische Beteiligungsgesellschaften ihr Finanzierungsangebot für den kleineren Mittelstand zuletzt verstärken und vielen Betrieben effektiv helfen konnten. Auch schlankere Prozesse in Verbindung mit großzügigeren Haftungsfreistellungen in der Unternehmensförderung zählen zu den positiven Erfahrungen der Krise. Für den größeren Mittelstand sollten neue Möglichkeiten geschaffen werden, außerbörsliches Eigenkapital beziehungsweise Beteiligungskapital aufzunehmen. Junge, technologieintensive Wachstumsunternehmen haben einen besonderen Kapitalbedarf. Im Vergleich zu anderen, ausländischen Börsen erschwert das deutsche Aktienrecht diesen Unternehmen eher hinreichend viele zusätzliche Investoren am hiesigen Standort erreichen zu können.
  • Derzeit vollzieht sich auf europäischer Ebene eine Entwicklung in Richtung einer stärker kapitalmarktbasierten Unternehmensfinanzierung. Das bietet auch der deutschen gewerblichen Wirtschaft gute neue Finanzierungsoptionen, wenn eine Vernetzung mit der hiesigen eher bankbasierten Unternehmensfinanzierung gelingt. Die Transformation hin zur klimaneutralen Produktion erfordert Finanzierungsvolumina im Mittelstand, die vermutlich nur durch eine kluge Vernetzung der bankbasierten Unternehmensfinanzierung mit institutionellen Anlegern generiert werden können.
  • Die nächste Bundesregierung sollte sich in Brüssel dafür einsetzen, dass bei der aufsichtsrechtlichen Praxis der Finanzmarktregulierung die Größe von Instituten stärker berücksichtigt wird. Nach jetzigem Stand würde der EU-Regulierungsrahmen die Spielräume für bankbasierte Unternehmensfinanzierungen weiter verengen. Regionale Kreditinstitute – und hier ist insbesondere das Gros des kleineren Mittelstands einschließlich Familienunternehmen engagiert – benötigen aber nicht die gleiche komplexe Regulierung wie international agierende Häuser. Eine solche komplexe Regulierung gefährdet vielmehr eine angemessene Langfristfinanzierung von Investitionen im Mittelstand. Nur mit einer flexiblen Betriebsmittelfinanzierung können sich diese Unternehmen aber weiterhin im internationalen Wettbewerb behaupten.

Diese skizzierten Maßnahmen können die Grundvoraussetzungen dafür schaffen, dass gerade den mittelständischen Betrieben auch zukünftig  verlässliche Finanzierungspartner zur Seite stehen. Denn unternehmerische Ideen müssen auch umgesetzt werden können – in Deutschland wird das auch in Zukunft größtenteils nur mit Unterstützung der drei Säulen der Kreditwirtschaft möglich sein.


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Porträtfoto Dr. Christian Fahrholz
Dr. Christian Fahrholz Referatsleiter Unternehmensfinanzierung und Finanzmärkte