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Aktualisierung der beschäftigungspolitischen Leitlinien

Fachkräftemangel in den Betrieben soll verstärkt angegangen werden
Unterricht

© Morsa Images / DigitalVision / Getty Images

Die im Mai von der Europäischen Kommission präsentierten Vorschläge, die EU-Leitlinien für beschäftigungspolitische Maßnahmen 2022 in den Mitgliedstaaten zu aktualisieren, sehen insbesondere verstärkte nationale Maßnahmen zur bildungs- und beschäftigungspolitischen Förderung des ökologischen und digitalen Wandels in der Wirtschaft und zur Integration von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine vor.

In den beschäftigungspolitischen Leitlinien werden jedes Jahr gemeinsame Prioritäten für die Beschäftigungspolitik der Mitgliedstaaten festgelegt. Die Mitgliedstaaten müssen sie nunmehr noch in einem gemeinsamen Ratsbeschluss genehmigen.

Die EU-Kommission unterstreicht in ihrem Vorschlag, dass kontinuierliche Reformen und Investitionen der Mitgliedstaaten insbesondere auch in ihre Bildungssysteme  von entscheidender Bedeutung  sein werden, wenn es darum geht, die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze, die Entwicklung von Kompetenzen und reibungslose Arbeitsmarktübergänge zu unterstützen sowie den anhaltenden Arbeitskräftemangel  für die Unternehmen und das Missverhältnis zwischen Qualifikationsangebot und -nachfrage in der EU anzugehen. Dazu weisen die beschäftigungspolitischen Leitlinien der EU die Richtung, wie allgemeine und berufliche Bildung sowie Arbeitsmarkteinrichtungen den aktuellen bildungs- und beschäftigungspolitischen Herausforderungen begegnen sollen. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten im Mai 2021 auf ihrem Sozialgipfel in Porto das für die betriebliche Fachkräftesicherung wichtige Beschäftigungskernziel definiert: Bis 2030 sollen mindestens 78 Prozent der EU-Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren erwerbtätig sein.  

Die diesjährigen Aktualisierungsvorschläge der EU-Kommission betreffen insbesondere die beschäftigungspolitische Leitlinie "Verbesserung des Arbeitskräfteangebots und des Zugangs zu Beschäftigung sowie des lebenslangen Erwerbs von Fähigkeiten und Kompetenzen". Die Mitgliedstaaten sollen u. a. mehr in berufliche Aus- und Weiterbildung investieren, den Zugang zu digitalen Lernangeboten verbessern und Sprachkurse, insbesondere für Ukraineflüchtlinge, anbieten. Ebenfalls sollen sie auch mit Trägern der Beruflichen Bildung, wie zum Beispiel Industrie- und Handelskammern, daran arbeiten, bestehende Qualifizierungsengpässe und Fachkräftemangel beim Einsatz erneuerbarer Energien oder Renovierung von Gebäuden zu beseitigen. Sowohl in der beruflichen als auch in der hochschulischen Bildung soll durch gezielte nationale Maßnahmen die Zahl der Absolventinnen und Absolventen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) erhöht werden.

Für die nationale Umsetzung der Leitlinie "Ankurbelung der Nachfrage nach Arbeitskräften" sollten betriebliche Umstrukturierungsprozesse durch gut durchdachte Kurzarbeitsregelungen und vergleichbare Regelungen erleichtert und unterstützt werden. Ferner sollten Weiterbildung- und Umschulungsmaßnahmen in Betracht gezogen werden, um die Schaffung von Arbeitsplätzen und berufliche Übergänge zu unterstützen und um den Arbeitskräftemangel und Qualifikationsdefizite zu beheben. Wie die DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2022 zeigt, beabsichtigt etwa jedes fünfte Unternehmen (19 nach zuvor 21 Prozent), mehr Personal einzustellen. Hingegen 14 Prozent (nach zuvor 13 Prozent) rechnen mit einem Abbau.

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Barbara Fabian Referatsleiterin EU-Bildungspolitik