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EU-Energierat: Position zu Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie

Unternehmen müssen Investitionen für Sanierungen einplanen
Gebäudefassade

Bald überall in Europa Realität: Ein energieeffizient umgebautes Gebäude in Deutschland

© Westend61 / Westend61 / Getty Images

Die Energieminister und -ministerinnen der EU-Mitgliedstaaten haben am 25. Oktober erneut getagt. Dabei wurde eine Positionierung zur Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie (EPBD) erzielt, die das Mandat für die Trilogverhandlungen seitens des Rates festlegt.

Zum einen hat der Rat die Vorgabe beibehalten, dass neue Gebäude ab 2030 emissionsfrei sein müssen. Es müssen auch alle Bestandsgebäude bis 2050 zu Nullemissionsgebäuden umgebaut werden. Zum anderen haben sich die Mitgliedstaaten für Nicht-Wohngebäude auf Schwellenwerte für die Gesamtenergieeffizienz geeinigt, die auf dem Primärenergieverbrauch basieren. Nicht-Wohngebäude sollten bis 2030 unter dem Schwellenwert von 15 Prozent und bis 2034 unter dem Schwellenwert von 25 Prozent liegen. Die Schwellenwerte würden auf der Grundlage des Energieverbrauchs des nationalen Gebäudebestands am 1. Januar 2020 festgelegt und können je nach Gebäudekategorie differenziert werden. Geprüft werden soll die Einhaltung der Schwellenwerte durch Energieeffizienzausweise. Zudem sollen die Mitgliedstaaten die Möglichkeit haben, Kriterien festzulegen, nach denen einzelne Gebäude von der Einhaltung dieser Schwellenwerte ausgenommen werden können unter Berücksichtigung der geplanten künftigen Nutzung des Gebäudes oder im Falle einer ungünstigen Kosten-Nutzen-Bewertung.

Die Länder einigten sich auch auf eine Solardachpflicht, die bis 2027 für die meisten neuen Nicht-Wohngebäude und bis 2030 auf allen neuen Wohngebäuden umgesetzt werden soll. Außerdem wollen sie eine zusätzliche Gebäudeklasse A+, einführen, das heißtGebäude, die mehr Energie ins Netz einspeisen als sie verbrauchen – zum Beispiel durch Sonnenkollektoren.

Für Unternehmen bedeuten die vorgesehenen Maßnahmen des Rates – trotz Änderungen zum Kommissionsvorschlag – massive Renovierungs- und Sanierungsanstrengungen. Dabei ist zu beachten, dass sich das klimaneutrale Gebäude aus einer individuellen Komposition von emissionsfreier Energieversorgung und dem dafür notwendigen Effizienzmaß bestimmt. Das gilt umso mehr für Nicht-Wohngebäude, deren Energieverbrauch sich nicht beliebig reduzieren lässt, sondern durch sehr individuelle betriebs-beziehungsweise produktionsbedingte Parameter determiniert ist. Auch müssen die materiellen und personellen Engpässe, mit in der Folge weiter steigenden Preisen, zur Erreichung der festgelegten Ziele berücksichtigt werden.

Im weiteren Verlauf muss das Parlament noch eine Position beschließen, was für Ende November vorgesehen ist. Der Beginn des Triloges ist dementsprechend für die nächste Ratspräsidentschaft im Jahr 2023 zu erwarten. Neben der Positionierung zur EPBD diskutierte der Energierat ebenfalls das Gas- und Wasserstoffpaket sowie Notfallmaßnahmen gegen hohe Energiepreise. Zu letzterem soll eine Einigung am 24. November getroffen werden, für den der nächste Energierat angesetzt ist.

Kontakt

Porträtfoto Josephine Möslein
Josephine Möslein Referatsleiterin Europäische Energie- und Klimapolitik