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EU-Taxonomie: Kommission verabschiedet Klimaschutz-Bewertungskriterien

Unternehmen müssen Einhaltung offenlegen
Hände mit Formular, Kuli und Taschenrechner

Viele Unternehmen werden bald offenlegen müssen, inwiefern sie die Kriterien für nachhaltiges Wirtschaften einhalten

© Virojt Changyencham / Moment / Getty Images

Die EU-Kommission hat sich am 21. April politisch auf die Bewertungskriterien für die Klimaschutzziele der EU-Taxonomie geeinigt. Die delegierte Verordnung legt in ihren Anhängen für zahlreiche Wirtschaftstätigkeiten meist quantitative Kriterien fest, anhand derer zukünftig durch Finanzmarktakteure die Nachhaltigkeit im Sinne des Klimaschutzes bewertet werden soll. Die Auswirkungen auf Unternehmen sind weitreichend.

Angewandt werden wird die Taxonomie inklusive ihrer Kriterien einerseits von der Finanzwirtschaft, die nachhaltige Finanzprodukte anbietet. Zugleich werden Unternehmen der Realwirtschaft verpflichtet, bereits ab dem Jahr 2022 offenzulegen, inwiefern sie die Taxonomie-Kriterien einhalten. Finanzinstitute werden den Anteil der Finanzierungen offenlegen müssen, die in Wirtschaftstätigkeiten fließen, die den Taxonomie-Kriterien entsprechen.

Schließlich werden die Finanzierungsbedingungen und der Zugang zu Finanzierungen beeinflusst. Für Unternehmen, die die Kriterien nicht erfüllen, könnten sich die Bedingungen verschlechtern beziehungsweise der Zugang zu Finanzierungen gar verwehrt werden. Für Unternehmen, die die Kriterien erfüllen, könnte eventuell der gegenteilige Effekt eintreten.

Aufgrund der Kritik zahlreicher Mitgliedstaaten und Europaabgeordneter hat die Kommission entschieden, zunächst auf die Festlegung von Kriterien für die Verstromung von Erdgas zu verzichten. Stattdessen sollen die Regeln im Laufe des Jahres in einer zusätzlichen delegierten Verordnung fixiert werden, die voraussichtlich auch Kriterien für die Kernenergie enthalten wird. In Deutschland wird damit gerechnet, dass in Folge des Atom- und Kohleausstiegs Investitionen in hocheffiziente Gaskraftwerke notwendig sein werden, um eine sichere und kostengünstige Stromversorgung zu gewährleisten.

Für die meisten energieintensiven Industriebranchen wird auf die novellierten Benchmarks des Europäischen Emissionshandels abgestellt. Oft werden noch zusätzliche Bedingungen gestellt, wie Vorgaben für die Stromintensität der Produktion oder die Emissionsintensität des eingesetzten Stroms.

Aktuell arbeitet eine von der Kommission bestellte Expertengruppe an Vorschlägen für Bewertungskriterien für die verbleibenden vier Umweltziele.

Kontakt

Porträtfoto Julian Schorpp
Julian Schorpp Referatsleiter Europäische Energie- und Klimapolitik