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Europäischer Ansatz zu kurzen Weiterbildungsangeboten angenommen

Betriebe benötigen Fachkräfte mit den richtigen Kompetenzen für die Arbeitswelt
Zwei Personen besprechen sich im Seminar

Microcredentials können in Präsenz- oder Distanz- sowie in Mischformaten erworben werden

© Tom Werner / DigitalVision / Getty Images

Auf der Basis eines Vorschlags der EU-Kommission vom Dezember 2021 haben die für Beschäftigung und Sozialpolitik zuständigen EU-Minister auf ihrer Ratstagung am 16. Juni eine Empfehlung an die EU-Mitgliedstaaten über einen europäischen Ansatz für Microcredentials (MCs) für lebenslanges Lernen und Beschäftigungsfähigkeit verabschiedet.

MCs, die bisher vor allem in der akademischen Welt bekannt sind, bescheinigen Lernergebnisse, die im Rahmen einer kleineren Lernerfahrung, zum Beispiel einem kurzen Kurs oder Webinar, erzielt wurden. Die Empfehlung stellt die Bedeutung von MCs auch für die Berufliche Bildung im Sinne von Teilqualifikationen und das Beschäftigungssystem, Umschulung und Höherqualifizierung, in den Mittelpunkt. Sie enthält unter anderem:

  • eine Reihe von Standardelementen zur Beschreibung eines MCs, wie Lernergebnisse, dafür erforderlicher Arbeitsaufwand und Art der Bewertung;
  • Leitlinien zur Entwicklung eines "Ökosystems" für MCs: Beispielsweise sollen Einrichtungen der beruflichen Aus- und Weiterbildung, Unternehmen, Berufsbildungsanbieter etc.  bei der Entwicklung von MCs gefördert werden.
  • Grundsätze für Qualitätssicherungsmechanismen und von Standards für das Angebot von MCs.  

Im Vergleich zum EU-Kommissionsvorschlag enthält der finale Empfehlungstext zwei aus Sicht des DIHK wichtige Ergänzungen. So wurde darin der rein empfehlende Charakter des Vorschlags sprachlich stärker herausgestellt und auch eine Begriffsbestimmung zur Kumulierbarkeit von MCs aufgenommen. Hierzu wurde ergänzt, dass das Kumulieren von MCs nicht automatisch einen Anspruch auf eine Qualifikation oder einen Abschluss begründet. Die nationale Entscheidung, Microcredentials zu kumulieren, liegt zudem bei den zuständigen regionalen Behörden wie den IHKn in Deutschland. Somit wird auch dem auf Ganzheitlichkeit und berufliche Handlungskompetenz ausgerichteten starken beruflichen Bildungssystem und der geregelten höheren Begriffsbildung in Deutschland Rechnung getragen.

Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, die Kommission bis Dezember 2023 über Maßnahmen zur Unterstützung der Ziele der Empfehlung zu informieren. Die Kommission soll dem Rat innerhalb von fünf Jahren nach Annahme der Empfehlung über die erzielten Fortschritte Bericht erstatten.

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Barbara Fabian Referatsleiterin EU-Bildungspolitik