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Förderung der Weiterbildung und Kompetenzentwicklung durch individuelle Lernkonten

Qualifizierte Arbeitskräfte sind Schlüsselfaktor für Produktivität von Unternehmen
Zwei Frauen im Gespräch

Mit individuellen Lernkonten gegen den Fachkräftemangel

© SDI Produktions / E+ / Getty Images

In ihrem im Dezember 2021 vorgelegten Empfehlungsvorschlag fordert die EU-Kommission die Mitgliedstaaten auf, für Menschen im erwerbsfähigen Alter individuelle Lernkonten für die Teilnahme an arbeitsmarktrelevanten Weiterbildungen einzurichten. Ihre Initiative zielt darauf ab, die Teilnahmequoten an Weiterbildung zu erhöhen und Qualifikationslücken insbesondere im digitalen Bereich zu verringern.

Laut Kommission geben im Digitalen Kompass 2030 der EU mehr als 70 Prozent der Unternehmen an, dass der Mangel an Personal mit angemessenen digitalen Kompetenzen ein Investitionshindernis ist. 

Der Vorschlag sieht vor, dass mit individuellen Lernkonten auf nationaler Ebene ein neuer Ansatz für Weiterbildung geschaffen werden soll, bei dem Weiterbildungsansprüche vom ursprünglichen Geldgeber abgekoppelt werden und die Einzelpersonen voll über die Ansprüche verfügen können, an arbeitsmarktrelevanten Weiterbildungen teilzunehmen.  Je nach Unterstützungsbedarf können die Beträge angepasst werden und die einzelne Person soll frei zwischen Weiterbildungsangeboten wählen können, deren Qualität, Arbeitsmarktrelevanz und Anerkennung durch Aufnahme in ein öffentliches Verzeichnis gewährleistet sind. Dazu soll auch die Schaffung günstiger Beratungs- und Validierungsmöglichkeiten gehören.

Die EU wird keine Einlagen für individuelle Lernkonten bereitstellen. Die Mitgliedstaaten können aber finanzielle Unterstützung aus verschiedenen EU-Fonds in Anspruch nehmen, insbesondere aus dem Europäischen Sozialfonds Plus. Die Finanzierung soll vielmehr kostenteilig aus öffentlichen und privaten Geldern auf einem zentralen Konto gebündelt werden, wozu z.B. auch freiwillige Aufstockungen durch die Arbeitgeber gehören können. 

Bei der nationalen Schaffung individueller Lernkonten sollen die Mitgliedstaaten – unter der Einbindung der Sozialpartner und anderer Interessenträger wie auch Kammern – weitere flankierende Maßnahmen durchführen:

  • Definition der prioritären Zielgruppen mit Qualifikationsbedarf
  • Schaffung eines zentralen digitalen Portals zur Unterstützung individueller Lernkonten
  • Einführung von Bestimmungen über erhaltenen Bildungsurlaub
  • Nationales Verzeichnis förderfähiger Weiterbildungs-, Berufsberatungs- und Validierungsmöglichkeiten
  • gezielte Öffentlichkeitarbeit und Sensibilisierungsmaßnahmen

Nur am Rande handelt der Vorschlag von einer Übertragbarkeit der Anrechte und die flächendeckende Geltung auf dem EU-Binnenmarkt, also der gesamteuropäischen Einlösung von Ansprüchen. Der Kommissionsvorschlag wird nun unter Federführung der EU-Arbeits- und Sozialministerien im Rat mit den Mitgliedstaaten beraten. Der amtierende französische EU-Ratsvorsitz will ihn bis Juni endgültig verabschieden. Er wird auch Impulse für die im Koalitionsvertrag der neuen deutschen Ampelregierung angekündigten politischen Weiterbildungsmaßnahmen wie Bildungs(teil)zeit und an Kurzarbeitergeld angelehntes Qualifizierungsgeld geben.

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Barbara Fabian Referatsleiterin EU-Bildungspolitik

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Porträtbild Dr. Knut Diekmann, Referatsleiter Grundsatzfragen der Weiterbildung
Dr. Knut Diekmann Referatsleiter Grundsatzfragen der Weiterbildung