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Forschungsförderung in der EU: "Horizont Europa" kommt voran

Deutlich mehr Mittel und viele Hilfsangebote für Unternehmen
Frau sortiert in Produktion Tabletten.

Forschungsaktivitäten beispielsweise für Arzneimittel werden noch stärker bezuschusst

© Traimak_Ivan / iStock / Getty Images Plus

Die EU-Kommission hat Prioritäten für das Forschungs- und Innovationsförderprogramm Horizont Europa für die kommenden vier Jahre festgelegt. Mit dem Programm installiert die EU-Kommission ein Instrument, das wesentlich dazu beitragen soll, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu fördern und die Transformation hin zu einer digitalen und klimaneutralen EU zu unterstützen.

Der Strategieplan der Kommission sieht dafür vier strategische Leitlinien vor, an denen die Investitionen ausgerichtet sein sollen. Die geplante Förderung und Entwicklung digitaler, grundlegender und neu entstehender Technologien, Sektoren und Wertschöpfungsketten ist dabei für Unternehmen ebenso interessant wie das Ziel der Kommission, Europa zu einer digitalbasierten kreislauforientierten, klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft zu machen.

Fast 30 Prozent mehr Geld als bisher

Insgesamt wird Horizont Europa für den Zeitraum 2021 bis 2027 mit rund 95 Milliarden Euro ausgestattet sein. Damit stehen für Horizont Europa fast 30 Prozent mehr Mittel zur Verfügung als für das laufende Forschungs- und Innovationsprogramm "Horizont 2020". Den formalen Start des Programms hat EU-Forschungskommissarin Mariya Gabriel bereits verkündet. Bis die Unternehmen tatsächlich konkret Mittel beantragen können, wird es allerdings noch dauern.

Die im Strategieplan festgelegten Prioritäten sollen nun im Arbeitsprogramm zu Horizont Europa umgesetzt werden. Darin werden dann Finanzierungsmöglichkeiten für Forschungs- und Innovationstätigkeiten festgelegt. Die ersten Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen werden im Frühjahr 2021 veröffentlicht und auf den Europäischen Forschungs- und Innovationstagen am 23. und 24. Juni vorgestellt.

EIC wird zentrale Anlaufstelle für KMU

Neu in Horizont Europa ist der Europäische Innovationsrat (EIC), den die EU-Kommission jetzt auf den Weg gebracht hat, und der bis 2027 mit zehn Milliarden Euro (zu laufenden Preisen) ausgestattet ist.  Der EIC, der bislang nur als Pilotprojekt existierte, übernimmt dabei die Funktion einer zentralen Anlaufstelle, um Innovationen vom Labor bis zur Marktreife zu führen und Start-ups sowie kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) bei der Umsetzung ihrer Ideen in einem größeren Maßstab zu helfen. Mit Erfolg: Allein während der Pilotphase ist es den Begünstigten des EIC gelungen, zusätzlich zur Förderung durch den EIC fast 5 Milliarden Euro von externen Investoren einzuwerben.

Förderung durch Accelerator und Pathfinder

Ein Förderinstrument des EIC ist dabei für kleine und mittlere Unternehmen besonders interessant: Der EIC-Accelerator (früher "KMU-Instrument") soll sie bei der Entwicklung und Markteinführung innovativer Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle unterstützen. Unternehmen können dabei Fördermittel in Form von Zuschüssen in Höhe von bis zu 2,5 Millionen Euro erhalten, was bei Bedarf noch um bis zu 15 Millionen Euro an Eigenkapital ergänzt werden kann.

Zusätzlich werden Business Coaching sowie Mentoring angeboten; und es gibt Hilfestellung bei der Vernetzung mit Investoren und gleichgesinnten Unternehmen. Bewerben können sich KMU und Start-ups mit neuen Ideen, die durch einen Businessplan zur Einführung marktfähiger Innovationslösungen untermauert werden. Die Ausschreibungen sind für alle Themen offen.

Auf dem Weg vom ersten Geistesblitz zum konkreten Konzept bietet zudem der "Pathfinder" Unterstützung. Das Programm gilt als Vorstufe des EIC-Accelerator und soll Unternehmen und Wissenschaftlern helfen, ihre innovativen Ideen voranzutreiben. Ein neuen EIC-Überleitungsfinanzierungssystem soll dabei helfen, aus Forschungsergebnissen aus dem Pathfinder und dem Europäischen Forschungsrat Innovationen werden zu lassen.

Unternehmen sollen "EU-Missionen" unterstützen

Als neues Instrument gehen in dieser Förderperiode die "EU-Missionen" an den Start. Ihr Ziel ist es, maßgeblich zur Lösung einiger der aktuell größten Herausforderungen beizutragen, etwa zur Umsetzung des Green Deal und des europäischen Plans zur Krebsbekämpfung oder zu einer nachhaltigen Entwicklung. Die EU-Kommission hat dafür fünf Missionsmanager ernannt, die eng mit Wirtschaft und Forschung zusammenarbeiten sollen.

Jede Mission bündelt ein Portfolio von Maßnahmen – Forschungsprojekte, politische Aktivitäten oder sogar Gesetzesinitiativen –, um ein messbares Ziel zu erreichen, das durch Einzelmaßnahmen nicht erreicht werden könnte. Den Unternehmen bietet sich hier die Gelegenheit, mit ihren Ideen und Innovationen entscheidend an der Umsetzung mitzuwirken und dabei gleichzeitig neue Märkte zu erschließen.

Enge Verzahnung mit anderen Programmen

Damit Forschungs- und Innovationsergebnisse rasch verbreitet und optimal in die Praxis überführt werden, ist eine enge Verzahnung von Horizont Europa mit anderen EU-Programmen wie zum Beispiel InvestEU, Erasmus+ oder den europäischen Struktur- und Investitionsfonds vorgesehen.

Alle Infos über Horizont Europa gibt es auch auf der Website der EU-Kommission.

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Christopher Gosau Referatsleiter Europäische Wirtschaftspolitik