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Richtlinienentwurf zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verabschiedet

Auf Unternehmen kommen umfangreichere Berichtspflichten zu
Bäume und Hochhäuser ragen zum Himmel

EU reformiert Nachhaltigkeitsberichterstattung ab 2023

© Hiroshi Watanabe / DigitalVision / Getty Images

Das Europäische Parlament hat am 10. November den im Sommer gefundenen politischen Kompromiss zwischen Rat und Parlament zur Nachhaltigkeitsberichterstattung formal verabschiedet.

Es bedarf noch eines entsprechenden Beschlusses des Rates, bevor die neue Richtlinie zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 537/2014 und der Richtlinien 2004/109/EG, 2006/43/EG und 2013/34/EU hinsichtlich der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen im Amtsblatt der EU veröffentlicht werden kann. Erst die im Amtsblatt veröffentlichte Fassung ist verbindlich.

Die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung weitet den Anwendungsbereich deutlich aus und sieht unterschiedliche Zeitpunkte für die erstmalige umfangreichere Berichterstattung vor. Die bisher bereits zur sogenannten CSR-Berichterstattung verpflichteten Unternehmen haben ihren Nachhaltigkeitsbericht für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2024 beginnen, nach den neuen Vorgaben zu erstellen. Darüber hinaus sind künftig alle großen Unternehmen und alle Mutterunternehmen einer großen Gruppe verpflichtet, einen Nachhaltigkeitsbericht für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2025 beginnen, anzufertigen.

Kleine und mittlere Unternehmen, deren Wertpapiere zum Handel auf einem geregelten Markt in der Europäischen Union zugelassen sind, und die keine Kleinstunternehmen sind, müssen für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2026 beginnen, einen Nachhaltigkeitsbericht vorlegen. Diese kapitalmarktorientierten KMU können für Geschäftsjahre, die vor dem 1. Januar 2028 beginnen, beschließen, auf einen Nachhaltigkeitsbericht zu verzichten und müssen dies begründen.

Darüber hinaus sind auch bestimmte Institute sowie bestimmte Versicherungsunternehmen vom Anwendungsbereich erfasst. Zudem ist für Emittenten nach der Richtlinie 2004/109/EG eine parallele gestufte Anwendung zur erweiterten Nachhaltigkeitsberichtserstattung vorgesehen. Für bestimmte Drittstaatsunternehmen gilt die neue Nachhaltigkeitsberichterstattung für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2028 beginnen.

Der Nachhaltigkeitsbericht als separater Abschnitt des Lageberichts muss künftig zur Erlangung begrenzter Sicherheit und später zur Erlangung hinreichender Sicherheit geprüft werden. Die neue Richtlinie sieht zudem Formatvorgaben für die Veröffentlichung, das einheitliche europäische Berichtsformat gemäß der Delegierten Verordnung (EU) 2019/815, und eine Etikettierung/Tagging der Informationen vor.

Parallel werden derzeit die in der neuen Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung vorgesehenen verbindlichen europäischen Standards von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) entwickelt. EFRAG hatte im Frühjahr 2022 Entwürfe für 13 Standards vorgelegt, die bis Anfang August kommentiert werden konnten.

Die überarbeiteten Standardentwürfe sollen demnächst durch EFRAG finalisiert und der EU-Kommission übermittelt werden. Die EU-Kommission soll diese verbindlichen europäischen Standards bis zum 30. Juni 2023 in Form delegierter Rechtsakte erlassen. Die vorgesehenen sektoralen europäischen Berichtsstandards sowie der Standard für kapitalmarktorientierte KMU sind bis zum 30. Juni 2024 von der Kommission zur Verfügung zu stellen.

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Porträtbild Annika Böhm, Referatsleiterin Gesellschafts- und Bilanzrecht
Annika Böhm Referatsleiterin Gesellschafts- und Bilanzrecht

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Cornelia Upmeier Referatsleiterin CSR | Sonderprojekte