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Assistierte Ausbildung: "Lieber Hilfe holen als aufgeben"

"AsAflex" hält Azubis auch in schwierigen Situationen auf Erfolgskurs
Assistierte Ausbildung Position Wagner

Bei der Richard Wagner GmbH & Co KG nimmt derzeit Noah Majdic (r.) das Instrument AsAflex in Anspruch

© Julia Knorr

Nicht immer läuft es in der Berufsausbildung von Anfang an rund. Um Leistungen zu verbessern und Abbrüche zu vermeiden, setzen einige Unternehmen auf die "Assistierte Ausbildung flexibel", ein Instrument der Bundesagentur für Arbeit. Das IHK-Berufsbildungsmagazin "Position" hat Protagonisten getroffen.

Manchmal ist es die Berufsschule, die stresst, oder es sind private Probleme, die die Konzentration auf den Job erschweren: "Wir hatten zum Beispiel einen Auszubildenden, bei dem wir mit der Zeit gemerkt haben, dass der zu Hause komplett auf sich allein gestellt war, sein Essen selbst einkaufen und kochen, seine Wäsche selbst waschen musste", erzählt Anne Wagner, nicht nur Geschäftsführerin, sondern auch so etwas wie die Firmen-Mama der 120 Mitarbeiter der Richard Wagner GmbH & Co KG aus dem nordbayerischen Amberg.

Unterstützung findet Anne Wagner seit zwei Jahrzehnten bei Martin Gimpl, Maßnahmenleiter beim Kolping-Bildungswerk. "Der Einstieg in die Assistierte Ausbildung flexibel ist zu jedem Zeitpunkt der Ausbildung möglich", erklärt er. Auftraggeber der Maßnahme ist die Agentur für Arbeit, die auch für alle Kosten aufkommt.

DIHK-Bereichsleiter Schönefeldt: "Sehr hilfreiches" Instrument

Mehr als 33.000 junge Menschen nehmen aktuell an einer Maßnahme der Assistierten Ausbildung – kurz "AsAflex" – teil, erhalten auf diese Weise Stütz- oder Förderunterricht, sozialpädagogische Betreuung oder professionelle Ausbildungsbegleitung. Allein 2021 hatte die Arbeitsagentur knapp 140 Millionen Euro in diese Förderung investiert. "In vielen Unternehmen herrscht ein akuter Fachkräftemangel. Dennoch wird noch immer jeder vierte Ausbildungsvertrag vorzeitig aufgelöst. Daher sind Instrumente wie AsAflex sehr hilfreich, um die Zahl der Abbrüche zu reduzieren", sagt Nico Schönefeldt, Leiter des Bereichs Ausbildung beim DIHK.

Der zusätzliche Stütz- und Förderunterricht findet meist im Anschluss an die Arbeit im Betrieb statt. Doch das Büffeln, manchmal auch ein klares Wort oder eine Aussprache bei den Erziehungsberechtigten können sich lohnen. Das beweist auch die Richard Wagner GmbH. In den vergangenen 20 Jahren glückte hier sieben Azubis über Maßnahmen der Assistierten Ausbildung der Berufsabschluss. Anlaufstelle für den Betrieb war dabei stets Martin Gimpl, der die Maßnahmen koordinierte, mit Lehrern, gegebenenfalls Eltern und Ausbildern sprach. "Anruf genügt", lobt Anne Wagner.

Ungenutzte Potenziale fördern

Eine junge Frau sitzt einem Leitungssytem und lächelt in die Kamera

Elona Shaqiri hat von AsAflex sehr profitiert

© Andreas Wiese

Auch im Niederbergischen Land wirkt AsAflex. Elona Shaqiri spricht mehrere Sprachen. Englisch, Albanisch, Arabisch, ein wenig Türkisch. "Das Lernen fällt mir leicht", sagt die 24-Jährige, die in ihrer Heimat, dem Kosovo, das Abitur machte und mit einem Studium liebäugelte. Doch es kam anders. 2019 zog sie nach Deutschland, wo sie nach Sprach- und Integrationskursen beim Zentrum für Brandschutztechnik (ZFB) in Wülfrath eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement begann. "Am Anfang war es schwer, mich zu verständigen und alles zu verstehen, vor allem in der Schule", erinnert sich Elona Shaqiri. "Mir war schnell klar, dass ich mein Deutsch verbessern musste, um alle Aufgaben uneingeschränkt erledigen und die Ausbildung erfolgreich abschließen zu können."

Seit acht Monaten hat sie dabei fachgerechte Hilfe. Einmal pro Woche erhält die angehende Kauffrau professionellen Deutschunterricht – eine eineinhalbstündige Nachhilfe, organisiert und finanziert von der Bundesagentur für Arbeit. "In Zeiten rückläufiger Bewerberzahlen gilt es, ungenutzte Potenziale zu fördern und die Kluft zwischen den Erfordernissen der Betriebe und den Kompetenzen der Auszubildenden zu überbrücken", erklärt Christian Ludwig, Sprecher der Arbeitsagentur.

"Weil schon jetzt in vielen Branchen ein Fachkräfte-Engpass zu beobachten ist, werden Instrumente immer wichtiger, die junge Menschen in die Ausbildung integrieren und im engen Schulterschluss mit den Betrieben begleiten", sagt Jens Peschner, Ausbildungsexperte der IHK Düsseldorf. Angebote wie AsAflex böten einen Anreiz, auch denjenigen eine Ausbildung zu ermöglichen, die keine Top-Noten vorweisen könnten und auf den ersten Blick weniger geeignet erschienen. "Mit gezielter Unterstützung können Defizite ausgeglichen werden. Ich empfehle, Bewerber ganzheitlich zu betrachten – weg von guten Zeugnissen, hin zum persönlichen Profil", so Peschner.

Zeit und Energie investieren

Sprachliche Hürden, schulische Probleme, persönliche Differenzen: Die Gründe für Nachhilfe in der Ausbildung – ob mit oder ohne AsAflex – sind vielfältig, und häufig geht es um mehr als reine Wissensvermittlung, weiß der Münchner Lernbegleiter Benjamin Jaksch. "Es bedeutet auch, junge Menschen an die Hand zu nehmen, Vertrauen aufzubauen und ihnen zuzuhören, wenn sie zweifeln." Gerade Berufsanfängern sei es wichtig, im Job ihre ganz eigenen Talente einbringen zu können, etwas Sinnvolles zu tun und sich nicht verbiegen zu müssen, so Jaksch. Oft passe diese Vorstellung nicht zur Realität in der Arbeitswelt. Sein Rat: "Unternehmen, die Auszubildende finden und halten wollen, müssen Zeit und Energie darauf verwenden, sie individuell zu fördern und zu motivieren. Bildung ist Beziehung."

Bis zum Ende der Ausbildung profitieren

Elona Shaqiri ist glücklich. Sie hat ihre Zwischenprüfung bestanden und gute Chancen, nach dem Abschluss vom ZFB übernommen zu werden. Bis zum Ende ihrer Ausbildung wird sie von AsAflex profitieren. "Ich bin dankbar dafür und kann nur jedem empfehlen, sich Hilfe zu holen, statt aufzugeben." ZFB-Ausbildungsleiter Rainer Gottula sieht deutliche Fortschritte: "Sie ist selbstbewusster geworden, routinierter im Kundenkontakt und offener im Umgang mit Kollegen." Der Unterricht sei ein voller Erfolg, auch für das noch junge Unternehmen ZFB. "Wir wollen wachsen und brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, die mit Spaß bei der Arbeit sind. Maßnahmen wie AsAflex können dabei sehr hilfreich sein."

Wissenswertes zur Assistierten Ausbildung flexibel

Zielgruppe:

Die Assistierte Ausbildung flexibel (AsAflex) richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die eine Ausbildung ohne Unterstützung nicht aufnehmen, fortsetzen oder erfolgreich beenden können. Dafür wurden die Assistierte Ausbildung (AsA) und die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) zusammengeführt und erweitert. Auch Unternehmen erhalten Hilfen, etwa bei organisatorischen und administrativen Aufgaben, damit eine Berufsausbildung in ihrem Betrieb möglich und erfolgreich umgesetzt werden kann. Teilnehmer einer Einstiegsqualifizierung können die Förderungsmaßnahmen ebenfalls in Anspruch nehmen.
 

Ablauf:

Die Förderung verläuft in zwei Phasen – einer optionalen ausbildungsvorbereitenden und einer ausbildungsbegleitenden Phase. Während der maximal sechsmonatigen Vorphase hilft AsAflex bei der Ausbildungsplatzsuche und bei der Vorbereitung auf den Berufseinstieg. Die begleitende Phase umfasst die gesamte Dauer der Ausbildung und kann auch eine Nachbetreuung einschließen. Sie beinhaltet Stütz- und Förderunterricht, um Sprach- und Bildungsdefizite auszugleichen, Hilfe bei der Vorbereitung auf die Zwischen- oder Abschlussprüfung, aber auch sozialpädagogische Begleitung.
 

Träger:

Die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter beauftragen einen Bildungsträger damit, die Assistierte Ausbildung flexibel umzusetzen. Die Unterstützung erfolgt durch ein Team aus Ausbildungsbegleitern, sozialpädagogischen Fachkräften und Lehrkräften, das sich mit dem jeweiligen Betrieb und der Berufsschule über den Förderbedarf abstimmt. AsAflex-Maßnahmen finden in der Regel außerhalb der betrieblichen Ausbildungszeit statt.
 

Kosten:

AsAflex wird von den Agenturen für Arbeit beziehungsweise vom Jobcenter finanziert. Den Ausbildungsbetrieben und den Auszubildenden entstehen keine Kosten.


Beantragung/Beratung:

Unternehmen nutzen die kostenfreie telefonische Arbeitgeber-Servicenummer 0800 4 5555 20



Kontakt

Mann steht vor Gemälde und hat die Arme verschränkt.
Thilo Kunze Referatsleiter Infocenter, Chefredakteur POSITION

IHK-Bildungsmagazin "Position"

Das IHK-Bildungsmagazin erscheint jeweils zum Quartalsanfang und bietet vor allem Ausbildern, Personalverantwortlichen und Prüfern Tipps, Ideen und Tools zur Fachkräftesicherung, Best Practices und bildungspolitische Vorschläge. Unter www.ihk-position.de begleiten Hintergründe, Bilderstrecken und Videos online das Printprodukt.