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Biete Werkbank gegen Schulbank: Mehr Berufsorientierung für mehr Azubis

Corona: Bewerbungsgespräch mit Masken

In der Pandemie waren auch die Bedingungen für das gegenseitige Kennenlernen ungünstig

© Westend61 / Getty Images

Die Corona-bedingten Einschränkungen haben die Berufsorientierung, Berufsberatung und Ausbildungsplatzsuche erheblich erschwert. Viele Ausbildungsmessen und Betriebspraktika konnten nicht wie gehabt stattfinden, mussten komplett abgesagt oder in den digitalen Raum verlegt werden. Auch die Berufsberater der Arbeitsagenturen konnten nicht wie gewohnt in die Schulen gehen.

Vor allem im IHK-Bereich, in dem viele Branchen und Betriebe während des Lockdowns vorübergehend komplett geschlossen waren, die Belegschaft phasenweise komplett im Homeoffice gearbeitet hat und es Zugangsbeschränkungen für Externe gab, waren Praxiseinblicke für Schüler zeitweise schwierig. So konnten viele Jugendliche kein Schülerpraktikum oder andere Maßnahmen der beruflichen Orientierung nutzen, bevor sie die Schulen verließen.

Weniger Berufsorientierung – weniger Bewerbungen

Diese fehlende berufliche Orientierung hat die Unsicherheit und unklaren Berufsvorstellungen vieler Jugendlicher weiter verstärkt. Beides ist an den sinkenden Bewerberzahlen der Arbeitsagenturen und Betriebe belegbar. Eine praxisorientierte Berufsorientierung und frühzeitige Praktika sind aber entscheidend dafür, Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt zusammenzubringen.

Die Unternehmen wissen um den hohen Stellenwert der Berufsorientierung für beide Seiten: Ohne Praktika keine Azubis und ohne Azubis keine ausgebildeten Fachkräfte, die so dringend von der Wirtschaft gesucht werden. Drei von vier Ausbildungsbetrieben wollen deshalb ihr Engagement in der beruflichen Orientierung noch weiter stärken.

Unternehmen steuern gegen: mit Praktika und Veranstaltungen, ...

Für das zusätzliche betriebliche Engagement zur Berufsorientierung Jugendlicher tragen die Unternehmen insbesondere durch ein sehr deutliches Mehrangebot von Schülerbetriebspraktika bei. Mehr als jeder zweite Ausbildungsbetrieb will mehr Praktikumsplätze zur Verfügung stellen. In der Industrie, im Maschinenbau, der Kfz-Produktion/-Zulieferung und Metallverarbeitung sowie dem Gastgewerbe sind es sogar über 60 Prozent, die künftig mehr Praktikumsplätze anbieten wollen.

39 Prozent der Ausbildungsbetriebe möchten künftig verstärkt Veranstaltungen anbieten. Dabei geht es beispielsweise um Azubi-Speed-Datings oder um die Zusammenarbeit mit Schulen, etwa ein Tag der offenen Tür im Betrieb. Die digitalen Informationsangebote bleiben weiterhin beliebt und wurden von 25 Prozent der Betriebe an dritter Stelle genannt. Und noch 5 Prozent der Ausbildungsbetriebe wollen ihr Engagement zur beruflichen Orientierung dadurch stärken, dass sie künftig hybride Formate ausbauen.

Grafik Ausbildungsumfrage 2022: Wie engagieren Sie sich für mehr Berufsorientierung?

© DIHK

... Ausbildungsbotschaftern und Azubi-Scouts

17 Prozent planen, vermehrt mit Ausbildungsbotschaftern und Azubi-Scouts in die Schulen zu gehen, um authentisch Peer-to-Peer für die beruflichen Perspektiven einer dualen Berufsausbildung zu werben. Bei den Betrieben aus der Kfz-Produktion beziehungsweise Kfz-Zulieferung sind es sogar 30 Prozent. Insgesamt bauen die Unternehmen im Bereich der "blue-collar worker", der Industriearbeiter, ihr Engagement noch etwas stärker aus als im Bereich der "white-collar worker", der klassischen Bürojobs.

Die Unternehmen sind sich der schwierigen Situation des mangelnden Fachkräftenachwuchses bewusst. Sie weiten ihre bereits großen Anstrengungen in der beruflichen Orientierung noch weiter aus. Die Unternehmen haben ihre Türen und Tore weit geöffnet und werben um den Nachwuchs.

Neue digitale Formate bleiben

Während der Pandemie haben Wirtschaft und Kammern neue digitale Formate entwickelt, um die fehlenden Angebote zur Berufsorientierung von Schulen und Arbeitsagenturen bestmöglich abzufedern. Diese digitalen, hybriden und analogen Ansätze sollen fortgeführt und weiterentwickelt werden, um Jugendlichen künftig wieder mehr Angebote machen zu können: Denn mehr Berufsorientierung hat mehr Bewerber zur Folge. Und das bedeutet am Ende mehr Azubis.

Tipp: Auf der Suche nach dem Traumberuf oder einem Ausbildungsplatz? Die interaktive Landkarte zu den bundesweiten IHK-Angeboten der Berufsorientierung und Ausbildungsplatzsuche hilft Schülerinnen und Schülern, Ausbildungsplatzsuchenden, Eltern, Lehrkräften sowie Studienzweiflern oder -abbrechern, passende Angebote zu finden – digital und in Präsenz vor Ort. Hier geht es zu den Ausbildungs-Seiten Ihrer IHK.

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Porträtbild Ulrike Friedrich, Referatsleiterin Ausbildungsmarketing und -analysen | Digitalisierung
Ulrike Friedrich Referatsleiterin Ausbildungsmarketing und -analysen, Digitalisierung

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Jana Heiberger Referatsleiterin Berufsorientierung, Berufsschule, MINT-Förderung