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Weiterbildung nach Corona-Pandemie weiter im Suchmodus

Junge Menschen sitzen an einem Tisch mit Laptops, im Vordergrund eine dunkelhaarige Frau mit Stift in der Hand

Wie es um die Weiterbildung bestellt ist, hängt auch von der Unternehmensgröße ab

© alvarez / E+ / Getty Images

Nicht nur die duale Ausbildung ist für die Fachkräftesicherung von entscheidender Bedeutung für die Unternehmen. Auch die berufliche Weiterbildung leistet einen wichtigen Beitrag. Daher wurden die Unternehmen im Rahmen der DIHK-Ausbildungsumfrage auch nach den größten Herausforderungen bei der beruflichen Weiterbildung ihrer Beschäftigten befragt.

Dabei zeigte sich: Berufliche Weiterbildung stellt für ein knappes Drittel der Unternehmen aktuell keine besondere Herausforderung dar. Das gilt noch viel mehr für die Betriebe aus den Bereichen Banken/Versicherung sowie aus dem Immobiliensektor mit 55 beziehungsweise 45 Prozent.

Zwar führen nur 5 Prozent der Unternehmen an, dass sich eine Weiterbildung wegen des Umbruches des eigenen betrieblichen Geschäftsmodells nicht lohne beziehungsweise schwer zu organisieren sei. Insgesamt könnten dies jedoch bereits Vorboten auf mittel- und langfristige Veränderungen sein, die perspektivisch auf die Betriebe zukommen.

Im besonderen Maße gilt dies jetzt bereits für die Branchen, die durch die Pandemie stark unter Druck geraten sind, etwa Gastronomie und Veranstaltungswirtschaft. Aber auch in Sektoren, in denen die digitale Transformation rasch voranschreitet, deutet sich das an. Zu nennen sind hier Medien, Finanzen und unternehmensorientierte Dienstleistungen sowie nicht zuletzt die Bereiche Kfz-Produktion beziehungsweise -Zulieferung mit Blick auf die Dekarbonisierung: Dort gehen gut 9 Prozent der Unternehmen davon aus, dass sich ihr Geschäftsmodell angesichts der Transformation der Wirtshaft substanziell verändert – ein fast doppelt so hoher Anteil wie im Durchschnitt –, was die berufliche Weiterbildung vor Herausforderungen stellt.

Weiterbildung je nach Branche ...

Knapp jedes dritte Unternehmen (29 Prozent) berichtet davon, dass die derzeit gute Auftragslage ein Hindernis bei der beruflichen Weiterbildung ist. Die angespannte Personaldecke in vielen Betrieben und der Fachkräftemangel spielen hier eine entscheidende Rolle. Eine gute Auftragslage und damit einhergehend Fachkräfteengpässe hindern vor allem das Baugewerbe (43 Prozent), das Gastgewerbe (38 Prozent), IT-Dienstleister (37 Prozent) und die Veranstaltungswirtschaft (34 Prozent) daran, ihr Weiterbildungsengagement noch weiter auszubauen beziehungsweise auf dem bisherigen Niveau fortzuführen. Weniger betroffen zeigen sich hier Banken und Versicherer (10 Prozent).

Die Schwierigkeit, geeignete Weiterbildungsangebote zu identifizieren, wird von 20 Prozent der Betriebe angeführt. Das heißt im Gegenzug: 80 Prozent der Unternehmen haben keine nennenswerten Probleme, sich auf dem vielfältigen Weiterbildungsmarkt zu orientieren und passende Qualifizierungsangebote für ihre Beschäftigten zu finden. Im Bereich Banken/Versicherungen trifft dies sogar auf 90 Prozent der Unternehmen zu.

... vor unterschiedlichen Hürden

Die Herausforderung für Bildungsanbieter, rasch auf die aktuellen Fortbildungswünsche der Unternehmen und deren Beschäftigten zu reagieren, ist aber in jedem Fall gegeben. Gleichzeitig bedauern in den freien Antworten viele Unternehmen, dass beispielsweise Lehrgänge nicht zustande gekommen beziehungsweise abgesagt worden seien. Dies war aufgrund der Infektionsschutzmaßnahmen von Bund und Ländern vor allem in der ersten Hälfte der Pandemie ein großes Problem – gleichermaßen für Bildungsanbieter und die nachfragenden Betriebe und Beschäftigte.

Fehlende finanzielle Mittel und Ressourcen werden von lediglich 11 Prozent der Betriebe als Herausforderung für die berufliche Weiterbildung angegeben. Banken und Versicherer, aber auch das Baugewerbe zeigen sich in dieser Hinsicht vergleichsweise gut aufgestellt und weitaus besser als beispielsweise Gastronomie oder Veranstaltungswirtschaft, die mit 18 beziehungsweise 25 Prozent überdurchschnittlich häufig von fehlenden finanziellen Ressourcen berichten. Angesichts der besonderen Betroffenheit der letztgenannten Branchen durch die Corona-Pandemie ist dieses Ergebnis nachvollziehbar. Industrie und Handel bewegen sich mit 11 beziehungsweise 10 Prozent nahe am Durchschnitt.

Grafik Ausbildungsumfrage 2022: Welches sind die größten Herausforderungen bei der Weiterbildung?

© DIHK

Potenzial nach Unternehmensgröße

Im Betriebsgrößenvergleich zeigt sich ein klares Bild: Je größer ein Betrieb, desto seltener werden Herausforderungen bei der beruflichen Weiterbildung angegeben. Dagegen fallen die Ressourcen und Möglichkeiten bei den kleineren und Kleinstbetrieben sichtbar ab. Die Schwierigkeit, finanzielle Mittel für die Weiterbildung aufzubringen, ist in Kleinstbetrieben mit 21 Prozent deutlich größer als in Unternehmen mit über 1.000 Beschäftigten (8 Prozent).

Mögliche Probleme bei der Nutzung von Förderangeboten der Arbeitsagenturen zur beruflichen Weiterbildung sind bei kleinen und mittleren Unternehmen deutlicher ausgeprägt als bei größeren Betrieben. Dies belegt, dass größere Unternehmen es vielfach leichter haben, mit den vergleichsweise komplexen Regelungen der Arbeitsförderung umzugehen. So ist beispielsweise die Mindest-Gruppengröße von finanzierten Maßnahmen ebenso eine Hürde wie der Ausschluss der Förderung von innerbetrieblichen Maßnahmen.

Ohne motivierte Beschäftigte geht es nicht

Durchschnittlich gibt ein Fünftel der Betriebe eine zu geringe Motivation ihrer Beschäftigten als Hindernis für berufliche Weiterbildung an – in kleinen Unternehmen häufiger als in größeren und Großunternehmen. Hier kann auch eine Rolle spielen, dass es in kleineren Betrieben erfahrungsgemäß schwerer fällt, für eine anstehende berufliche Weiterbildung gegebenenfalls Arbeitsabläufe durch ein Verteilen auf mehrere Schultern umzustrukturieren.

Die Umfrage zeigt im Umkehrschluss jedoch auch, dass immerhin vier von fünf Betrieben auf die Teilnahmebereitschaft und Motivation ihrer Beschäftigten bauen können. Noch geringere Probleme mit der Weiterbildungsmotivation ihrer Mitarbeiter haben beispielsweise die Veranstaltungswirtschaft (11 Prozent) sowie Banken und Versicherer (13 Prozent). In den Antworten geben die Unternehmen zudem mangelnde Grundbildung – vor allem mit Blick auf Sprach- und Schriftfertigkeiten – als weiteren Hinderungsgrund für Weiterbildungsaktivitäten an. Dies könnte eine bestimmte Gruppe von Mitarbeitenden vor vorneherein von Weiterbildung ausschließen.

Kontakt

Porträtbild Dr. Knut Diekmann, Referatsleiter Grundsatzfragen der Weiterbildung
Dr. Knut Diekmann Referatsleiter Grundsatzfragen der Weiterbildung