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Auslandspraktika: Wenn jemand eine Reise tut …

Von internationalen Aufenthalten profitieren Azubis – aber auch ihre Betriebe
Auslandspraktikant in Malaysia

Der angehende Medienkaufmann Aaron Witt bei seinem Praktikum in Malaysia

© Aaron Witt

Auslandspraktika fördern nicht nur fachliche und sprachliche Kompetenzen, sondern sind auch ein wichtiger Baustein zur Gewinnung und Bindung von Nachwuchskräften. Das Netzwerk "Berufsbildung ohne Grenzen" unterstützt Ausbildungsbetriebe bei Planung und Umsetzung, Förderprogramme helfen bei der Finanzierung.

Zwar gehört Corona noch nicht der Vergangenheit an, dennoch fahren viele Länder ihre Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung herunter oder haben sie aufgehoben. Unternehmen haben nun wieder vermehrt die Chance, ihren Auszubildenden oder ihrem Ausbildungspersonal Auslandsaufenthalte zu ermöglichen und sich so als engagierte Arbeitgeber zu positionieren. Dass dies auch wieder stärker genutzt wird, zeigt sich an einem gestiegenen Interesse und Informationswunsch bei den Beratenden von "Berufsbildung ohne Grenzen" sowie bei den Förderprogrammen "AusbildungWeltweit" und "Erasmus+", die Fördergelder für Auslandsaufenthalte in der Berufsbildung bereitstellen.

Wieder deutlich mehr Nachfrage nach Auslandspraktika

So sind die Antragszahlen bei beiden Programmen wieder stark gestiegen, bei Erasmus+ haben sich die Budgetanfragen der teilnehmenden Berufsschulen und Ausbildungsstätten im Antragsjahr 2022 im Vergleich zu 2021 sogar verdreifacht. "Wir rechnen damit, spätestens 2023 wieder an das vorpandemische Niveau anzuknüpfen. Geplant ist, weiter zu wachsen. Fördermittel sind vorhanden, und die Chancen stehen bei sorgfältiger Antragstellung gut", berichtet Stefan Metzdorf, Leiter des Teams AusbildungWeltweit.

Auch bei Erasmus+ stehen die Zeichen auf Wachstum: "Für den Zeitraum 2021 bis 2027 sind im Programm Erasmus+ Berufsbildung insgesamt 28,4 Milliarden Euro verfügbar – das ist mehr als jemals zuvor", so Berthold Hübers, Teamleiter beim Programm "Erasmus+ Berufsbildung".

Für an Auslandspraktika interessierte Unternehmen stehen damit sowohl die finanziellen Förder- als auch Beratungsstrukturen bereit, die genutzt werden können und auch sollten. Denn "Auslandsaufenthalte sind nicht nur ein wichtiger Mehrwert für die Ausbildung, sondern auch ein Attraktivitätsfaktor, um angehende Nachwuchskräfte für einen Betrieb zu begeistern und langfristig zu halten", so Hübers.

Mit AusbildungWeltweit nach Malaysia

2019 verbrachte Aaron Witt während seiner Ausbildung zum Medienkaufmann vier Wochen in Malaysia. Sein Arbeitgeber, das Medienunternehmen BW Bildung und Wissen aus Nürnberg, ließ ihn dort ein Praktikum in der Ethos Academy Of Skills Development absolvieren. Finanziell gefördert wurde Aarons Auslandspraktikum über AusbildungWeltweit.

"Dass Auslandspraktika durch sprachliche und kulturelle Unterschiede fachlich weiterbilden und persönlich prägend sind, ist eindeutig", betont Geschäftsführerin Ulrike Sippel. "In unser Medienhaus kehrte ein gereifter Azubi zurück, der gleich nach seiner Ausbildung die Leitung eines Bereiches übernahm und begeistert seine Kolleginnen und Kollegen inspiriert, sich auch ins Ausland zu wagen." So haben inzwischen auch einige andere Auszubildende Praktika und Stipendiatenprogramme im Ausland absolviert. Neben Malaysia standen auch Spanien und die USA auf den Boardingpässen.

Mit Erasmus+ in Malta arbeiten

Ähnliche Erfahrungen machen auch Auszubildende der 3P Services GmbH. So verbrachten Azubis des Grafschafter Unternehmens aus Wietmarschen/Lohne mehrere Wochen auf Malta und arbeiteten dort bei Partnerunternehmen.

"Durch die Auslandspraktika wird die Selbstständigkeit unserer Azubis beruflich, aber auch privat gestärkt", sagt Katrin Sur, Abteilungsleiterin bei 3P Services. Alexander Krambeer, Ausbildungsleiter für die Industriemechaniker, fügt hinzu: "Da wir ein internationales Unternehmen sind, ist Auslandserfahrung für unsere Auszubildenden von Vorteil." Die Englischkenntnisse der Auszubildenden haben sich seit dem Auslandsaufenthalt deutlich verbessert. Das Unternehmen ist vom Mehrwert überzeugt: Auch dieses Jahr werden wieder drei Auszubildende von 3P Services für Lernaufenthalte ins Ausland gehen.

Von Förderprogrammen profitieren

Global lernen – von Anfang an: Das ermöglichen das Förderprogramm Erasmus+ der Europäischen Union (EU) und das Förderprogramm AusbildungWeltweit des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Beide Programme bezuschussen Auslandsaufenthalte von Auszubildenden, Ausbilderinnen und Ausbildern und finanzieren darüber hinaus auch Besuche zur Vorbereitung eines Auslandsaufenthaltes. Während Erasmus+ vor allem Auslandsaufenthalte in Europa fördert, bezuschusst AusbildungWeltweit Aufenthalte außerhalb der EU und rund um den Globus. Förderanträge können von Ausbildungsbetrieben, Kammern, beruflichen Schulen und anderen Einrichtungen der Berufsbildung gestellt werden. Bei Erasmus+ können sich Auszubildende aber auch direkt auf vorhandene Erasmus+-Stipendien der sogenannten Poolprojekte bewerben.

Weiterführende Informationen finden Sie hier:

Berufsbildung ohne Grenzen

Im Fokus des Netzwerks Berufsbildung ohne Grenzen steht die Beratung von kleinen und mittleren Unternehmen, Auszubildenden, jungen Fachkräften sowie Berufsbildungspersonal zu Auslandspraktika in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Die Beraterinnen und Berater haben ihren Sitz an IHKs sowie Handwerkskammern  und sind auf einer Beraterlandkarte auf www.berufsbildung-ohne-grenzen.de verzeichnet. Initiiert wurde das Programm vom DIHK sowie dem Zentralverband des Deutschen Handwerks und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz finanziell unterstützt.

Die wichtigsten Rahmenbedingungen im Überblick:

  • Nach dem Berufsbildungsgesetz (§ 2, Absatz 3) kann jeder und jede Auszubildende einen Teil der Ausbildung im Ausland verbringen. Voraussetzung dafür ist die Zustimmung des Betriebs und der Berufsschule. Wichtig ist: Bei einem Auslandspraktikum handelt es sich nicht um Urlaub.
  • Dauer: Erasmus+ fördert Aufenthalte von mindestens zwei Wochen bis maximal ein Jahr. AusbildungWeltweit fördert von mindestens drei Wochen bis maximal drei Monate.
  • Der Zeitpunkt kann individuell festgelegt werden, so dass dieser bestmöglich in den Ablauf der Ausbildung passt. Empfehlenswert ist der Aufenthalt nach der Zwischenprüfung bis zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung und frühestens im 2. Ausbildungsjahr.
  • Für die Zeit des Auslandsaufenthalts müssen sich Auszubildende von der Berufsschule freistellen lassen. Für Auszubildende im Blockunterricht bieten sich Auslandsaufenthalte während der schulfreien Zeit an.

Dieser Artikel stammt aus der "Position" für das dritte Quartal 2022, die am 12. Juli erscheint. Abonnieren können Sie "Position" unter www.ihk-position.de.

Kontakt

Mann steht vor Gemälde und hat die Arme verschränkt.
Thilo Kunze Referatsleiter Infocenter, Chefredakteur POSITION

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Das IHK-Bildungsmagazin erscheint jeweils zum Quartalsanfang und bietet vor allem Ausbildern, Personalverantwortlichen und Prüfern Tipps, Ideen und Tools zur Fachkräftesicherung, Best Practices und bildungspolitische Vorschläge. Unter www.ihk-position.de begleiten Hintergründe, Bilderstrecken und Videos online das Printprodukt.