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Der Europass: Türöffner zum Lernen und Arbeiten in Europa

Beruflich mobiler mit dem Karrieremanagement-Portal der EU
Zwei Praktikantinnen aus Arnsberg in Madrid

Madrid statt Arnsberg? Maria Mitsi und Hivda Arslan haben es für ein dreiwöchiges Praktikum gewagt

© privat

Mithilfe des Online-Portals "Europass" stellen Schüler, Auszubildende und Jobsuchende ihre Kompetenzen europaweit einheitlich und verständlich dar. Arbeitgeber können so die Bewerber besser vergleichen.

Zahlreiche offene Stellen, aber nur wenige geeignete Bewerber. Häufig müssen Unternehmen ihre Fühler ins Ausland ausstrecken, um passende Mitarbeiter zu finden.

Doch wie lassen sich Kompetenzen und Abschlüsse bewerten, die im Ausland erworben wurden? Wie können Bewerber aus unterschiedlichen Ländern miteinander verglichen werden? Helfen soll Europass, das Karrieremanagement-Portal der EU für Bewerbung und Jobsuche.

Wie funktioniert Europass?

Auf der Europass-Website können Nutzer ihr Profil mit individuellen Qualifikationen und Erfahrungen anlegen, speichern und immer wieder aktualisieren. Über standardisierte Tools und Dokumente in 29 Sprachen, die die EU kostenfrei zur Verfügung stellt, lassen sich dann Lebensläufe und Bewerbungen erstellen, die per Link mit Dritten – also etwa mit Arbeitgebern – geteilt werden können.

"Ziel ist es, das grenzüberschreitende Lernen und Arbeiten in Europa zu fördern und zu vereinfachen", erklärt Franziska Bopp, Leiterin des Nationalen Europass Centers (NEC) in der Nationalen Agentur beim Bundesinstitut für Berufsbildung. "Individuelle Kompetenzen und nationale Bildungsabschlüsse sollen so einheitlich dargestellt werden, dass sie europaweit verstanden und verglichen werden können."  

Wie Arbeitgeber profitieren

Alexandra Findeisen, Personal-Recruiterin für Nachwuchs-, Fach- und Führungskräfte bei der ZWF IT-Group in Saarbrücken, kennt die Vorteile, die sich daraus für Unternehmen ergeben. "Gerade im IT-Bereich geht es bei der Sichtung von Bewerbungsunterlagen zunächst darum, vorhandene Fachkompetenzen zu prüfen und eine Erstauswahl zu treffen. Das spielt sich im Sekundenbereich ab", sagt die Personalerin. "Bewerber mit gut strukturierten Europass-Dokumenten sind konkurrenzfähiger, weil ihre Fähigkeiten sofort sichtbar werden."

Vor dem Hintergrund, dass geeignete Mitarbeiter häufig nicht mehr im Inland gefunden werden könnten und die Bewerbungskultur in jedem Land eine andere sei, verschlanke Europass den Prozess für beide Seiten, so Findeisen. "In Unternehmen, aber auch schon bei der Berufsvorbereitung sollte die Nutzung dieses Instrumentes aktiv gefördert werden."

Aus Arnsberg in die Welt ... dank Europass

So wie im Regierungsbezirk Arnsberg (NRW). Dort ermöglicht die Bezirksregierung ihren Auszubildenden und Anwärtern Praktika in öffentlichen Verwaltungen anderer EU-Staaten. Ob Spanien oder Österreich – wer sich für einen Auslandsaufenthalt bewerben will, muss dafür das Anschreiben und den Lebenslauf von Europass nutzen.

Alle Kenntnisse und Erfahrungen, die während des Praktikums gesammelt werden, werden im Europass Mobilität festgehalten, der den Teilnehmern nach ihrer Rückkehr feierlich überreicht wird.

"Die Dokumente haben die richtige Form, sind genau und mehrsprachig. Alle Daten liegen sicher auf einem EU-Server. Davon können junge Menschen während ihrer gesamten beruflichen Karriere profitieren", sagt Andrea Stein, Geschäftsführerin der EU-Geschäftsstelle Wirtschaft und Berufsbildung der Bezirksregierung Arnsberg. Zudem fördere die Nutzung des Europass-Portals die digitale Kompetenz, die mit dem digitalen Kompetenzcheck des Europass-Portals getestet werden könne. "Bei Bedarf können wir den Nachwuchs individuell weiterqualifizieren."  

Auch an den Berufskollegs im Regierungsbezirk soll die Internationalisierung der beruflichen Bildung vorangetrieben werden.

"Wir setzen uns dafür ein, dass beginnend mit der Berufsorientierung und dokumentierten Schülerpraktika alle erworbenen beruflichen Kompetenzen im Europass-Lebenslauf abgelegt sind. Bei Bewerbungstrainings muss dieser im Mittelpunkt stehen", sagt EU-Geschäftsstellenleiter Karsten Mielke. Er spricht von einem Instrument zur Förderung der Freizügigkeit in Europa, das neue europäische Perspektiven eröffne und für mehr Chancengerechtigkeit sorge. "Dank Europass können sich Hauptschüler mit in der äußeren Form vergleichbaren Dokumenten bewerben wie Gymnasiasten." 

Bereits gut 3,8 Millionen Profile hochgeladen

Seit dem Start des neuen Europass-Portals im Juli 2020 haben mehr als 3,8 Millionen Personen ein Profil angelegt. Die Seite verzeichnet rund zwei Millionen Visits im Monat.

Zu den Nutzern der ersten Stunde zählt das Berufsbildungszentrum (BBZ) Norderstedt, das zusammen mit europäischen Projektpartnern ERASMUS+-Auslandspraktika für Azubis sowie Langzeitpraktika für Absolventen durchführt. Voraussetzung für eine Teilnahme ist immer die Bewerbung mit dem Europass Lebenslauf.

"Wir haben dieses Prozedere zum Standard gemacht. Es erleichtert unseren Partnerinnen und Partnern das Lesen und die Vergleichbarkeit der Bewerbungen, auch, weil die Dokumente in Englisch verfasst sind", sagt BBZ-Abteilungsleiter Andreas Bader. So könnten den Betrieben in Ländern wie Irland, Dänemark, Österreich oder Spanien passgenaue Praktikanten zugewiesen werden.

Mehrwert für alle Betroffenen

Dokumentiert wird die Auslandserfahrung im Europass Mobilität. "Auf diese Weise hat das Praktikum einen Mehrwert für alle Beteiligten", betont Bader. "Für die Teilnehmenden, die aussagekräftig darlegen können, welche Kenntnisse sie im Ausland erworben haben, und für Arbeitgebende, die diese Fähigkeiten besser beurteilen können."  

Dieser Artikel stammt aus der "Position" für das dritte Quartal 2022, die am 12. Juli erscheint. Abonnieren können Sie "Position" unter www.ihk-position.de.

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Mann steht vor Gemälde und hat die Arme verschränkt.
Thilo Kunze Referatsleiter Infocenter, Chefredakteur POSITION

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