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Mit Mentoring-Tandems auf Erfolgskurs

Der Klima-Wärmetechnik-Spezialist Remko setzt auf interne Patenschaften
Zwei Frauen an einem Bildschirmarbeitsplatz

Mentorin Kim-Janine Rothkopf (r.) blickt der Auszubildenden Lara Albrink über die Schulter

© Sandra Castrup

"Da will ich hin!" So lautet der letzte Satz in einer Broschüre, die von Auszubildenden für künftige Auszubildende der Firma Remko gestaltet worden ist. Bei dem europaweit tätigen Spezialisten für Klima-Wärmetechnik ist dieser Satz kein Wunschdenken. "Da will ich hin!" sagen so viele Nachwuchskräfte, dass die Facharbeiterkrise hier kein Thema ist. Zum Erfolgskonzept gehören interne Patenschaften.

Wenn Microsoft-Gründer Bill Gates früher Fahrrad fuhr, saß vorne auf dem Tandem im übertragenen Sinne Warren Buffett, der als einer der erfolgreichsten Investoren der Welt gilt. Für Gates war Buffet jemand, an den er sich wandte, wenn er Probleme hatte und in schwierigen Situationen steckte. Buffett gab seine Erfahrungen in einfachen Formulierungen weiter. Der Rest ist Geschichte.

Das berühmte Beispiel eines informellen Wissenstransfers funktioniert auch beim Ausbildungsbetrieb Remko im lippischen Lage. "Wir wissen, dass jungen Menschen die Umstellung von der Schulzeit auf die Lehrzeit oft nicht leicht fällt", sagt Stephan Schlüter, kaufmännischer Leiter. "Um den Einstieg in die Berufswelt zu erleichtern, setzen wir auf qualifizierte interne Patenschaften im entsprechenden Alters-Range. Auszubildende aus dem zweiten oder dritten Lehrjahr, aber auch frisch ausgelernte Mitarbeiter stehen als Ansprechpartner zur Verfügung."

Dabei gehe es nicht ausschließlich nur um fachliche Fragen. "Es gilt auch, ungeschriebene Spielregeln zu verstehen. Nicht mit jeder Frage traut man sich direkt zur Geschäftsführung", schmunzelt Stephan Schlüter. Die Gespräche auf Augenhöhe sollen Mut machen, sich an verschiedensten Stellen Erfahrung und Know-how einzuholen.

Lara Albrink hat davon regen Gebrauch gemacht. "Ich habe meine Patin anfangs wirklich gelöchert", lacht die 20-Jährige und blickt dankbar auf Kim-Janine Rothkopf. Die Mediengestalterin hatte gerade ausgelernt, als Lara Albrink vor zwei Jahren ihre Ausbildung in der Marketingabteilung startete. "Ich bin immer auf offene Ohren gestoßen, und es wurde mir auch sonst leicht gemacht, mich zu integrieren und im Unternehmen Kontakte zu knüpfen", berichtet die junge Frau und erwähnt gemeinschaftsfördernde Freizeitangebote innerhalb der Gruppe der Auszubildenden aus sechs verschiedenen Lehrberufen.

Durchschnittlich fünf Nachwuchskräfte steigen jedes Jahr beim Klima-Spezialisten Remko auf ein "Tandem", um später als Industriekaufleute, Fachinformatiker, Mediengestalter, Mechatroniker oder Fachkräfte für Lagerlogistik eigenständig "weiterfahren" zu können. Natürlich vorzugsweise auf den Remko-Routen. "Wir werden innerhalb der Branche oft um unser gutes Personal beneidet", gibt Stephan Schlüter nicht ohne Stolz zu Protokoll. "Sollten Ausgelernte wirklich mal wechseln wollen, bekommen die mit Kusshand umgehend eine neue Stelle", ist sich der Personalchef sicher.

Porträtfoto Sebastian Prange

Sebastian Prange

© IHK Lippe zu Detmold

"Ich würde mir wünschen, dass noch viel mehr Unternehmen internes Mentoring adaptieren", meint Sebastian Prange, Projektleiter für passgenaue Besetzung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lippe zu Detmold. Er sieht in diesem Konzept den richtigen Weg für informellen Erfahrungs- und vor allem Wissenstransfer. Den Mentees, in diesem Fall den Azubis, wird ein gutes Gefühl vermittelt. Die jungen Menschen merken schnell: Hier wird sich um mich gekümmert." Das zahle sich in der Regel auch in überdurchschnittlicher Einsatzbereitschaft und Motivation aus.

"Auch die Mentoren profitieren. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen, das Selbstwertgefühl wird gestärkt, soziale Kompetenzen werden geschult", nennt Sebastian Prange ein paar Beispiele. Nicht zu vergessen sei die Tatsache, dass man am Ende ein Bewusstsein für das Unternehmen schaffe. "Die daraus resultierende PR dank positiver Mundpropaganda ist unbezahlbar", verweist die Firma Remko auf Umfragen unter Schülern. Nicht nur am Betriebsstandort Lage, auch im großflächigen Umkreis sei das innovative, mittelständische Unternehmen ein Begriff.

"Da will ich hin!" ist und bleibt daher Programm.

Vorteile interner Patenschaften:

  • Interne Patenschaften erleichtern den Einstieg in die Berufswelt (Erfahrungs- und Wissenstransfer).
  • Azubis und andere neue Mitarbeiter erfahren dabei auch "ungeschriebene Spielregeln".
  • Die Mentees fühlen sich wertgeschätzt ("Hier wird sich um mich gekümmert").
  • Die Mentoren profitieren ebenfalls.


Kontakt

Mann steht vor Gemälde und hat die Arme verschränkt.
Thilo Kunze Referatsleiter Infocenter, Chefredakteur POSITION

IHK-Bildungsmagazin Position

Dieser Beitrag stammt aus dem IHK-Berufsbildungsmagazin "Position". Es erscheint jeweils zum Quartalsanfang und bietet vor allem Ausbildern, Personalverantwortlichen und Prüfern Tipps, Ideen und Tools zur Fachkräftesicherung, Best Practices sowie bildungspolitische Vorschläge. Unter www.ihk-position.de begleiten Hintergründe, Bilderstrecken und Videos online das Printprodukt.