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Duale Berufsbildung im Ausland

zwei Männer mit Schutzhelmen und Warnwesten im Gespräch

© Getty Images / Django / E+

In vielen Ländern weltweit herrscht ein Fachkräftemangel, der oft in dem jeweiligen Bildungssystem begründet ist. Global tätige deutsche Unternehmen finden in Boom-Regionen immer seltener qualifizierte Fachkräfte, was die Produktion und den Vertrieb hochwertiger Güter erschwert. Die Wettbewerbsfähigkeit dieser Betriebe steht und fällt mit den Kenntnissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter.

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Porträtbild RA Steffen Bayer, Referatsleiter Berufsbildung im Ausland
RA Steffen Gunnar Bayer Referatsleiter Berufsbildung im Ausland

Duale Berufsbildung im Ausland

Wie aktuelle Beispiele aus Europa zeigen, besteht ein enger Zusammenhang zwischen einer leistungsfähigen Wirtschaft und einem guten Berufsbildungssystem. Deshalb suchen immer mehr Länder und Unternehmen im Ausland nach grundlegenden Lösungen, aber auch konkreten Berufsbildungsangeboten. Sie zeigen dabei großes Interesse am deutschen Berufsbildungssystem, seinen Erfolgsfaktoren und Angeboten.

Vor diesem Hintergrund wurde der DIHK beauftragt, das IHK-AHK-Netzwerk weiterzuentwickeln, um die Mitgliedsunternehmen im Ausland noch besser bei der Fachkräftequalifizierung unterstützen und ausländische Regierungen sowie Institutionen bedarfsgerecht beraten zu können. Die vom DIHK koordinierten AHKs in 92 Ländern mit 140 Standorten sind dafür prädestinierte Aktionsplattformen der deutschen Außenwirtschaftsförderung.

Ihre Partner sind 79 IHKs in Deutschland, die als Kompetenzträger Berufsbildung entscheidendes Know-how für den Auf- und Ausbau eines breiten und vergleichbaren Dienstleistungsportfolios besitzen. Alle Aktivitäten zur beruflichen Aus- und Weiterbildung, die sich aus diesem Kontext ergeben, verstehen DIHK, IHKs und AHKs als "Duale Berufsbildung im Ausland/Berufsbildungsexport". Eine Übersicht der darin begründeten Aufgabenschwerpunkte von DIHK, AHKs und IHKs haben wir in der DIHK-Veröffentlichung Duale Berufsbildung im Ausland (PDF, 3 MB) zusammengefasst, die es auch als spanische Fassung "La Formación Dual en el Mundo" (PDF, 4 MB) gibt.

IHK-Berufsbildung international

In Deutschland betreuen und beraten die IHKs (IHK-Finder) Unternehmen und Auszubildende; sie fördern und qualifizieren Ausbilder und Prüfer, sichern die Ausbildungsqualität von Betrieben und Ausbildern, organisieren die Prüfungen und stellen die öffentlich-rechtlichen Abschlusszeugnisse aus. Das dafür erforderliche Wissen fließt im Zuge der partnerschaftlichen Kooperation zwischen IHKs und AHKs in die Berufsbildungsdienstleistungen der AHKs ein – zum Nutzen der Unternehmen.

Darüber hinaus geben IHKs ihr Berufsbildungs-Know-how auch an andere Kammer- und Verbandsorganisationen im Ausland weiter, um so einen Beitrag zu einer guten Berufsbildung und zur wirtschaftlichen Entwicklung vor Ort zu leisten. Dies erfolgt im Rahmen von bilateralen Erfahrungsaustauschen und insbesondere in Form von sogenannten Berufsbildungspartnerschaften, die von der sequa gGmbH gesteuert werden.

So können die AHKs die Qualität der dualen Berufsbildung und der Prüfungen nach deutschem Vorbild im Ausland unterstützen. Gleichzeitig fördern die IHKs die Außenwirtschaftsbeziehungen ihrer Mitgliedsunternehmen und damit der regionalen Wirtschaft.

AHK-Berufsbildungsangebote

Als zentrale Plattform der deutschen Außenwirtschaftsförderung unterstützen AHKs gezielt die Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen; sie befördern Berufsbildungskooperationen und sichern die Qualität der Aktivitäten angelehnt an deutsche Standards. Das schließt Dienstleistungen rund um die berufliche Bildung ein.

Deshalb bauen die AHKs ihre Netzwerk-, Plattform- und Dienstleistungsangebote nachfrageorientiert aus, um deutschen Betrieben als wirtschaftsnahe Vermittler, Prozessmanager und Qualitätssicherer in der beruflichen Bildung zur Seite zu stehen. Das deutsche Berufsbildungssystem wird dabei an die landesspezifischen Realitäten angepasst, ohne auf die entscheidenden Merkmale zu verzichten.

Die Zertifizierung nach deutschen Standards führen die AHKs in enger Abstimmung mit dem DIHK durch. Neben den AHK-DIHK- Abschlüssen werden oft auch staatlich anerkannte Berufsbildungsabschlüsse der jeweiligen Partnerländer vergeben. Die Angebote der AHKs unterscheiden sich regional. Während einige AHKs Basisdienstleistungen anbieten, verfügen andere über breite Service-Portfolios, langjährige Erfahrung und grundlegende Strukturen zur Organisation dualer Berufsausbildung in Betrieben und beruflichen Schulen im Ausland.

Alle AHKs orientieren sich bei einem nachhaltigen Auf- beziehungsweise Ausbau ihrer Berufsbildungsaktivitäten an den Qualitätsstandards für Produkte und Prozesse (PDF, 167 KB).


"Skills Experts"-Programm

Während Unternehmen ihren Fachkräftebedarf hierzulande dank des dualen Berufsbildungssystems passgenau qualifizieren und sichern können, finden sie diese Art der Berufsbildung auf internationalen Märkten in der Regel nicht vor. Das BMWi hat deshalb das Programm "Skills Experts" ins Leben gerufen: Diese bei den Auslandshandelskammern, Delegationen und Repräsentanzen der Deutschen Wirtschaft (AHKs) angesiedelten Experten arbeiten eng mit dem DIHK zusammen, um vor Ort eine praxisorientierte Berufsausbildung auf- und auszubauen. Ziel ist es, über das AHK-Netzwerk weltweit vergleichbare und qualitätsgesicherte Standards der betrieblichen Ausbildung und deren Zertifizierung nach deutschem Vorbild zu gewährleisten.

Die Skills Experts etablieren ganz konkrete Berufsbildungs-Dienstleistungen. Beispielsweise gründen und unterhalten sie Berufsbildungsgremien, in denen interessierte Unternehmen sich vernetzen, gemeinsame Ausbildungsbedarfe identifizieren und Kooperationsformate bilden können. Des Weiteren entwickeln sie Beratungsformate zur dualen Berufsbildung; sie führen das Ausbilderqualifizierungskonzept "AdA-International" ein und organisieren valide Abschlussprüfungen.

Bei alldem nutzen die Skills Experts das aktive und lokale Netzwerk der Auslandshandelskammern. Denn die AHKs bilden die Schnittstelle zwischen deutschen sowie lokalen Betrieben und nationalen Bildungsanbietern und können auf die Erfahrung und Expertise der deutschen IHKs zurückgreifen. So sind die AHKs in der Lage, bedarfsorientiert qualitativ hochwertige Berufsbildungsdienstleistungen anzubieten – angelehnt an das deutsche System der dualen Ausbildung. Das Programm "Skills Experts" läuft derzeit in Indonesien, Malaysia, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Vietnam und Kenia.