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Jeden Tag in einem anderen Unternehmen

Die Plattform "Praktikumswoche" bringt Schüler und Betriebe zusammen
Junger Mann und Frau stehen vor einer Maschine

Dank der Praktikumswoche ist Maximilian Kuhnert bald Azubi im Betrieb von Eva-Maria Uth

© Carolin Wehner

Unternehmen suchen immer häufiger erfolglos Auszubildende und Fachkräfte. Schüler-Praktika können einen wichtigen Beitrag leisten, um sich trotz rückläufiger Bewerberzahlen den Nachwuchs zu sichern. Ein innovatives Modell zur gezielten Vernetzung mit jungen Talenten ermöglicht Praktika im Schnelldurchlauf und steigert so die Erfolgschancen.

Mit der Online-Plattform "Praktikumswoche" (www.praktikumswoche.de) bringt das Fuldaer Start-up stafftastic Menschen ab 15 Jahren und Betriebe passgenau zusammen. Die Idee: Schüler schnuppern in einer Ferienwoche gleich in mehrere Unternehmen hinein. Die Ausbildungsbetriebe präsentieren sich in dieser Zeit möglichst vielen jungen Menschen – und gewinnen so (vielleicht) spätere Azubis. Wie die Uht GmbH aus Fulda.

Vom Schnuppertag zum Ausbildungsvertrag

Der 16-jährige Maximilian Kuhnert lernte in seiner Praktikumswoche fünf Unternehmen kennen – in den Bereichen Metall, Technik und Elektronik. "Ich habe viele Eindrücke bekommen, die mir geholfen haben, später den richtigen Job zu finden." Und tatsächlich: Er beginnt nach dem Schulabschluss im Jahr 2022 beim Maschinenhersteller Uth GmbH in Fulda seine Ausbildung zum Industriemechaniker.

"Wir waren über den enormen Zuspruch überrascht", erzählt Personalleiterin Eva-Maria Uth. Insgesamt habe sie in zwei Praktikumswochen 20 Schülerinnen und Schüler begrüßt – allerdings nur zwei pro Tag, "um eine bestmögliche Betreuung zu gewährleisten". Sie weiß das Konzept zu schätzen, ist doch die Zahl der freien Ausbildungsstellen höher als die der Bewerber. Zusätzlich wurden aufgrund der Corona-Situation Schulpraktika abgesagt. Berufsorientierung hat nur eingeschränkt stattgefunden. "Durch die Praktikumswoche konnten die jungen Menschen das Verpasste aufholen und unterschiedliche Betriebe in einer Woche kennenlernen", so Uth.

Per Mausklick zum Azubi für morgen

Ins Leben gerufen wurde die "Praktikumswoche" von den stafftastic-Gründern und -Geschäftsführern Malte Bürger (23), Jan Herold Müller (22) und Hendrik Heil (22). Mit ihrer Plattform wollen sie den Kontakt zwischen lokalen Unternehmen und Schülern stärken und Firmen beim Recruiting von jungen Talenten unterstützen.

Ohne großen Zeit- und Organisationsaufwand können Arbeitgeber dabei die Fachkräfte von morgen kennenlernen: Das Unternehmen registriert sich auf der Website und stellt kostenfrei Praktikumsplätze für die Ferien ein. "Ein Algorithmus schlägt anschließend Schüler mit einem passgenauen Profil vor, die sich ebenfalls bei der Praktikumswoche angemeldet haben", erklärt Malte Bürger. "Fast 20 Kriterien werden bei der Vermittlung berücksichtigt."

Die Gestaltung der eintägigen Praktika fällt von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich aus. Als Beispiele nennt Bürger Führungen, Einblicke ins Marketing oder Ausflüge auf Baustellen. "Dabei kann jedes Unternehmen mit eigenen Stärken überzeugen." Ziel sei immer, sich gegenseitig kennenzulernen, um anschließend über ein längeres Praktikum oder eine Ausbildung zu sprechen.

Im laufenden Jahr rund 5.800 Praktika vermittelt

Insgesamt hat das Start-up bereits 600 Unternehmen in Deutschland zu Praktikumswochen verholfen und allein im Jahr 2021 rund 5.800 Praktika vermittelt. Die Gründer gewannen bereits mehrere Preise und sind inzwischen in elf IHK-Regionen aktiv.

Dank der Unterstützung durch deutschlandweit 90 Partner-Institutionen, darunter zahlreiche Industrie- und Handelskammern, ist das Angebot für Schüler wie auch Unternehmen kostenfrei.

Kontakt

Mann steht vor Gemälde und hat die Arme verschränkt.
Thilo Kunze Referatsleiter Infocenter, Chefredakteur POSITION

IHK-Bildungsmagazin Position

Dieser Beitrag stammt aus dem IHK-Bildungsmagazin "Position". Es erscheint jeweils zum Quartalsanfang und bietet vor allem Ausbildern, Personalverantwortlichen und Prüfern Tipps, Ideen und Tools zur Fachkräftesicherung, Best Practices und bildungspolitische Vorschläge. Unter www.ihk-position.de begleiten Hintergründe, Bilderstrecken und Videos online das Printprodukt.