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Auch deutsche Wirtschaft vom Coronavirus betroffen

Auswirkungen auf die Weltkonjunktur absehbar
Coronavirus Menge mit Mundschutz

© gyro/ iStock / Getty Images Plus

Abgesagte Messen, Produktionsausfälle, umfassende Reisebeschränkungen und gecancelte Flüge – das Coronavirus hat zunehmend Folgen für deutsche Unternehmen. Einen Überblick finden Sie hier.

Das Coronavirus trifft die deutsche Wirtschaft in zweifacher Hinsicht: Einerseits sinkt die Nachfrage aus China, weil dort die Produktion heruntergefahren und weniger konsumiert wird. Andererseits drohen Produktionsketten unterbrochen zu werden, weil chinesische Zulieferungen ausfallen. Chinesische Industriewaren haben einen Anteil von 9,4 Prozent an den deutschen Importen von Vorleistungsgütern – allen voran Elektronik. Es spricht somit einiges dafür, dass die wirtschaftlichen Folgen gravierender ausfallen könnten, je weiter und langfristiger sich das Virus ausbreitet.

Martin Wansleben: "Erhebliche Ausstrahlung auf den Welthandel"

Viele chinesische Betriebe arbeiten schon seit Ende Januar mit minimierter Besetzung. Sie haben auf die Lage reagiert, Geschäfte und Produktion heruntergefahren und beispielsweise Dienstreisen durch Telefonkonferenzen ersetzt. Sollte sich das Coronavirus weiter ausbreiten, wären auch Auswirkungen auf die Weltkonjunktur am Ende wohl nicht zu verhindern: "Das Coronavirus könnte nicht nur den bilateralen Handel zwischen China und Deutschland treffen", befürchtet DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, "sondern auch erhebliche Ausstrahlung auf den Welthandel insgesamt entwickeln."

Einige Beobachter sehen bereits wirtschaftliche Parallelen zu den Folgen des Sars-Virus in den Jahren 2002 und 2003. Die Pandemie hatte die chinesische Wirtschaftsleistung um mehr als ein Prozent nach unten gezogen. Auch die Weltwirtschaft brach damals um 0,6 Prozent ein. Experten gehen davon aus, dass das Coronavirus das Wirtschaftswachstum in China ebenfalls um etwa ein Prozent schmälern könnte – was rund einen Zehntelprozentpunkt weniger Wachstum in der Euro-Zone bedeuten würde. Die exportorientierten Unternehmen in Deutschland wären hier besonders stark betroffen.

Wirtschaftsleistung Chinas könnte schon im ersten Quartal leiden

Absehbar ist bereits, dass der Ausbruch des Coronavirus zunächst den Binnenkonsum und die Tourismusbranche in China negativ beeinflusst. "Dies wird die chinesische Wirtschaftsleistung voraussichtlich bereits im ersten Quartal 2020 zusätzlich belasten", so Martin Wansleben.

Das dürften auch deutsche Betriebe zu spüren bekommen: China ist für die deutsche Wirtschaft seit 2016 der wichtigste Handelspartner. Das deutsch-chinesische Handelsvolumen beträgt rund 200 Milliarden Euro pro Jahr. In China sind etwa 5.200 deutsche Unternehmen aktiv, die vor Ort rund 1,1 Millionen Arbeitsplätze geschaffen haben.

Chinesische Touristen in Deutschland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

China trägt aber nicht nur ein Fünftel zur globalen Wirtschaftsleistung bei, sondern auch ein Fünftel zu den weltweiten Tourismusausgaben. Deshalb trifft das von der Regierung in Peking ausgesprochene Verbot von Pauschalreisen für die eigenen Bürger auch einen wichtigen Faktor im Deutschland-Tourismus: Für 2018 zählte die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) etwa drei Millionen Übernachtungen von Reisenden mit chinesischem Pass in deutschen Hotels und anderen Unterkünften. Insgesamt erzielte die deutsche Tourismuswirtschaft nach DZT-Angaben mit den Touristen aus China einen Jahresumsatz von sechs Milliarden Euro.

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Dr. Christian Jekat Pressesprecher