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12 Kernpunkte für die Digitalisierung

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© Getty Images

Eine flächendeckende Glasfaserversorgung, Initiativen zur IT-Sicherheit, einen zeitgemäßen IT-Einsatz in der Verwaltung, Plattformen für die Vernetzung von Wissenschaft und Unternehmen, einen verlässlichen Rechtsrahmen für die digitale Transformation...: Was die Unternehmen brauchen, um die Chancen von Wirtschaft 4.0 nutzen zu können, hat der DIHK in 12 Forderungen zusammengefasst.

Um die Wirtschaft bei der Digitalisierung zu unterstützen, sollte die Bundesregierung…

Betriebe und Beschäftigte können gleichermaßen profitieren. Die Digitalisierung kann regionale Wertschöpfung stärken und Fachkräftemangel in den Regionen entgegenwirken, das zeigt die IHK-Initiative "We do digital": Auf www.WeDoDigital.de hat die IHK-Organisation digitale Erfolgsgeschichten von Betrieben mit bis zu 500 Mitarbeitern aus 147 Orten in allen Ecken Deutschlands gesammelt.

Die Bundesregierung sollte dem Thema Digitalisierung einen hohen Stellenwert einräumen, denn häufig fehlen noch die Grundvoraussetzungen für die digitale Transformation der Wirtschaft. Dabei sollte eine kohärente, nachhaltige Koordination im Vordergrund stehen, ohne die dezentralen Kräfte zur Digitalisierung zu behindern.

Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist eine Erschließung ländlicher Regionen essenziell, da sich gerade dort viele kleine und mittlere Unternehmen befinden. Vor allem hier gilt es, planvoll vorzugehen und Kostensenkungspotenziale auszunutzen. Die Rahmenbedingungen sollten helfen, den privatwirtschaftlichen Netzausbau zu forcieren. Darüber hinaus werden aber weiterhin öffentliche Fördergelder erforderlich sein. Diese müssen effektiv und nachhaltig eingesetzt werden.

IT-Sicherheit muss im Sinne von Security by Design entlang der Wertschöpfungskette gewährleistet sein. Alle Beteiligten müssen dazu ihren Beitrag leisten und in einem geordneten Prozess zusammenarbeiten – Anbieter, Anwender und der Staat. Seine Aufgabe ist es, über das Setzen von Anreizen und die Definition von Rollen und Verantwortlichkeiten einen geeigneten Rahmen zu schaffen.

In der schulischen MINT-Bildung sollten die Fächer Informatik und Technik in vergleichbarer Weise wie die Naturwissenschaften gestärkt werden. Auch die technische Ausstattung der Schulen muss verbessert werden. Im Rahmen der Digitalisierungsstrategien von Bund und Ländern (DigitalPakt#D und "Bildung in der digitalen Welt") müssen die Berufsschulen einen besonderen Stellenwert einnehmen. Eine zeitgemäße Ausstattung ist dringend erforderlich, damit die jungen Fachkräfte am Ende ihrer Ausbildung den Anforderungen der modernen Arbeitswelt gewachsen sind und gut vorbereitet in ihren Beruf starten können.

Die Verlässlichkeit der deutschen Verwaltung ist ein wichtiger Standortfaktor. Zeitgemäßer IT-Einsatz muss strategischer Bestandteil staatlichen Handelns werden. Wichtige Weichenstellungen dafür sollten konsequent und zeitnah angegangen werden. Dazu gehört ein reibungsloses Zusammenspiel von Bund und Ländern ebenso wie ein starkes und nachhaltiges politisches Commitment. Die Digitalisierung der 100 wichtigsten Verwaltungsdienstleistungen für Unternehmen – bereits eine Vorgabe aus dem Koalitionsvertrag von 2013 – sollte deutlich vor Ende dieser Legislaturperiode erreicht sein.

Kleine Unternehmen sind von der hohen Regelungs- und Kontrolldichte besonders stark betroffen. Hier gilt es, das Potenzial der Digitalisierung von Verwaltungsleistungen zur Entlastung zu nutzen, vor allem in Form transparenter, schneller Information und gebündelter Leistungsangebote an einer Stelle. Außerdem sollte die Umsetzung von EU-Recht bei der Bürokratiebremse "One in, one out" vollumfänglich berücksichtigt werden. Für Existenzgründer sollte es einen One-Stop-Ansprechpartner geben.

Das deutsche Referenzarchitekturmodell RAMI 4.0, das im Rahmen der Plattform Industrie 4.0 entwickelt wurde, sollte ein wesentlicher Bestandteil europäischer Standardisierungslösungen im Bereich Industrie 4.0 werden. Dies wäre ein wichtiger Beitrag dazu, die führende Position der deutschen Industrie in diesem Bereich zu unterstützen. Damit wäre ein wichtiger Schritt zur Stärkung der digitalen Souveränität Deutschlands und Europas und zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für Digitalisierungslösungen aus Europa geschaffen.

Der oftmals schwierige Zugang zu privatem Beteiligungskapital ist nach wie vor eine hohe Hürde für viele gerade auch innovative Start-ups. Bessere Rahmenbedingungen für Wachstumskapital sind dringend notwendig. Die fehlende gesetzliche Steuertransparenz von Wagniskapitalfonds und der anteilige, gegebenenfalls sogar vollständige Untergang von Verlustvorträgen bei Einstieg eines neuen Investors (sogenanntes Mantelkaufverbot) sind entscheidende Hemmnisse, die die Politik angehen sollte. Das Mantelkaufverbot wurde zwar in der letzten Legislaturperiode etwas entschärft. Die Bedingungen, unter denen ein Investor in ein Unternehmen einsteigen darf, ohne dass die Verlustvorträge (anteilig) entfallen, entsprechen jedoch nicht der unternehmerischen Wirklichkeit. Insbesondere muss der Geschäftsbetrieb so lange unverändert fortgeführt werden, bis die übernommenen Verluste durch Gewinne ausgeglichen sind. Dies widerspricht jedoch oft der betriebswirtschaftlichen Realität vieler junger und innovativer Unternehmen. Das bereits im Koalitionsvertrag 2013 angekündigte Wagniskapitalgesetz ist daher dringend notwendig. Es sollte die genannten Unsicherheiten beseitigen und unter anderem die Regelung zum Verlustvortrag so ändern, dass sie nur noch Fälle erfasst, in denen ein tatsächlicher Missbrauchsfall ("Mantelkauf") vorliegt, weil nach dem Eigentümerwechsel in kurzem zeitlichen Abstand auch der Geschäftszweck erheblich geändert wird.

Big Data kann den Trend zur Konzentration auf einzelne marktbeherrschende Unternehmen verstärken, wenn sich kleinere und mittlere Unternehmen nicht entlang der Wertschöpfungskette zusammenschließen und gemeinsame Vereinbarungen über den Austausch und die Nutzung von Daten treffen. Ein wichtiges Element, um konkurrenzfähige Plattformen zu entwickeln, ist Schnelligkeit. Deshalb kann in Märkten, in denen sich ein Trend zu Plattformen abzeichnet, eine Förderung vorwettbewerblicher Prozesse bei der Entstehung von Plattform-Ökosystemen sinnvoll sein. Sollte solchen Absprachen EU-Wettbewerbsrecht oder nationales Kartellrecht entgegenstehen, sind gegebenenfalls Anpassungen des Rechts sinnvoll, um insbesondere KMU den Zugang zu solchen Lösungen zu ermöglichen.

Der Einsatz von IuK-Technologien bietet aus Sicht der Unternehmen unter anderem Chancen für mehr betriebliche Flexibilität, eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf und kann einen Beitrag zur Produktivitätssteigerung in den Unternehmen leisten. Betriebliche Lösungen berücksichtigen die konkreten Bedürfnisse von Unternehmen und Mitarbeitern vor Ort in der Regel besser als gesetzliche Einheitsregelungen und neue Rechtsansprüche.

Die zunehmende Bedeutung von Daten für die Wirtschaft erfordert einen verlässlichen Rechtsrahmen. Es gilt zu klären, wie die Daten, die zum Beispiel Maschinen erzeugen, einzuordnen sind und wer an diesen partizipieren darf.

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Mann im Haus der Deutschen Wirtschaft
Johannes Melzer Referatsleiter Wirtschaft digital