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Wie Betriebe Daten nutzen – und was sie dabei ausbremst

DIHK-Sonderauswertung zur Digitalisierungsumfrage
Mitarbeiter aus dem Supermarkt berät Kundin und haben digitale Endgeräte in der Hand

© Tom Werner / DigitalVision / GettyImages

Fast 90 Prozent der Unternehmen erwarten, dass sie künftig noch stärker als bisher Daten für ihre Geschäftsmodelle nutzen werden. Das ist das Ergebnis einer DIHK-Sonderauswertung der Digitalisierungsumfrage 2022 unter rund 4300 Betrieben aller Größenklassen. Was sich die Unternehmen erhoffen und welche Anwendungsmöglichkeiten es gibt, haben wir hier zusammen gestellt.

Ob an der Ladenkasse, beim Autofahren, im smarten Kühlschrank oder beim Online-Shopping – überall entstehen Daten. Aus ihnen lassen sich Muster erkennen und Rückschlüsse auf die Umgebung oder bestimmte Kundenverhalten ziehen. Für die Unternehmen birgt das großes Potenzial: 91 Prozent der Unternehmen sehen Daten als sehr wichtig beziehungsweise wichtig für ihre Unternehmensentwicklung. Sie können ihre Produkte, Prozesse und Dienstleistungen mithilfe von Daten zielgerichtet anpassen und die Ansprache ihrer Kunden verbessern.

Beispiele:

Mit Hilfe von Geräte- und Produktionsdaten lassen sich Maschinen vorausschauend warten. Die Daten der Maschine werden in Echtzeit gesammelt und mit zusätzlichen Daten kombiniert, zum Beispiel mit der Temperatur oder Luftfeuchtigkeit am Produktionsstandort. Anhand dieser Daten kann der optimale Zeitpunkt für eine Wartung der Maschine vorausgesagt werden. Dadurch können Ausfallzeiten vermieden werden. Das spart Kosten uns sichert einen ungestörten Produktionsablauf.

Daten ermöglichen es, Kunden individuell nach ihren Interessen anzusprechen und ihnen ein personalisiertes Angebot zu unterbreiten. Durch Nutzerdaten lassen sich Bedürfnisse und Präferenzen erkennen. Zum Beispiel kann ein Algorithmus anhand von bereits gekauften Produkten komplementäre Empfehlungen aussprechen, etwa eine passende Skibrille zum neuen Skihelm.

Kreditinstitute können anhand von Daten Risiken schneller erkennen. Sie sammeln riesige Mengen an Verhaltens-, Geräte- und Transaktionsdaten. Daraus lassen sich Muster und Anomalien erkennen. Diese werden zum Beispiel zur Erkennung von Betrugsfällen herangezogen. So können die Daten darauf hinweisen, ob die Transaktion zu den historischen Daten des Nutzers passt oder ob das genutzte Gerät schon einmal verwendet wurde. Ein Algorithmus erkennt Auffälligkeiten und meldet diese.

Daten helfen auch bei der Optimierung von Öffnungszeiten oder dem Erstellen von Dienstplänen, zum Beispiel in der Gastronomie: Anhand von Kassendaten werden die am meisten frequentierten Zeiten ermittelt. Diese werden mit externen Daten kombiniert, zum Beispiel mit Wetterdaten oder Veranstaltungsdaten aus der Umgebung. So kann der Personalbedarf deutlich zielgerichteter ermittelt werden.

Daten ermöglichen nicht nur eine höhere Effizienz. Sie werden zunehmend zum Produktionsfaktor, machen also viele Geschäftsmodelle und Technologien überhaupt erst möglich. Bislang werden vorwiegend eigene Daten zur Optimierung eines isoliert bestehenden Kerngeschäftsmodells verwendet. Heute und zukünftig wird bei vielen Unternehmen das Kerngeschäft beziehungsweise die Wertschöpfung auf der Nutzung, Auswertung und Verwertung von Daten beruhen.

Beispiel:

Digitale Plattformen haben die Märkte verändert und neue Wertschöpfungssysteme entstehen lassen. Auf Grundlage von Daten bringen sie Angebot und Nachfrage zusammen – zum Beispiel Reisende und Hotels, Fahrgast und Fahrer oder Zulieferer und Hersteller –– und vernetzen Akteure einer Wertschöpfungskette, beispielsweise Spediteure und Lagerbetreiber.

Daten als Treiber der digitalen Wirtschaft

Nahezu jedes Unternehmen (97 Prozent) macht laut Umfrage von der Vielfalt an Möglichkeiten, digitale Daten zu erheben, zu verknüpfen und zu verwerten, Gebrauch. Demnach verwendet ein Großteil der Betriebe seine Daten, um Kundenbeziehungen zu verbessern. Insbesondere in der Finanzwirtschaft (91 Prozent) und im Handel (77 Prozent) dominiert dieses Motiv. In der Industrie (88 Prozent), im Verkehr (77 Prozent) und im Bau (72 Prozent) steht vor allem die Optimierung von Geschäfts- beziehungsweise Produktionsprozessen im Vordergrund.

Daten können darüber hinaus zum Zwecke der Preisgestaltung genutzt werden (40 Prozent). Dabei werden Faktoren wie Angebot und Nachfrage oder die Preisgestaltung der Wettbewerber einbezogen. Diese sogenannte "dynamische Preissetzung" kommt zum Beispiel bei Transportanbietern wie Flugzeug und Bahn, Tankstellen oder bei Reiseveranstaltern häufig zum Einsatz.

Etwa ein Viertel aller Unternehmen entwickelt auf Basis der Datenmengen zudem neue Geschäftsmodelle oder nutzt die Daten für Entwicklungs- und Forschungszwecke.

Motive Datennutzung

© DIHK

Daten – ein Rohstoff der Gegenwart und Zukunft

87 Prozent der Betriebe gehen davon aus, dass ihre Datennutzung in den kommenden Jahren nochmals zunehmen wird. Insbesondere die Verknüpfung verschiedener Daten über unterschiedliche Geschäfts- und Wirtschaftsbereiche sowie Akteure hinweg eröffnet den Unternehmen neues Wertschöpfungspotential. Hier existieren verschiedene Kombinationen – zum Beispiel zwischen Unternehmen und Konsumenten (B2C), Unternehmen und Staat (B2G), oder zwischen Unternehmen untereinander (B2B). Durch sogenannte Datenpools und Datenräume, in denen die Daten durch unterschiedliche Akteure zur gemeinsame Nutzung zusammengeführt werden, können Innovationen vorangetrieben und gemeinsame Projekte umgesetzt werden, beispielsweise im Bereich Mobilität, Gesundheit oder Umwelt.

Beispiel:

Für Deutschland mit seiner industriegeprägten Wirtschaft ergeben sich vor allem im B2B-Bereich große, zum Teil noch ungenutzte Chancen. Im Zuge der Wertschöpfungskette entstehen viele verschiedene Daten – vom Komponentenhersteller, über den Logistiker bis hin zum Händler. Ein Austausch der Daten kann bei der strategischen Planung helfen und zur Qualitätsverbesserung beitragen. Dadurch können zum Beispiel Lieferengpässe und Substitutionsnotwendigkeiten frühzeitig erkannt werden.

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Daten besser nutzbar machen

Die Betriebe möchten die Chancen der Datenwirtschaft nutzen. Häufig stoßen sie dabei jedoch auf rechtliche Grenzen und technische Hürden. Damit deutsche Unternehmen im Zeitalter der Daten wettbewerbsfähig bleiben können, brauchen die Betriebe verbesserte Rahmenbedingungen: 

1. Rechtssicherheit

Für 57 Prozent der Unternehmen stellen datenschutzrechtlichen Vorgaben ein Haupthemmnis bei der Datennutzung dar. Insbesondere herrscht große Unsicherheit, unter welchen Voraussetzungen personenbezogene Daten geteilt werden können: Wer muss einwilligen? Welche Voraussetzungen gibt es bei den Informationspflichten? Was passiert bei einer Zweckänderung? Hier ist fraglich, ob die derzeitigen rechtlichen Regelungen den Anforderungen gerecht werden und Potenziale ergreifen lassen. Um die Daten so zu verändern, dass sie nicht mehr einer bestimmten natürlichen Person zugeordnet werden können, fehlt es den Unternehmen insbesondere an rechtssicheren Anonymisierungsverfahren. 

Weitere Unsicherheiten bei der Verwendung der Daten oder beim Datenaustausch, etwa Unklarheiten über Nutzungsansprüche, spielen für 38 Prozent der Unternehmen eine große Rolle. Ein Beispiel: Der Hersteller eines Sensors, der in einer Maschine verbaut ist, möchte Zugang zu seinen Gerätedaten. Die Maschine wird wiederum von einem dritten Unternehmen betrieben. Die Frage nach dem Eigentum kann zwar vertraglich gelöst werden, eine umfassende gesetzliche Regelung des Dateneigentums gibt es aber nicht. 

Die Schaffung von Klarheit über Nutzungsrechte ist daher von großer Bedeutung. Datenschutzvorgaben müssen jedoch insgesamt praxisgerecht und rechtssicher ausgestaltet werden.  

2. Technische Voraussetzungen 

38 Prozent der Unternehmen stoßen auf technische Hürden, wie zum Beispiel fehlende Schnittstellen oder Standards. Dadurch wird der Datenaustausch zwischen den unterschiedlichen Marktakteuren erschwert. Zum Beispiel beeinträchtigt das Fehlen semantischer Standards die Nutzung unterschiedlicher Plattformdienste bei Bestellvorgängen. Erst, wenn den Daten eine eindeutige Bedeutung zugeschrieben wird, können diese einheitlich verstanden, interpretiert und über verschiedene Akteure hinweg verknüpft werden.  

Auch das Potenzial von Daten, die durch die öffentliche Hand bereitgestellt werden, kann aufgrund fehlender Standards nicht vollständig ausgeschöpft werden. Oftmals sind öffentliche Daten für die Unternehmen nicht ohne weiteres verarbeitbar, weil sie auf unterschiedlichen Datenträgern, in vielfältigen nicht interoperablen Registern und in unterschiedlichen Formaten vorliegen.  

Werden die Daten nicht entsprechend vor- und aufbereitet beziehungsweise regelmäßig aktualisiert, führt dies zu einer mangelnden Datenqualität. Diese ist für etwa 36 Prozent aller Unternehmen ein Hemmnis bei der Datennutzung. Fehlerhafte Daten können wiederum falsche Schlüssen oder verzerrte Ergebnisse nach sich ziehen. 

Um die Datennutzung der Unternehmen zu verbessern, sollte die Politik die Etablierung von Standards im globalen, mindestens jedoch europäischen Wettbewerb stärker unterstützen und die ihrerseits bestehenden Datenbestände für die Unternehmen aufwandsarm und nutzungsgerecht zugänglich machen. 

3. Datenkompetenz

Auch mangelnde Kompetenzen im Umgang mit Daten führen dazu, dass nicht das ganze Potenzial der Daten ausgeschöpft werden kann. 36 Prozent der Betriebe sehen fehlendes Know-how als Haupthindernis für eine stärkere Datennutzung. Das betrifft einerseits das Vorhandensein von Datenkompetenz im Betrieb, also die Fähigkeit, Daten zu verstehen, auszuwerten und sie im jeweiligen Kontext bewusst einzusetzen. Gibt es im Unternehmen keine Kompetenzen zur Datenanalyse, müssen externe Dienstleister herangezogen werden. Doch die Suche danach bleibt schwierig: Gerade in Schlüsselbereichen wie Data Science fehlen qualifizierte Fachkräfte. Gleichzeitig muss die Wissensvermittlung im Betrieb dringend vorangetrieben werden. 

Grafik zu Herausforderungen bei Datennutzung

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Steffen von Eicke Referatsleiter Digitaler Binnenmarkt, Regionale Wirtschaftspolitik, EU-Verkehrspolitik

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