Pfadnavigation

DIHK-Industrieumfrage 2020 zeigt strukturellen Handlungsbedarf auf

Besonders schlecht schneiden die komplexen bürokratischen Auflagen ab
Industrie Montage

Damit das verarbeitende Gewerbe zukunftsfähig bleibt, müssen die Rahmenbedingungen stimmen

© industryview / iStock / Getty Images Plus

Auch wenn das Konjunkturprogramm der Bundesregierung ein guter Anfang für den Re-Start aus der Krise ist, müssen in einem nächsten Schritt auch die strukturellen Probleme am Industriestandort Deutschland beherzt angepackt werden. Das zeigt die im Juni veröffentlichte "DIHK-Umfrage im Netzwerk Industrie 2020" unter rund 1.800 Industrieunternehmen und industrienahen Dienstleistern.

"Bereits vor der Krise gab es in der Bewertung durch Industrieunternehmen spürbare Rückschritte in etlichen Schlüsselbereichen" berichtet DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben von den Ergebnissen. "Dazu gehören die digitale Infrastruktur und die Verkehrswege genauso wie die Energiekosten oder das Steuerrecht." Nur bei den staatlichen Angeboten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf würden leichte Verbesserungen wahrgenommen, so Wansleben.

Probleme werden von Umfrage zu Umfrage größer

"Wir haben es mit den schlechtesten Bewertungen seit Beginn der Befragung 2008 zu tun. Die strukturellen Probleme am Industriestandort Deutschland werden von Umfrage zu Umfrage größer und drücken auf die Leistungsfähigkeit der Unternehmen. Zum Krisenmanagement der Bundesregierung gehört daher als nächstes, die für die Industrie notwendigen Rahmenbedingungen stärker in den Blick zu nehmen und hier Fortschritte in die Wege zu leiten."

Schlusslicht bei den Standortfaktoren sind der Untersuchung zufolge die Fülle und Unverständlichkeit bei bürokratischen Auflagen, mit denen die Unternehmen tagtäglich zu kämpfen haben. Zunehmende Melde-, Dokumentations- oder Aufbewahrungspflichten, langwierige Genehmigungsverfahren sowie engmaschigere Regulierungen bei Bauvorgaben oder Umweltauflagen sorgen für Unzufriedenheit. Auch die Höhe der Steuern und Abgaben sowie steigende Energiekosten verfestigen sich zunehmend als strukturelle Risiken am Standort Deutschland – und beschneiden die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Krise verstärkt bestehende Schwachpunkte

Wansleben: "Durch die Corona-Krise sind viele der strukturellen Schwachpunkte noch deutlicher zutage getreten." Die Politik habe hierauf teilweise schon reagiert, indem sie beispielsweise viele Vorschriften näher an der Praxis ausgerichtet und Erleichterungen im Steuerrecht geschaffen habe, so der DIHK-Hauptgeschäftsführer. "Hierauf können und sollten wir jetzt aufbauen, zum Beispiel mit beschleunigten Planungs- und Genehmigungsprozessen, mit einer leistungsfähigen Breitbandanbindung für alle Firmen und einem raschen Netzausbau, um auch zukünftig die Versorgung mit bezahlbarem Strom sicherzustellen."

Deutschland verfüge noch über ein funktionierendes Netzwerk von Industriebetrieben, ihren Zulieferern und Dienstleistern. "Dieses müssen wir erhalten und stärken", mahnt Wansleben. "Wenn uns das gelingt, wird der Standort Deutschland wieder attraktiver für Investitionen – auch aus dem Ausland."

Bedeutung der Industrie besser kommunizieren

Zu den erforderlichen Schritten gehöre auch, die hohe Relevanz von Industrie als Treiber von Forschung und Entwicklung sowie als Vorreiter beim Einsatz von Klima- und Umweltschutztechnologien stärker als bisher zu kommunizieren. Denn die DIHK-Umfrage zeigt auch, dass nach Einschätzung der deutschen Industrieunternehmen die Akzeptanz für Industrie hierzulande schwindet.

Die kompletten Umfrageergebnisse gibt es hier zum Download:

DIHK-Umfrage im Netzwerk Industrie 2020 (PDF, 506 KB)

Kontakt

Porträtbild Dr. Susanne Gewinnus, Referatsleiterin Industrie | Forschung
Dr. Susanne Gewinnus Referatsleiterin Industrie- und Forschungspolitik