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Die Konjunktur im Herbst 2020

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    Porträtfoto Melanie Vogelbach
    Melanie Vogelbach Bereichsleiterin Internationale Wirtschaftspolitik, Außenwirtschaftsrecht
    Grafik mit den Ergebnissen der Konjunkturumfrage in einer Matrix

    © DIHK

    61 Prozent

    Mit einem Umsatzrückgang rechnen 61 Prozent der deutschen Unternehmen für das Gesamtjahr 2020.

    Die wichtigsten Ergebnisse der Konjunkturumfrage Herbst 2020 im Überblick:

    Nach dem Konjunktureinbruch im Frühjahr zeigen die Befragungen der Industrie- und Handelskammern unter rund 30.000 Unternehmen, dass sich die Lage für viele Unternehmen aktuell aufgehellt hat. Vom Vorkrisenniveau zu Jahresbeginn sind die Einschätzungen jedoch weit entfernt (Saldo Jahresbeginn 30 Punkte). Über alle Wirtschaftszweige hinweg bewerten 28 Prozent der Unternehmen die Lage im Herbst als gut und 29 Prozent als schlecht. Der Saldo aus gut- und schlecht-Bewertungen beträgt damit minus 1 Punkt.

    Während die Lage im Baugewerbe gut ist (Saldo 44 Punkte) und sich im Handel (Saldo 5 Punkte) gegenüber dem Frühsommer deutlich verbessert hat, liegen die Lagebewertungen in der Industrie (Saldo minus 10 Punkte) und bei den Dienstleistern nach wie vor im negativen Bereich (Saldo minus 3 Punkte). Weiterhin bewegt sich die Geschäftstätigkeit vieler Betriebe unter dem Vorkrisenniveau. Lediglich rund ein Fünftel der Unternehmen gibt an, dass ihre Geschäftstätigkeit bereits wieder auf oder über dem Niveau vor der Krise ist. 61 Prozent der deutschen Unternehmen rechnen mit einem Umsatzrückgang für das Gesamtjahr 2020. Inlands- und Auslandsnachfrage werden als Top-Risiken angeben.

    Die Betriebe haben gedämpfte Geschäftserwartungen (Saldo minus 7 Punkte). 37 Prozent der Betriebe erwarten frühestens ab dem zweiten Halbjahr 2021 eine Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit. Unmittelbar von der Corona-Krise betroffen sind vor allem personennahe Dienstleister wie Frisöre oder Fitnessstudios sowie Hotels und Gaststätten. 86 Prozent der Betriebe aus der Reisewirtschaft rechnen für dieses Jahr mit Umsatzrückgängen von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

    Lediglich die Industrie sieht wieder etwas optimistischer in die Zukunft (Geschäftserwartungen 5 Saldopunkte) – jedoch ausgehend von einer im Vergleich der Wirtschaftszweige niedrigen Lagebewertung. Der Aufholprozess wird allerdings noch Zeit in Anspruch nehmen. 42 Prozent der Unternehmen in der Industrie erwarten eine Normalisierung ihrer Geschäftstätigkeit nicht vor dem zweiten Halbjahr 2021. 5 Prozent rechnen nicht mehr mit einer Rückkehr zur Normalität. Entscheidend für den Erholungsprozess der stark vom internationalen Geschäft abhängigen Industrie ist neben der Entwicklung der Binnennachfrage vor allem auch die Frage, wie sich die Wirtschaftslage bei den wichtigsten Handelspartnern entwickelt.

    Lange Erwartungen

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    Umsatz

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    Rückkehr Normalität

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    Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie in allen Weltregionen führten zu einem drastischen Einbruch der deutschen Exporte im zweiten Quartal. Die Exporterwartungen der Industrie (Saldo minus 4 Punkte) erholen sich nach dem Einbruch des globalen Handels im Herbst, erreichen aber noch nicht das Niveau vor der Krise (Saldo Jahresbeginn 0 Punkte). Bei Lieferungen ins Ausland sehen 62 Prozent der exportierenden Industrieunternehmen in der Auslandsnachfrage ein Risiko für ihre Geschäfte in den nächsten Monaten – und damit so viele wie noch nie seit Erhebungsbeginn 2010.

    Im Vergleich der Branchen sehen die Autohersteller und Zulieferer – nach besonders deutlichen Einschnitten im Frühjahr – am häufigsten Potenzial für eine Wiederbelebung ihrer Exporte (Saldo 26 Punkte). Auch die Pharmaindustrie (Saldo 8 Punkte) und Chemieunternehmen (Saldo 1 Punkt) sind wieder überwiegend optimistisch. Im Maschinenbau (Saldo minus 6 Punkte) sowie bei den Herstellern für Metallerzeugnisse (Saldo minus 5 Punkte) überwiegen die negativen Erwartungen an das Exportgeschäft.

    Exporterwartungen Zeitreihe

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    Exporterwartungen Branchen

    © DIHK

    Die Unternehmen planen mit reduzierten Investitionsbudgets. 19 Prozent der Unternehmen wollen in den nächsten Monaten mehr investieren, 34 Prozent weniger, der Saldo liegt bei minus 15 Punkten. Die Investitionsabsichten liegen weiter deutlich unter dem bereits vor der Corona-Krise niedrigen Niveau (Saldo Jahresbeginn 6 Punkte). Wo investiert wird, geschieht dies vorwiegend als Ersatz (65 Prozent) und zur Rationalisierung (34 Prozent). Ein Blick auf die Hauptmotive der Industrie zeigt, dass Kapazitätsausweitungen, das heißt der Auf- und Ausbau von unternehmerischen Standorten in Deutschland, im Vergleich zu den Vorumfragen in den Hintergrund treten (22 Prozent, Herbst 2019: 27 Prozent).

    Das Gastgewerbe (Saldo minus 29 Punkte), die Reisewirtschaft (minus 66 Punkte), die Freizeitwirtschaft (minus 43 Punkte) sowie Messe- und Ausstellungsveranstalter (minus 68 Punkte) haben ihre Investitionsabsichten gegenüber Jahresanfang erheblich zurückgeschraubt. Aber auch in der Industrie sind die Unternehmen bei ihren Investitionsplänen zurückhaltend. Hier kommt das Risiko Auslandsnachfrage zum Tragen. Die allgemeine Investitionszurückhaltung spiegelt sich ganz besonders in den sinkenden Investitionsabsichten der Investitionsgüterproduzenten (Saldo minus 28 Punkte) wider. Im Maschinenbau (minus 29) stellen vor allem die Hersteller von Werkzeugmaschinen (minus 60) Investitionen zurück. Gleiches gilt für den Kraftfahrzeugbau (minus 34).

    Investitionsabsichten

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    Investitionsmotive Screenshot

    © DIHK

    Die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen haben sich nach dem Einbruch im Frühsommer erholt, liegen aber noch immer unter dem Wert zu Jahresbeginn (Saldo minus 13 Punkte, Jahresbeginn 0 Punkte). Jedes vierte Unternehmen rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit einem Beschäftigungsrückgang, 11 Prozent planen mit einem Aufbau. Etwa zwei Drittel der Unternehmen gehen von einem unveränderten Personalstamm aus. Von besonders niedrigen Beschäftigungsplänen im Vergleich der Wirtschaftszweige berichten die Industrieunternehmen (Saldo minus 21 Punkte).

    In den letzten vier Jahren vor der Corona-Krise war der Fachkräftemangel das größte Geschäftsrisiko aus Sicht der Unternehmen. Durch die deutlich geringere Personalnachfrage hat sich dieses Risiko in der Gesamtwirtschaft reduziert und wird nun von 37 Prozent der Unternehmen genannt. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 56 Prozent. Dabei zeigen sich große Unterschiede zwischen den Wirtschaftszweigen. So beklagen in der Bauwirtschaft 69 Prozent entsprechende Engpässe (Vorjahr 79 Prozent), während es in der Industrie 30 Prozent sind (Vorjahr 48 Prozent). Bei den Dienstleistern sehen 39 Prozent (Vorjahr 59 Prozent) und im Handel 34 Prozent (Vorjahr 50 Prozent) der Betriebe ihre Geschäfte aufgrund fehlenden Personals gefährdet. 

    Beschäftigungsabsichten

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    Beschäftigungsabsichten Branchen

    © DIHK

    Risiken

    © DIHK

    Die Pandemie verändert auch die Sorgen der Betriebe

    Welche Top-Risiken erwarten die Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten? In der Corona-Krise dominieren vor allem Sorgen um die Nachfrage aus dem In- und Ausland. Gleichzeitig verringert sich die Bedeutung des Geschäftsrisikos "Fachkräftemangel"  – die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal bleibt allerdings weiterhin ein wichtiges Thema für die Betriebe. 

    DIHK-Konjunkturprognose 2020/2021

    Verwendung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland

    Veränderung gegenüber Vorjahr, in Prozent, preisbereinigt, verkettet


    2019

    DIHK-Prognose

    2020

    DIHK-Prognose

    2021

    Bruttoinlandsprodukt (BIP)

    0,6

    -6,0

    4,0

    Private Konsumausgaben

    1,6

    -6,6

    4,0

    Konsumausgaben des Staates

    2,7

    3,5

    1,7

    Bruttoanlageinvestitionen

    2,5

    -4,7

    4,5

    Ausrüstungen

    0,5

    -18,0

    10,5

    sonstige Anlagen

    2,7

    -2,5

    3,2

    Bauten

    3,8

    3,0

    1,9

    Export (Waren und Dienstleistungen)

    1,0

    -13,0

    8,7

    Import (Waren und Dienstleistungen)

    2,6

    -10,0

    8,4

    Erwerbstätige
    (Veränderung in Tausend)

    +400

    -415

    +140

    Verbraucherpreise
    (Veränderung in Prozent)

    1,4

    0,6

    1,4


    minus 6 Prozent

    Für 2020 erwartet der DIHK einen Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung um 6 Prozent.

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