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Wie Corona die deutsche Wirtschaft trifft: Der DIHK-Krisen-Modulator

Die Pandemie hat eine empfindliche Lücke in das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) gerissen. Doch wie groß sind die Einbußen, und wann kann die deutsche Wirtschaft das Vorkrisenniveau wieder erreichen? Antworten darauf gibt der DIHK-Krisenmodulator. Er basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes und den Berechnungen des DIHK zur BIP-Prognose.

Monatelange Lockdowns, ausgefallene Reisen, Messen und Veranstaltungen, geschlossene Kneipen, Restaurants und Einzelhandel allenfalls mit Abholservice – trotz milliardenschwerer Hilfsprogramme steht fest: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben ein tiefes Loch in den Bilanzen der Unternehmen hinterlassen, finanzpolitisch hohe Kosten verursacht und das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vergangenen Jahr insgesamt um nahezu 5 Prozent schrumpfen lassen.

Der DIHK-Krisen-Modulator bildet diesen BIP-Verlust grafisch ab, rechnet die gesamtwirtschaftlich möglichen Verluste hoch und simuliert zugleich die weitere Entwicklung. Zum besseren Verständnis des Rechenmodells wird das BIP dabei als Index angegeben; das Basisjahr ist 2015 (2015 = 100). Für das alternative Szenario ohne Corona-Pandemie legt der Krisen-Modulator ein durchschnittliches Wachstum von 0,2 Prozent pro Quartal zugrunde. Eine eher konservative Schätzung: Im Schnitt der letzten zehn Jahre lag das Wachstum im Mittel bei 0,3 Prozent pro Quartal. Zur Vereinfachung unterstellt der Modulator außerdem konstante Preise, lässt also das Thema Inflation außer Betracht.

Und so sieht der Verlauf aus: Mit dem Beginn der Corona-Pandemie im vierten Quartal 2019 bricht die reale Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik Deutschland stark ein (dicke hellblaue Linie), wohingegen der theoretische Verlauf ohne Krise (dünne dunkelblaue Linie) weiterhin ein BIP-Wachstum von 0,2 Prozent pro Quartal unterstellt und langsam ansteigt. Die Diskrepanz zwischen dem Wirtschaftsverlauf mit und ohne Corona-Krise zeigt sich in den farblich markierten Bereichen zwischen den beiden Linien. Sie geben die jeweiligen BIP-Verluste pro Quartal an.

Prognosen basieren auf rund 30.000 Unternehmensantworten

Auf der rechten Seite des DIHK-Krisen-Modulators werden die einzelnen BIP-Verluste pro Quartal aufgelistet und zusammengerechnet. Bis Mitte 2021 summierten sich diese bereits auf 320 Milliarden Euro. Die weiteren krisenbedingten Wohlstandsverluste durch Lockdowns und Corona-Beschränkungen fallen jedoch erst in der Zukunft an, weshalb die Schätzungen des künftigen BIP-Verlaufs in der Krise zunächst vorläufig sind und mit weiteren Echt-Daten schrittweise angepasst werden.

Die Schätzungen basieren auf der DIHK-Konjunkturprognose. Gestützt auf die Rückmeldungen von rund 30.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen Deutschlands erwartet der DIHK für 2021 ein Wachstum von 2,3 Prozent, für 2022 rechnet er mit einem Plus von 3,6 Prozent.

Somit wird das BIP nach dieser Modellrechnung das Vorkrisenniveau (also das BIP des vierten Quartals 2020) erst wieder im dritten Quartal 2022 erreicht haben. Die in dieser Zeit aufsummierten Krisenverluste gegenüber dem "Normalverlauf" betrügen dann sage und schreibe mehr als 430 Milliarden Euro.

Zahlreiche Unwägbarkeiten

Tatsächlich hängt der weitere wirtschaftliche Krisenverlauf von verschiedenen Faktoren ab und ist in hohem Maße von Unsicherheiten geprägt. Dazu zählen insbesondere die Probleme mit den internationalen Lieferketten sowie das weitere Infektionsgeschehen. Für Deutschland als Exportnation ist es außerdem von entscheidender Bedeutung, wie die Weltwirtschaft insgesamt durch die Corona-Pandemie kommt.

Kontakt

Porträtfoto Dr. Jupp Zenzen
Dr. Jupp Zenzen Referatsleiter Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen