Pfadnavigation

Ausgebremstes Auslandsgeschäft

Containerhafen Hamburg

An deutschen Cargo-Terminals – hier im Hamburger Hafen – lässt der Betrieb zunehmend nach

© mf-guddyx / iStock / Getty Images Plus

Die Exporterwartungen der deutschen Industrie steigen zum ersten Mal seit 2018 wieder an, bleiben jedoch kraftlos und liegen weiterhin sehr deutlich unter dem Schnitt der letzten Jahre. Viele Betriebe haben auf die zahlreichen internationalen Handelskonflikte reagiert und ihre Lieferketten umgestellt.

Die deutschen Industrieunternehmen erwarten weiterhin schwierige Geschäfte mit dem Ausland. 23 Prozent erwarten mehr Exporte in diesem Jahr, ebenfalls 23 Prozent sehen sinkenden Exporten entgegen. In der Vorumfrage lag der Saldo noch bei minus 12 Punkten. Die seit 2018 sinkenden Exporterwartungen steigen damit zum ersten Mal wieder. Der Saldo liegt aber weiterhin deutlich unterhalb des langjährigen Durchschnitts von 21 Punkten. Das Auslandsgeschäft bleibt für die Unternehmen damit sehr herausfordernd.

Sorgen im Exportgeschäft

Globale Handelskonflikte, neue Zölle und Handelsbarrieren sowie die weiterhin unklaren zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen zum Vereinigten Königreich nach dem Brexit dominieren weiterhin die Sorgen im Exportgeschäft. Vor allem der Konflikt zwischen den, aus deutscher Sicht, wichtigsten Exportländern außerhalb Europas – den USA und China – macht sich bei den Unternehmen hierzulande bemerkbar. Zwar gibt es derzeit eine Atempause, der Konflikt ist aber nicht gelöst. "Strafzölle" wurden bisher kaum abgebaut und weitere US-Zölle – auch gegenüber Europa zum Beispiel im Automobilbereich – sind möglich.

Infolge der WTO-Entscheidung im Airbus-Fall haben die USA bereits neue Zollsätze auf viele europäische Produkte wie Werkzeuge, Käse oder Wein erlassen. Das Phase-1-Abkommen zwischen den USA und China könnte zudem eine Verschiebung des weltweiten Handels bewirken. Wenn China künftig mehr US-amerikanische Produkte importiert, könnte dies zulasten europäischer und damit auch deutscher Güter gehen. Der Fahrzeug- und Flugzeugbau aber auch pharmazeutische Produkte sind hier besonders betroffen.

Neben den direkten Auswirkungen für die Niederlassungen in beiden Ländern sind es die Effekte des Konflikts auf die globalen Handelsströme, die die deutschen Unternehmen treffen: Die aufgrund von Zöllen gestiegenen Handelskosten und Unsicherheiten über neue oder zunehmende Handelsbarrieren sorgen weltweit für Zurückhaltung bei Investitionen und damit zu sinkender Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern. Der Saldo dieser Hauptgruppe liegt bei minus 3 Punkten. Vor einem Jahr lag der Saldo noch bei 18 Punkten, in der Vorumfrage bei minus 13 Punkten.

Fahrzeug- und Maschinenbau vor Herausforderungen

Vor allem bei den Herstellern von Kfz-Teilen (Saldo minus 23 Punkte) sowie im Maschinenbau (Saldo minus 8 Punkte) sind die Exporterwartungen im Vergleich weiterhin sehr niedrig. Hier spielen neben den Handelshemmnissen und der weltweit schwachen Nachfrage nach Investitionsgütern auch strukturelle Herausforderungen eine Rolle: Digitalisierung und Mobilitätswende verändern die internationalen Anforderungen an Fahrzeuge und Maschinen, auf die die Unternehmen reagieren müssen, wenn sie weiterhin ihre Produkte verkaufen wollen.

Ebenfalls pessimistisch, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie zuvor, bleiben die Hersteller von Vorleistungsgütern in Bezug auf ihre Exporte. Diese Gruppe ist ein Frühindikator für die deutsche Ausfuhrentwicklung. Ihre Zurückhaltung deutet auf wenig Dynamik bei den Ausfuhren hin.

Vor allem große Unternehmen können sich etwas besser auf die veränderten Bedingungen im Außengeschäft einstellen, zum Beispiel durch Konzentration auf nicht von Handelskonflikten betroffenen Märkten oder die Anpassung von Lieferketten. Der Saldo ihrer Exporterwartungen steigt von minus 7 auf plus 13 Punkte.

Auch mit zusätzlichen Zöllen und anderen neu hinzugekommenen Handelshemmnissen können größere Unternehmen im Vergleich zu kleineren Unternehmen mit weniger Personal- und Finanzressourcen besser umgehen. Ihre Kosten dafür sind aber hoch. Kleinere bis mittelgroße Unternehmen mit 20 bis 199 Beschäftigten können oftmals nicht so flexibel auf Änderungen im grenzüberschreitendenden Handel reagieren, da sie meist auf einzelne Märkte oder Kundengruppen fokussiert sind. Der Saldo liegt bei minus 4 Punkten nach zuvor minus 15 Punkten.

Chemie und Pharma bleiben eher robust

Im Vergleich zu anderen Branchen bewegen sich die chemische und pharmazeutische Industrie (Saldo 18 Punkte nach 6 Punkten in der Vorumfrage) sowie der Elektrotechniksektor (Saldo 9 Punkte nach zuvor minus 6 Punkten) noch recht robust im schwierigen außenwirtschaftlichen Umfeld. Die Exporterwartungen sind leicht gestiegen, bleiben aber noch weit unter dem langjährigen Durchschnitt.

Das Risiko Auslandsnachfrage geht leicht von 50 auf 46 Prozent zurück. Es bleibt aber als drittgrößtes Geschäftsrisiko für die Unternehmen auf hohem Niveau. Erfreulich: Das Wechselkursrisiko nimmt aufgrund eines stabilen Euro-Dollarkurses weiter ab (von 9 auf 7 Prozent).

Kontakt

Porträtfoto Kevin Heidenreich, Referatsleiter Grundsatzfragen der Außenwirtschaft und Entwicklungspolitik
Kevin Heidenreich Referatsleiter Grundsatzfragen der Außenwirtschaft und Entwicklungspolitik
Neuer Inhalt (1)

Blick in die Weltregionen

Die zahlreichen Handelskonflikte bremsen den weltweite Handel mit Gütern und damit die globale Konjunktur: Protektionismus, Zölle und Sanktionen sorgen für Planungsunsicherheit und Investitionszurückhaltung. In vielen Ländern gehen die Wachstumsraten zurück. Eine kurze Bestandsaufnahme gibt es hier.