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Automobilindustrie stärker unter Druck

Luftbild von PKW im Hafen

Fallen PKW demnächst als deutsche Exportschlager aus?

© kokouu / E+ /Japan

Die deutsche Automobilindustrie kämpft mit großen Herausforderungen. Zwischen schwacher Weltkonjunktur und Handelskonflikten auf der einen und den strukturellen Herausforderungen durch die Mobilitätswende auf der anderen Seite ist der Druck unvermindert stark. Dazu kommen schwierige Rahmenbedingungen vor allem im Energie- und Umweltbereich.

Im Kraftfahrzeugbau insgesamt verfestigen sich die negativen Erwartungen. Wie schon im Herbst 2019 beurteilen in der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn 2020 deutlich mehr Unternehmen die Aussichten für die kommenden zwölf Monate eher schlechter als besser (Saldo von minus 17 nach zuvor minus 24 Punkten). Investitionen und Beschäftigung müssen deutlich reduziert werden.

 

"Die schlechte Lage in der Automobilindustrie ist ein Warnsignal für die Konjunktur", mahnt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Denn der Kraftfahrzeugbau mit seinen vielen Dienstleistern und Zuliefererbetrieben steht für mehr als fünf Prozent unserer gesamten Wirtschaftsleistung – und damit für Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland."  

Inzwischen sieht mehr als jeder zweite Kraftfahrzeugbauer in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Geschäftsrisiko für die eigene Entwicklung. Ebenfalls die Hälfte der Unternehmen sieht die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise als Belastung. Diese Risikoeinschätzung ist höher als im Schnitt der Industrie insgesamt.

Internationale Schwierigkeiten werden zu ganz konkreten Bedrohungen

"Unsere Zahlen zeigen: Die internationalen Handelskonflikte, der Brexit und die schwache Weltkonjunktur sind keine abstrakten Bedrohungen, sondern belasten ganz konkret die Geschäfte gerade der exportorientierten KFZ-Betriebe", so Wansleben. "Einige Regionen sind hiervon besonders betroffen. Was die Branche deshalb braucht, ist vor allem Planungssicherheit. Nirgendwo wird in Deutschland mehr in Forschung und Entwicklung investiert als im Autobau. Damit das auch in Zukunft so bleibt, brauchen wir eine klare Strategie für den Ausbau der Ladeinfrastruktur und ab 2021 einen fairen Kostenausgleich für höhere CO2-Preise auf Gas, Öl und Treibstoffe."

Die aktuelle Lagebewertung fällt deshalb trotz des jüngsten Handelsdeals zwischen den USA und China und den bisher nicht erhobenen US-Zöllen auf Automobile nochmals schlechter als zum Jahresende 2019 aus (Saldo minus 4 nach minus 1 Punkt). Nachdem im vergangenen Jahr der Export von PKW um 13 Prozent gesunken ist, bleiben die Exporterwartungen der Kraftfahrzeugbauer auch für 2020 negativ (Saldo von minus 13 Punkten nach minus 19 Punkten, Schnitt seit 2003: plus 16 Punkte). Die Unsicherheit im Welthandel bleibt hoch und das schwache Wachstum der Weltwirtschaft lässt für den weltweiten Autoabsatz keine großen Sprünge erwarten.

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Porträtbild Dr. Susanne Gewinnus, Referatsleiterin Industrie | Forschung
Dr. Susanne Gewinnus Referatsleiterin Industrie- und Forschungspolitik