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Beschäftigungsabsichten unverändert

Willkommen im Team

Willkommen im Team! Einzelne – aber nicht alle – Branchen stellen vermehrt ein.

© VioletaStoimenova / iStock / Getty Images Plus

Nach einem Einbruch zu Jahresende stabilisieren sich die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen. Angesichts der außenwirtschaftlichen und auch strukturellen Herausforderungen lassen die Unternehmen aber derzeit Vorsicht walten.

Vor allem Industriezweige wie der Kraftfahrzeugbau, der Werkzeugmaschinenbau und Hersteller elektronischer Ausrüstungen müssen wahrscheinlich Beschäftigung abbauen. Fachkräfteengpässe bleiben trotz Konjunkturschwäche eine große Herausforderung für die deutschen Unternehmen. Weiterhin hat fast jeder zweite Betrieb Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen.

Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Besonders die großen Industriebetriebe ab 1.000 Beschäftigte sind in ihrer Beschäftigungsplanung sehr zurückhaltend. Die stabile Binnenkonjunktur lässt das Baugewerbe (Saldo von 6 nach 4 Punkten im Herbst 2019) und die Dienstleistungsbranchen (Saldo von 5 nach zuvor 3 Punkten) hingegen weiterhin mit einem Beschäftigungsaufbau, und den Handel (Saldo von 0 Punkten) mit stabiler Beschäftigung rechnen.

Kein Optimismus in der Industrie

Mit Blick auf die Wirtschaftszweige bleiben die deutschen Industrieunternehmen bei ihren Beschäftigungsabsichten unter dem Strich skeptisch. Im Vergleich zum Herbst 2019 verändert sich der Saldo zwar nicht, verharrt aber als einziger der Hauptwirtschaftszweige im negativen Bereich (Saldo von minus 10 Punkten). Gerade in exportorientierten Branchen wie dem Werkzeugmaschinenbau, der Metallerzeugung und -bearbeitung sowie dem Maschinenbau sehen sich die Unternehmen gezwungen, ihre Pläne merklich zu reduzieren.

Der Mix aus weltwirtschaftlichen Unsicherheiten, einer schwachen internationalen Nachfrage nach Investitionsgütern sowie Handelsrisiken und -barrieren macht sich gerade in der international ausgerichteten deutschen Industrie deutlich bemerkbar. Dazu treten die strukturellen Herausforderungen von Digitalisierung, Energie- und Mobilitätswende.

Minusrekord: Fahrzeugbau besonders betroffen

Im Fahrzeugbau müssen die Unternehmen bei ihren Beschäftigungsplänen mit am stärksten auf die Bremse treten. Neben den Auswirkungen der nachlassenden Weltkonjunktur bestimmen auch Standortfaktoren und technologische Herausforderungen die Beschäftigungsperspektiven. Die Beschäftigungsabsichten im Kraftfahrzeugbau fallen auf ein Niveau, das – abgesehen von der Finanzkrise – zuletzt im Jahr 2006 erreicht wurde. Das zeigt sich gerade bei den Herstellern von Kfz-Teilen und -Zubehör. Über die Hälfte der Kfz-Zulieferer rechnet mit einem Beschäftigungsabbau. Hier spielen Anpassungen durch neue Technologien infolge der Digitalisierung und alternativer Antriebstechniken eine große Rolle, weil zum Beispiel elektrische Antriebsstränge weniger Bauteile umfassen, weniger wartungsintensiv sind und ihre Fertigung noch stärker automatisiert werden kann.

Pharma-Standort bleibt stark

Die Unternehmen der Branche hierzulande setzen weiter auf Innovation. Sie wollen überdurchschnittlich in Produktinnovationen, Kapazitätserweiterungen und umweltrelevante Maßnahmen investieren und benötigen Fachkräfte. Dementsprechend positiv fallen die Personalplanungen vor allem in Betrieben der pharmazeutischen Industrie (Saldo von 19 nach 14 Punkten im Herbst 2019), der Medizintechnik (Saldo von 26 nach 15 Punkten) und der Spitzentechnologie Pharma aus. Letztere erreichen sogar einen neuen Höchststand bei den Beschäftigungsabsichten (Saldo von 40 nach zuvor 19 Punkten).

Ge- und Verbrauchsgüterherstelle profitieren von stabiler Binnenkonjunktur

In der deutschen Konsumgüterindustrie sind die Konjunkturerwartungen und damit die Beschäftigungspläne etwas besser als in der Gesamtwirtschaft. Neben dem stabilen Konsum verstärken sich Trends wie eine stärkere Nachfrage nach regionalen Produkten sowie eine Individualisierung des Konsums mit mehr Eigenfertigungen nach Verbraucherwünschen. Die Ge- und Verbrauchsgüterhersteller wie das Textil- und Ledergewerbe sowie die Möbelindustrie erhöhen ihre Personalplanungen.

Beschäftigungspläne beim Bau weiter im Aufwind

Seit Jahren laufen die Geschäfte im Bau rund. Die Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung, das anhaltend niedrige Zinsniveau und die hohe Wohnungsnachfrage gerade in Ballungszentren werden ergänzt durch staatliche Anreize vor allem für mehr Wohnungsbau. Auch der öffentliche Bau legt durch die verbesserte Finanzausstattung und den forcierten Infrastrukturausbau zu. Der Wirtschaftsbau bleibt jedoch angesichts der Industrierezession zurück. Beim Bau insgesamt sehen dennoch die Beschäftigungspläne zuversichtlicher aus als im Herbst 2019.

Mehr als drei Viertel der Unternehmen rechnen demzufolge mit einer stabilen Beschäftigung, 15 Prozent will angesichts der hohen Nachfrage nach Bauleistungen zusätzliche Beschäftigung aufbauen. Im Vorjahresvergleich ist der Saldo allerdings um fünf Punkte niedriger. Im Baubereich ist der Fachkräfteengpass weiterhin deutlich spürbar und steht einem stärkeren Personalaufbau im Wege. Der Fachkräftemangel ist für drei Viertel der Bauunternehmen das entscheidende Risiko.

Unternehmensnahe Dienstleister unter dem Eindruck der Industrierezession

Insgesamt verbessern sich die Beschäftigungsabsichten der Dienstleister im Vergleich zum Herbst 2019 etwas. Der Beschäftigungsrückgang bei den unternehmensnahen Dienstleistern im Zuge der Industrierezession verlangsamt sich in der Breite. Das trifft unter anderem die Vermietung von Gebrauchs- und von Investitionsgütern, den Straßengüterverkehr und Verkehrsdienstleister. Ausnahme sind Dienstleistungen rund um Kommunikation und Digitalisierung.

Die Nachfrage nach IT-Experten in der Informationswirtschaft, bei IT-Dienstleistern und in der Programmierung steigt nach einer leichten Abschwächung zum Jahresende 2019 für 2020 an. Aber auch die Medienwirtschaft und die Telekommunikationsunternehmen planen mit steigenden Personalbudgets. Ob diese Planungen sich erfüllen können, hängt auch davon ab, wie die Branche mit dem Fachkräftemangel, der über dem Schnitt der unternehmensnahen Dienstleister liegt, und damit verbundenen steigenden Arbeitskosten als den beherrschenden Risiken umgeht.

Personenbezogenen Dienstleistungen fehlen die Fachkräfte

Die personenbezogenen Dienstleistungen profitieren bis auf eine Ausnahme von der stabilen Binnennachfrage, der hohen Erwerbstätigkeit und den Steigerungen bei den verfügbaren Einkommen. Die Beschäftigungsabsichten reduzieren sich nur geringfügig (Saldo von 11 nach 12 Punkten in der Vorumfrage). Ausnahme ist das Gastgewerbe. Sowohl die Gastronomie (Saldorückgang von 5 Punkten) als auch Hotels und Pensionen reduzieren ihre Beschäftigungspläne erneut. Der Fachkräfteengpass ist hier besonders ausgeprägt und für fast drei Viertel der Unternehmen das größte Risiko. Dazu treten hohe Bürokratiekosten. Hier verursachen Dokumentationspflichten einen hohen Erfüllungsaufwand.

Angesichts der Herausforderung Fachkräfteengpass bleibt der Bereich Gesundheit und Soziale Dienste erstaunlich optimistisch. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der steigenden Nachfrage nach diesen Dienstleistungen ist die Personalnachfrage in diesen Branchen weiterhin hoch. In keiner anderen Branche hat das Risiko fehlender Fachkräfte aber mittlerweile eine so große Bedeutung. Für fünf von sechs Unternehmen der Branche ist das Risiko, keine Fachkräfte zu finden, der alles bestimmende Engpass.

Beschäftigungsaussichten im Finanzsektor durchwachsen

Die Beschäftigungsplanungen im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verschlechtern sich nochmals. Im Kreditgewerbe sind die Pläne weiterhin rückläufig (Saldo von minus 48 nach minus 44 Punkten in der Vorumfrage). Das gilt für alle Säulen der Kreditwirtschaft. Der mehrjährige Personalabbau scheint noch nicht zu enden. Die Herausforderungen aus Regulierung und Digitalisierung setzen der Branche weiterhin zu.

Großunternehmen halten sich zurück

Die Beschäftigungsabsichten sind über die Größen hinweg sehr unterschiedlich. Bei den kleinen und mittleren Unternehmen ist der Anteil der Betriebe, die ihre Beschäftigung konstant halten, weiterhin deutlich höher als bei den größeren Mittelständlern und den Großbetrieben. Bei Letzteren ist dagegen die Dynamik von Personalaufbau und Personalabbau größer. Vor allem die großen Unternehmen ab 1.000 Beschäftigen nehmen nochmals Abstriche bei ihren Einstellungsplänen vor (Saldo von minus 10 zu minus 7 Punkten im Herbst 2019).

Auch die Unternehmen zwischen 200 und 999 sind weiterhin sehr zurückhaltend. Optimistischere Personalplanungen hingegen verfolgen die kleinen Unternehmen bis 19 Beschäftigte (3 nach 1 Punkt). Auch die mittelständischen Betriebe mit 20 bis 199 Beschäftigten (1 nach 2 Punkten) sind verhalten, aber insgesamt bleibt bei den KMU der Saldo positiv. Der Anteil, der den Personalstamm konstant halten möchte, ist mit sieben von zehn Betrieben bei den KMU besonders hoch (70 Prozent). Hier tritt die Binnenorientierung der Unternehmen hervor.

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Portätbild Kathrin Andrae
Dr. Kathrin Andrae Referatsleiterin Öffentliche Finanzen