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Binnennachfrage trägt deutsche Konjunktur

Frau vor Lebensmittelregal

Konjunkturstütze Konsum: Die Einkaufsfreude der Deutschen ist noch ungebrochen

© Getty Images / SDI Productions / E+

Auch im Jahr 2020 trägt gerade die Binnenkonjunktur die deutsche Wirtschaft. Für die Europäische Zentralbank dürfte sich im laufenden Jahr recht wenig ändern, und so ist nicht mit einer Erhöhung der Zinsen zu rechnen. Die Teuerungsrate bleibt gering und die realen Ausgabenspielräume der privaten Haushalte stabil.

Die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen deuten bis dato darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt in der Breite stabil entwickelt – trotz Industrierezession. In Folge ist mit einem beständigen Niveau des privaten Konsums zu rechnen, von dem jedoch keine großen Wachstumsimpulse zu erwarten sind. Dafür sprechen die verbesserten Geschäftserwartungen des Handels und der Dienstleister. Auch im Bau wird weiterhin intensiv gearbeitet. Die Branche befindet sich bei der Geschäftslage weiterhin nahe der historischen Höchststände. Die Erwartungen verbessern sich wieder etwas. Die Branche wird vor allem durch den Wohnungsbau angekurbelt. So bleibt diese Branche eine wesentliche Stütze der deutschen Konjunktur.

Konsumnahe Branchen blicken trotz guter Geschäftslage verhaltener in die Zukunft 

Die verhaltenen Erwartungen von personenbezogenen Dienstleistern und dem Einzelhandel an 2020 lassen erahnen, dass die strukturellen Umwälzungen auch an diesen beiden Sparten nicht spurlos vorbeigehen werden. Im Einzelhandel beurteilen die Unternehmen ihre Geschäftslage weiterhin überwiegend gut (26 nach 23 Saldopunkten).

Dennoch gehen mehr Firmen von einer Verschlechterung als von einer Verbesserung ihrer Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten aus. Der Erwartungssaldo von minus 3 Punkten bleibt auf dem Niveau der Vorumfrage. Die personenbezogenen Dienstleister schätzen ihre Geschäftslage mit 31 Saldopunkten im Vergleich zur Vorumfrage unverändert gut ein. Die Geschäftserwartungen sind leicht zurückgegangen und landen auf 0 – gleich viele Betriebe gehen von einer Verschlechterung wie einer Verbesserung aus.

Baugewerbe bleibt Stütze der deutschen Konjunktur 

Im Bau stehen die Zeichen weiterhin auf gute Geschäfte, und so bleibt diese Branche eine wesentliche Stütze der deutschen Konjunktur. Insgesamt ist jedoch ein leichter Rückgang des Geschäftslagesaldos zu verzeichnen (Herbst 2019: 63 Saldopunkte, Jahresbeginn 2020: 59 Saldopunkte), auch wenn die Baubranche im Vergleich zu anderen Branchen immer noch am besten dasteht. Die Geschäftserwartungen verbessern sich im Vergleich zur Vorumfrage leicht (minus 3 nach minus 4 Saldopunkten), wenngleich sie hinter jenen der Vorjahresumfrage zurückbleiben. Der Fachkräftemangel bleibt mit 77 Prozent das größte Geschäftsrisiko.

Im Wirtschaftsbau fiel die Entwicklung zuletzt etwas weniger kräftig aus. Angesichts der konjunkturellen Schwäche halten sich vor allem die Industrieunternehmen zurück, wenn es um die Erweiterung ihrer baulichen Anlagen geht. Kapazitätsausweitungen haben als Investitionsmotiv unter Industrieunternehmen in den letzten zwei Jahren an Bedeutung verloren (Jahresbeginn 2020: 27 Prozent; Jahresbeginn 2018: 41 Prozent). Das spürt auch der Wirtschaftsbau.

Der Wohnungsbau profitiert weiterhin von den günstigen Rahmenbedingungen wie hoher Erwerbstätigkeit und niedrigen Zinsen. Im öffentlichen Bau ist eine weitere Ausweitung der Geschäfte zu erwarten. Bund, Länder und vor allem die Kommunen vergeben zunehmend mehr Bauaufträge und haben diese auch mittelfristig ausfinanziert. Hemmnisse für ein noch stärkeres Wachstum sind neben den öffentlichen Engpässen bei Planung und Genehmigung auch die bürokratischen Anforderungen, die vor allem die mittelständisch geprägte Bauwirtschaft vor große Hürden in der Angebotsabgabe stellt. Zudem dauern die Verfahren sehr lang.

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Porträtfoto Katharina Huhn, Referatsleiterin Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen
Katharina Huhn Referatsleiterin Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen