Blick in die Weltregionen

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Die Einschätzungen basieren unter anderem auf den Berichten der 140 Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs), Delegationen und Repräsentanzen in 92 Ländern sowie den Unternehmensantworten in der weltweiten Befragung des AHK World Business Outlook.

Langsames globales Wachstum

In vielen Regionen der Welt entwickelt sich das Wachstum der Volkswirtschaften nur schwach. Zahlreiche Handelskonflikte bremsen den weltweiten Handel von Gütern und damit die globale Konjunktur. Zunehmender Protektionismus, Zölle und Sanktionen mit weitreichenden Auswirkungen auf die Lieferketten sorgen für Planungsunsicherheit – nicht nur bei den deutschen Unternehmen. Die Folge: Immer mehr Betriebe halten sich bei Investitionen zurück. In China, in den USA und in vielen Industrieländern gehen die Wachstumsraten zurück. Die daraus resultierende schwächelnde Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen bekommen dann auch viele Entwicklungs- und Schwellenländer zu spüren.


Die Weltregionen im Überblick

Die Konjunktur in Europa ist derzeit deutlich gebremst. Italien ist dabei mit einem Nullwachstum im vergangenen Jahr das Schlusslicht in der EU. Der Konsum bleibt schwach und Investitionen werden wegen Unsicherheiten aus dem In- und Ausland zurückgehalten. Auch Spanien und die Visegrad-Länder (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) können das schwierige internationale Umfeld nicht komplett abschütteln und erreichen nicht mehr die hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre. In Russland hat die Wirtschaft neben strukturellen Fragen und einer relativ hohen Inflationsrate auch mit den Auswirkungen der Sanktionen zu kämpfen.

Im Vereinigten Königreich sorgt der Brexit weiterhin für Abstriche beim Wirtschaftswachstum, vor allem aufgrund der sinkenden Investitionen der Industrie. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU hat eine Frist bis Ende dieses Jahres begonnen. In dieser vergleichsweise kurzen Übergangszeit gilt es, ein Freihandelsabkommen auszuhandeln. Sollte dies nicht oder nur rudimentär gelingen, könnten Zölle und andere Handelshemmnisse den Austausch von Dienstleistungen und Waren zwischen Deutschland und Großbritannien belasten.

Seit dem Brexit-Referendum ist UK bereits von Platz fünf auf Platz sieben der wichtigsten deutschen Handelspartner zurückgefallen. Bei einem harten Brexit nach der Übergangsphase ohne enge Anbindung an die EU und damit hohen Kosten für britische, aber auch deutsche und andere europäische Unternehmen droht eine noch stärkere Belastung der Konjunktur im Land und in Europa.
 

Das Wirtschaftswachstum in China bleibt zwar im weltweiten Vergleich auf hohem Niveau, die Dynamik der vergangenen Jahre lässt aber merklich nach. Chinesische und auch viele deutsche Unternehmen sind direkt vom Handelskonflikt mit den USA betroffen. Zusätzlich ist ein wachstumsdämpfender Effekt durch die Coronavirus-Epidemie zu erwarten. Die chinesische Regierung versucht deshalb unter anderem mit fiskalpolitischen Eingriffen die Wirtschaft zu stützen.

In Asien sind viele Länder von den schwächeren Wachstumszahlen in China und vom Handelskonflikt der USA mit China mittelbar betroffen. So auch Japan, das zudem unter der weltweit geringeren Nachfrage nach Investitionsgütern leidet. In einigen südostasiatischen Ländern, wie zum Beispiel Philippinen, Indonesien und Vietnam sind die außenwirtschaftlichen Herausforderungen zwar spürbar, das starke Wachstum wird aber nur wenig gebremst. Auch in Indien sind die Wachstumsraten der Wirtschaft mit aktuell über sechs Prozent weiterhin dynamisch.

In den USA treffen die Effekte der Handelskonflikte immer mehr auch die heimische Wirtschaft. Die durch die Strafzölle gestiegenen Kosten für Unternehmen und Verbraucher bremsen das Wachstum. Gleichzeitig fehlen dem Staat Investitionen in Bildung und Infrastruktur. Sollten die Einschränkungen im Außenhandel langfristig bestehen bleiben oder sogar weiter zunehmen, droht die Wirtschaftsentwicklung weiter abzuflachen. Die schwächere wirtschaftliche Entwicklung greift zunehmend auch auf die stark mit dem US-Markt verbundenen Märkte in Mexiko und Kanada über. Die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung auf dem südamerikanischen Kontinent konnten bisher nicht erfüllt werden. So wirkt sich die Schwäche Brasiliens negativ auf andere südamerikanische Länder wie Argentinien, Uruguay und Chile aus.

Die schwächelnde Weltkonjunktur trifft auch die afrikanischen Staaten. Zwar wächst die Wirtschaft in einigen Ländern, wie zum Beispiel Ägypten oder Kenia deutlich. Viele Herausforderungen wie Rechtssicherheit und Fachkräftebedarf sind aber Hürden – nicht nur für die Geschäfte deutscher Unternehmen vor Ort.

Kontakt

Porträtfoto Kevin Heidenreich, Referatsleiter Grundsatzfragen der Außenwirtschaft und Entwicklungspolitik
Kevin Heidenreich Referatsleiter Grundsatzfragen der Außenwirtschaft und Entwicklungspolitik