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Investitionen mit viel Luft nach oben

Baustelle im Morgenrot mit Shilouetten von Bauarbeitern

Lichtblick Bauwirtschaft: Die Branche meldet leicht verbesserte Investitionsabsichten

© sculpies / iStock / Getty Images Plus

Die Investitionsabsichten der Unternehmen verbessern sich leicht, allerdings mit schwacher Dynamik. Während die Dienstleister ihr Engagement vom Herbst unverändert fortsetzen wollen, planen der Bau und der Handel mit leicht verbesserten Investitionsvorhaben.

Von sehr niedrigem Niveau aus erhöhen zwar die Industrieunternehmen ihre Investitionspläne am deutlichsten – bleiben aber im Vergleich der Wirtschaftszweige Schlusslicht. Vor allem die größeren und mittelständischen Unternehmen planen mit soliden Investitionsbudgets. Verstärkt wollen die Unternehmen in Produktinnovationen und Umweltschutz investieren; auf unverändert hohem Niveau bleiben die Ersatzinvestitionen.

Risiken bremsen Investitionen

Die Unternehmen sehen sich zu Jahresbeginn 2020 mit einer Vielzahl von Risiken konfrontiert, die auf die Investitionsneigung drücken. Mehr Unternehmen als im Herbst 2019 sehen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (46 Prozent), den Arbeitskosten (42 Prozent) und den Energie- und Rohstoffpreisen (35 Prozent) ein beträchtliches Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung. Von den Unternehmen, die mit weniger Investitionen in diesem Jahr planen, geben sogar noch mehr diese Risiken an (Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen: 51 Prozent; Arbeitskosten: 45 Prozent, Energie- und Rohstoffpreise: 40 Prozent) – und in der Industrie betrifft es mittlerweile rund jedes zweite Unternehmen mit verschlechterten Investitionsplänen.

Für viele, insbesondere energieintensive und mittelständische Industrieunternehmen stellt die Einführung des nationalen Emissionshandels zur Bepreisung von CO2 ein erhebliches Risiko im internationalen Wettbewerb dar. Zum einen ist das Verhältnis zum europäischen Emissionshandel noch nicht abschließend geklärt. Zum anderen ist noch vollkommen unklar, ob und in welcher Form besonders betroffene Unternehmen entlastet werden. Zudem sind die Strompreise zum Jahreswechsel erneut spürbar gestiegen.

Industrie holt etwas auf

Die Investitionspläne der Industrieunternehmen holen im Vergleich der Wirtschaftszweige zwar am meisten auf – allerdings von geringerem Niveau kommend (Saldoverbesserung um 3 auf minus 1 Punkt). Die sich verbessernden Erwartungen für die weitere Geschäftsentwicklung (Saldoverbesserung um 10 auf minus 5 Punkte) und für die Exporte (Saldoverbesserung um 12 auf 0 Punkte) geben den Investitionsplänen der Industrieunternehmen einen leichten Impuls.

Deutlich schrauben die Konsumgüterhersteller ihre Investitionspläne nach oben und machen ihre Abstriche aus 2019 damit fast wett (neuer Saldo: 12 Punkte, Vorumfrage: 6 Punkte; Frühsommer 2019: 14 Punkte). Sie profitieren weiterhin vom stabilen Konsum hierzulande – und der stetigen Nachfrage nach Qualitätswaren "made in Germany" weltweit. Das Bekleidungsgewerbe zeigt sich seit erstmals seit Herbst 2018 wieder dynamischer und plant mit aufgestockten Investitionsbudgets (Saldoanstieg um 8 auf 4 Punkte) – ein Zeichen ihrer deutlich verbesserten Geschäftserwartungen (Saldoanstieg um 26 auf 2 Punkte). Auch die Pharmaunternehmen wollen mehr investieren.

Maschinen- und Fahrzeugbau bleiben Sorgenkinder

Etwas weniger Einschnitte bei ihren Investitionsbudgets planen auch die Investitionsgüterhersteller (Saldoanstieg um 6 auf minus 4 Punkte). Als stark exportorientierte Sparte sind die Investitionsgüterhersteller abhängig von der globalen konjunkturellen Großwetterlage und dem weltweiten Bedarf nach Maschinen, Fahrzeugen und Metallerzeugnissen. Der Maschinenbau berappelt sich etwas bei den Investitionsplänen (Saldoverbesserung um 5 auf minus 6 Punkte), bleibt aber sehr verhalten.

Ein ähnliches Bild bietet der Fahrzeugbau. Auch hier zeigen sich leicht verbesserte Investitionsplanungen (Saldoverbesserung um 7 auf minus 11 Punkte), die allerdings unter dem Niveau der letzten zehn Jahre liegen. Im Kraftfahrzeugbau fallen die Verbesserungen bei den Investitionsplänen noch geringer aus (Saldoanstieg um 3 auf minus 21 Punkte).

Vorleister straucheln

Am schwächsten fällt die Erholung bei den Herstellern von Vorleistungsgütern aus (Saldoverbesserung um 1 auf minus 7 Punkte). Sie sind für die Produktion von Konsum- und Investitionsgütern unerlässlich und spüren Nachfrageschwankungen aus dem In- und Ausland ganz besonders deutlich und häufig noch vor anderen Branchen. Optimistisch zeigen sich die Branchen "Gewinnung von Steinen und Erden, Bergbau" (Saldoanstieg um 13 auf 22 Punkte), "Glas-, Keramik- und Steineverarbeitung" (Saldoanstieg um 14 auf 13 Punkte) sowie die Chemische Industrie (neuer Saldo: 18 Punkte nach 14 Punkte).

Kräftig streichen hingegen die Metallerzeuger- und Bearbeiter ihre Investitionsbudgets zusammen (Saldoverschlechterung um 9 auf minus 21 Punkte). Sie sind wichtige Zulieferer für den Maschinen- und Fahrzeugbau und sind von deren geschäftlichen Entwicklung besonders abhängig. Das wird in der Risikoeinschätzung der Metallerzeuger- und Bearbeiter deutlich: Die Inlandsnachfrage verfestigt sich zunehmend zum Hauptrisiko für die Geschäfte dieser Branche. Auch die Gummi- und Kunststoffindustrie befindet sich im Fahrwasser des Maschinen- und Fahrzeugbaus und nimmt Abstriche bei ihren Investitionsplänen vor (Saldoverschlechterung um 5 auf minus 18 Punkte). Hinzu kommt, dass die Branchen energieintensiv arbeiten und daher von den nationalen und europäischen Plänen zum Klimaschutz besonders betroffen sind.

Produktinnovationen und Umweltschutz werden relevanter

Jedes dritte Unternehmen möchte verstärkt in Produktinnovationen investieren. Während jedes fünfte auf Investitionen auf Grund des Umweltschutzes setzt – und damit etwas mehr als noch im Herbst 2019. Die konjunkturelle Eintrübung führt dazu, dass Produktinnovationen wieder stärker auf die Agenda treten.

Diese sind vor dem Hintergrund der strukturellen Herausforderungen – insbesondere der technologische und demografische Wandel – wichtig. Zum anderen kommen steuerliche Anreize durch die Einführung der steuerlichen Forschungsförderung am 1. Januar 2020 für mehr Innovationen hierzulande hinzu. Aus Gründen des Umweltschutzes planen so viele Unternehmen wie nie zuvor seit Beginn der Befragung 2003 zu investieren, vor allem aus der Industrie (26 Prozent).

Das zeigt einerseits, dass die Debatte um Klimaschutz und Energieeffizienz in der Mitte der Unternehmen angekommen ist und Energieeffizienz und Klimaschutz sind zu einem wichtigen Merkmal im Wettbewerb geworden. Andererseits verfolgt die Politik in Berlin und Brüssel auch klimapolitische Maßnahmen, die von den Unternehmen zusätzliche Investitionen erfordern, zum Beispiel Investitionen in alternative Antriebe, zur Einsparung von C02 sowie für mehr Energieeffizienz.

Investitionsmotive der Unternehmen

(Anteil der Nennungen in Prozent)

Ersatzbedarf

65

Produktinnovation

33

Rationalisierung

32

Kapazitätsausweitung

26

Umweltschutz

20

Allerdings sorgen sich von den Unternehmen, die in den Umweltschutz investieren, auch 51 Prozent um die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und 53 Prozent um Energie- und Rohstoffpreise – und damit mehr als in der Gesamtwirtschaft (Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen: 46 Prozent; Energie- und Rohstoffpreise: 35 Prozent). Umso wichtiger ist angesichts steigender Energie- und Rohstoffpreise, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen im Blick zu behalten.

Konsumnahe Dienstleister auf Expansionskurs

Die Dienstleister sind zuversichtlich aufgestellt und führen ihr expansives Engagement vom Herbst 2019 unverändert fort (Saldo: 10 Punkte). Unter ihnen wollen vor allem die besonders konsumnahen Branchen rund um die Freizeitgestaltung ihre Investitionspläne ausweiten und auch zusätzliche Kapazitäten schaffen oder mit neuen Produkten rund um die Unterhaltung Zielgruppen halten beziehungsweise neue erschließen. Dazu gehören die Medien- und Filmwirtschaft, zu denen auch Kinos zählen (Saldoanstieg um 16 auf 30 Punkte), die Kunst-, Unterhaltungs- und Erholungsbranche mit Konzerten, Museen und anderen (sportlichen) Freizeiteinrichtungen (Saldoanstieg um 9 auf 15 Punkte) sowie Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstalter (Saldoanstieg um 10 auf 16 Punkte). Von der Konsumlaune möchte auch der Einzelhandel profitieren, der mit aufgestockten Investitionsplänen ins neue Jahr startet (Saldoanstieg um 3 auf 7 Punkte).

Unternehmensnahe Dienstleister zurückhaltender

Bei den überwiegend unternehmensbezogenen Dienstleistern macht sich die deutlich langsamere Gangart der Wirtschaft und gerade der Industrie bemerkbar. Sie warten ab und halten sich bei ihren Investitionsplanungen zurück (Saldoverschlechterung um zwei auf neun Punkte). So schrauben die Forschungs- und Entwicklungsdienstleister ihre Investitionspläne zurück (22 Punkte, Vorumfrage: 27 Punkte), die Vermittler und Überlasser von Arbeitskräften (minus 13 Punkte; Vorumfrage: minus 12 Punkte) und auch die Bildungswirtschaft (13 Punkte, Vorumfrage: 17 Punkte).

Zuversichtlicher zeigen sich hingegen die Unternehmensberater (Saldoanstieg um 3 auf 7 Punkte), deren Leistungen auch vor dem Hintergrund der vielfältigen strukturellen Herausforderungen – ob Digitalisierung, demografischer Wandel oder ressourceneffizientes Wirtschaften – verstärkt nachgefragt werden. Auch die Leasingbranche plant mit höheren Investitionsbudgets (Saldoanstieg um 4 auf 4 Punkte). Für die Unternehmen wird es zunehmend interessanter, Leasing-Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, seien es Maschinen, PKW oder Software und damit mit überschaubarem finanziellem Aufwand neue Lösungen zu testen.

Kontakt

Porträtbild Dr. Susanne Gewinnus, Referatsleiterin Industrie | Forschung
Dr. Susanne Gewinnus Referatsleiterin Industrie- und Forschungspolitik