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Strukturelle Herausforderungen gewinnen an Bedeutung

IT-Fachmann erläutert Server-Konfiguration

Begehrte Experten: Gerade IT-Fachleute werden zunehmend zum Engpass

© vm / E+ / Getty Images

Letztlich hinterlassen auch strukturelle Probleme ihre Spuren bei der deutschen Konjunktur. Fachkräfteengpässe bleiben trotz Konjunkturschwäche eine große Herausforderung für die deutschen Unternehmen. Weiterhin hat mehr als jeder zweite Betrieb Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen.

Beim Blick nach vorn verschärft sich die Situation noch weiter: Bis zum Jahr 2035 wird das Angebot an Arbeitskräften in Deutschland um bis zu sechs Millionen abnehmen – und ohne fortgesetzte Zuwanderung von Fachkräften wird die Abnahme noch steigen.

Personalmangel vor allem im Hightech-Bereich

Insbesondere wenn es darum geht, die Stärken der deutschen Wirtschaft in das digitale Zeitalter zu übertragen, ist die Fachkräftesicherung ein zentrales Thema. Dass es bei der Übertragung digitaler Schlüsseltechnologien und Künstlicher Intelligenz in die Unternehmen an den nötigen IT-Fachkräften fehlt, wird auch daran ersichtlich, dass 56 Prozent der Unternehmen, die in Produktinnovation investieren wollen, den Fachkräftemangel als größtes Geschäftsrisiko betrachten.

Auch der technologische Wandel hin zu neuen Antriebsformen bei Automobil, Mobilitätskonzepten und Digitalisierung birgt strukturelle Herausforderungen für Deutschland. Der deutsche Maschinen- und Fahrzeugbau hat im letzten Jahr kräftige Abstriche hingenommen. Die Geschäftslage ist im Vorjahresvergleich deutlich gesunken (Industrie gesamt: 16 nach 43 Saldopunkten, Maschinenbau:15 nach 55 Saldopunkten, Fahrzeugbau: 8 nach 44 Saldopunkten). Auch die Geschäftserwartungen liegen weiter deutlich im negativen Bereich – wenngleich aktuell eine leichte Verbesserung zu verzeichnen ist.

Unwägbarkeiten der Klimapolitik bremsen Investitionsbereitschaft

Die Auswirkungen der deutschen und europäischen Klimapolitik auf die hiesige Wirtschaft – gerade die Industrie – sind noch nicht absehbar. Die Unternehmen sind gerade mit Blick auf ihre Investitionen zurückhaltend. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Investitionsabsichten spürbar gesunken (Industrie gesamt: minus eins nach 16 Saldopunkten zu Jahresbeginn 2019). Das liegt auch daran, dass Unsicherheit darüber besteht, in welche Technologien investiert werden soll.

Die Investitionsabsichten der Gesamtwirtschaft fielen in den letzten zwei Jahren (Jahresbeginn 2018: 22 Saldopunkte; Jahresbeginn 2020: 6 Saldopunkte) und konnten nur zuletzt eine gewisse Stabilisierung aufweisen.

Augenscheinlich ist jedoch der erhöhte Fokus der Betriebe auf den Klima- und Umweltschutz. Mit einem Rekordwert nennen 20 Prozent der Unternehmen den Umweltschutz als ein Hauptmotiv für ihre Investitionen. In der Industrie sind es sogar mehr als ein Viertel der Unternehmen. Klimaschutz und Energieeffizienz werden für die Unternehmen immer relevanter. Die gesetzlichen Vorgaben spielen hier eine große Rolle.

Zurückhaltung vor allem bei energieintensiven Betrieben

Gleichzeitig stellt sich die Frage immer deutlicher, wie die Unternehmen angesichts der Vorgaben ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten sollen. Die Investitionen von Unternehmen aus energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung und -bearbeitung oder dem Papiergewerbe sind schon seit einiger Zeit rückläufig (Metallerzeugung Jahresbeginn 2020: minus 21 nach minus 12 Saldopunkten im Herbst 2019, Papiergewerbe Jahresbeginn 2020: minus 7 nach 2 Saldopunkten im Herbst 2019).

Die Investitionsabsichten der energieintensiven Industrie entwickeln sich damit schwächer als die der gesamten Industrie (Jahresbeginn 2020: minus ein Saldopunkt, Jahresbeginn 2019: 16 Punkte). Es gibt hierzulande zwar eine Reihe von Entlastungen, etwa reduzierte Sätze bei Energiesteuern und bei der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie die Zuteilung kostenloser CO2-Zertifikate im europäischen Emissionshandel und einen Ausgleich für emissionshandelsbedingte Strompreisbestandteile.

Diese Entlastungen führen jedoch nicht zu einem vollständigen Ausgleich der energie- und klimapolitisch bedingten Lasten. Beispielsweise zahlen die Unternehmen, die von EEG-Ausnahmen profitieren, einen geringen EEG-Anteil. Hinzu kommt, dass viele der Entlastungen immer wieder neu verhandelt werden müssen. Die daraus resultierende Unsicherheit dämpft die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen.

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Porträtfoto Melanie Vogelbach
Melanie Vogelbach Bereichsleiterin Internationale Wirtschaftspolitik, Außenwirtschaftsrecht