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Investitionspläne gebremst

Insbesondere die Industrieunternehmen nehmen kräftige Abstriche vor
Geschäftsleute vor einem Monitor mit Grafiken

Aktuell stellen viele Unternehmen ihre Pläne zurück

© Westend61 / Getty Images

Die merklich eingetrübten Geschäftserwartungen dämpfen die Investitionsneigung der Unternehmen im Frühjahr 2022 erheblich. Im Kraftfahrzeugbau, der traditionell forschungsfreudigsten Branche, erreicht sie sogar ein Rekordtief.

Im Frühsommer 2022 wollen 29 Prozent der Betriebe ihre Investitionen ausweiten (zuvor 31 Prozent) und 23 Prozent weniger investieren (zuvor 19 Prozent). Der resultierende Investitionssaldo aus positiven und negativen Bewertungen halbiert sich gegenüber der Vorumfrage auf sechs Punkte – und liegt damit gerade noch über dem langjährigen Durchschnitt von vier Punkten.

Grafik zur Konjunktur Frühsommer 2022 Investitionsabsichten

© DIHK

Vor allem Industrie kürzt Investitionen

Kräftige Abstriche nehmen insbesondere die Industrieunternehmen bei ihren Investitionsplänen vor, der Saldo sinkt um 14 auf neun Punkte. Damit kommt die kontinuierliche Verbesserung der Investitionspläne seit dem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie zu einem Ende. Insbesondere die Investitionsgüterhersteller nehmen angesichts der trüben Geschäfts- und Exporterwartungen Kürzungen vor (Saldo von sieben nach zuvor 24 Punkten). Besonders kräftig streichen dabei die Maschinenbauer ihre Investitionspläne zusammen (Saldo von neun nach zuvor 30 Punkten).

Auch das Baugewerbe passt seine Investitionspläne merklich nach unten an (Saldo von minus neun nach zuvor fünf Punkten), und auch bei den Händlern zeichnet sich ein Rückgang ab, wenn auch nicht ganz so gravierend (Saldo von null nach zuvor sieben Punkten).

Bei den Dienstleistern zeigt sich, dass diejenigen mit positiveren Geschäftsaussichten auch ihre Investitionspläne eher ausweiten wollen. So halten sich im Gastgewerbe beispielsweise expansive und restriktive Unternehmen wieder die Waage, nachdem zu Jahresbeginn die Investitionsabsichten noch deutlich im Minus waren (Saldo von null nach zuvor minus elf Punkten). Dennoch zeigen sich auch spürbare Eintrübungen, nämlich bei Verkehrsunternehmen wie Betrieben aus dem Straßenverkehr und Schienennahverkehr (Saldo von ein nach zuvor acht Punkten) – und noch deutlicher im Straßengüterverkehr (Saldo von minus vier nach zuvor sieben Punkten). Die verschlechterten Geschäftserwartungen dieser Branchen machen sich bei ihren Investitionsplänen bemerkbar. Vor allem die steigenden Energie- und Rohstoffpreise (Risikonennung jeweils 92 Prozent) dürften erhebliches Kapital binden, das für Investitionen fehlt.

Gefährliche Tendenzen für Forschung und Entwicklung

Ob Energiekrise, Corona oder die Unsicherheiten über die Entwicklung der Nachfrage auf den Märkten – das alles drückt auf die Investitionsstimmung, und die Einsparung von Kosten rückt stärker in den Vordergrund. Während der Umweltschutz (alle Branchen 28 Prozent, Industrie: 36 Prozent) erneut ein Rekordniveau erreicht, möchte nicht mal jedes dritte Industrieunternehmen in Produktinnovationen investieren (32 Prozent nach 36 Prozent) – so wenig wie nie zuvor. Das ist eine besorgniserregende Entwicklung, da die Industrie hierzulande 85 Prozent der privaten Ausgaben für Forschung und Entwicklung schultert. Im Kraftfahrzeugbau, der Branche mit den traditionell höchsten FuE-Aufwendungen, wollen nur noch vier von zehn Unternehmen (40 Prozent nach zuvor 54 Prozent) in Produktinnovationen investieren – der tiefste jemals in einer DIHK-Konjunkturumfrage gemessene Wert.

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Porträtbild Dr. Susanne Gewinnus, Referatsleiterin Industrie | Forschung
Dr. Susanne Gewinnus Referatsleiterin Industrie- und Forschungspolitik

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Michelle Schröder Redakteurin für Web, Video und Social Media