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Weiterhin plant jedes fünfte Unternehmen, Personal aufzubauen

Tendenzen in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich
Geschäftsleute an einem Tisch besiegeln einen Vertragsschluss per Handschlag

Neue Mitarbeitende sind in vielen Branchen herzlich willkommen

© Morsa Images / DigitalVision / Getty Images

Die Beschäftigungsabsichten in der Wirtschaft zeigen sich angesichts der eingetrübten Geschäftserwartungen als robust. Gerade jetzt wollen die Unternehmen für die kommenden Herausforderungen gewappnet sein.

Wie die DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2022 zeigt, beabsichtigt etwa jedes fünfte Unternehmen (19 nach zuvor 21 Prozent), mehr Personal einzustellen. Hingegen 14 Prozent (nach zuvor 13 Prozent) rechnen mit einem Abbau.

Damit zeichnet sich ein Rückgang im Vergleich zum Jahresbeginn ab, jedoch nur ein leichter: Damals lag der Saldo aus positiven und negativen Beschäftigungsabsichten noch bei acht Punkten. Inzwischen hat er sich auf fünf Punkte verringert, hält sich aber weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt (null Punkte). 

 

Grafik zur Konjunktur Frühsommer 2022 Beschäftigungsabsichten

© DIHK

Abbaupläne vor allem in Industrie, Handel und am Bau

Dieser leichte Rückgang in der Gesamtwirtschaft geht auf die Industrie (Saldo von acht nach zuvor 15 Punkten), das Baugewerbe (Saldo von minus ein nach zuvor fünf Punkten) und den Handel (Saldo von minus zwei nach zuvor fünf Punkten) zurück, wo die negativen Export- und Geschäftserwartungen auch die Beschäftigungspläne drücken.

Insbesondere in energieintensiven Industriezweigen werden die Pläne, Personal einzustellen, heruntergeschraubt. So ist beispielsweise in der Gummi- und Kunststoffindustrie der Saldo der Beschäftigungsabsichten um 14 auf vier Punkte gesunken und in der Chemischen Industrie sowie bei den Unternehmen der Metallerzeugung und Bearbeitung jeweils um elf auf vier Punkte. Allerdings liegen diese Werte noch deutlich unter den Rückgängen, die im Zuge des Corona-Schocks oder der Finanzkrise verzeichnet wurden. Ein Grund dafür ist der Fachkräftemangel, der zwar etwas weniger häufig als Geschäftsrisiko genannt wurde als noch zu Jahresbeginn, aber weiterhin die zweitgrößte Herausforderung darstellt. Schließlich können es sich die Unternehmen auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten langfristig nicht leisten, in großem Maßstab Personal abzubauen.

Auch im Baugewerbe sind die Einstellungsabsichten zurückgegangen (Saldo von minus einem nach zuvor fünf Punkten), sie liegen jedoch noch leicht über dem langjährigen Durchschnitt von minus fünf Punkten. Obwohl die Transformation hin zur Klimaneutralität die Nachfrage nach Bauleistungen – und damit auch entsprechenden Arbeitskräften – grundsätzlich erhöht, könnten bereits steigende Kreditzinsen weitere Bauinvestitionen ausbremsen. Dies bestätigt das bereits deutlich gestiegene Risiko einer schwächelnden Inlandsnachfrage (37 Prozent nach zuvor 27 Prozent).

Die Einstellungspläne im Handel haben sich mit der Eintrübung der Geschäftsaussichten gegenüber der Vorumfrage um sieben Punkte auf einen Saldo von minus zwei Punkte verschlechtert und liegen damit nur noch knapp über dem langjährigen Durchschnitt von minus drei Punkten. Über die Hälfte der Handelsunternehmen sieht das Risiko einer schwächeren Inlandsnachfrage (53 Prozent nach zuvor 48 Prozent). Entsprechend nimmt auch der Personalbedarf etwas ab.

Insbesondere Dienstleister möchten aufstocken

Der Dienstleistungssektor plant dagegen mit etwas mehr Beschäftigten als noch in der Vorumfrage (Saldo von sieben nach zuvor fünf Punkten). Besonders die Branchen, die stark von den Corona-Maßnahmen betroffen waren, atmen spürbar auf und wollen ihr Personal wieder aufstocken. So steigt der Saldo der Beschäftigungsabsichten im Gastgewerbe um 15 auf sieben Punkte. Bei den Messe-, Ausstellungs- und Kongressveranstaltern nimmt der Saldo sogar um 19 auf 30 Punkte zu. 

Trotz der pessimistischen Geschäftsaussichten in der Industrie halten einige Branchen weiterhin an überwiegend expansiven Einstellungsplänen fest. Das gilt insbesondere für Branchen mit Digitalisierungsbezug wie zum Beispiel Telekommunikation (Saldo von 31 nach zuvor 25 Punkten), IT-Dienstleister (Saldo von 30 nach zuvor 35 Punkten) und Programmierer (Saldo von 20 nach zuvor 34 Punkten). Gleiches gilt für Dienstleister, die mit Blick auf die ökologische Transformation gefragt sind, etwa Forschung und Entwicklung (Saldo von 26 nach zuvor 32 Punkten) sowie Architektur- und Ingenieurbüros (Saldo von 15 nach zuvor 17 Punkten).

Für Gesundheits- und soziale Dienste stehen weiterhin mehrheitlich Einstellungen auf der Beschäftigungsagenda (Saldo von 19 nach zuvor 13 Punkten). Hier macht sich der demografische Wandel mit steigendem Bedarf nach Gesundheits- und Pflegedienstleistungen bemerkbar. Eine schwächelnde Inlandsnachfrage muss die Branche nicht fürchten (Geschäftsrisiko Inlandsnachfrage 18 Prozent nach zuvor 20 Prozent).

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Porträtbild Dr. Stefan Hardege, Referatsleiter Fachkräftesicherung, Arbeitsmarkt, Zuwanderung
Dr. Stefan Hardege Referatsleiter Fachkräftesicherung, Arbeitsmarkt, Zuwanderung

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Michelle Schröder Redakteurin für Web, Video und Social Media