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Wie Corona die deutsche Wirtschaft trifft: Der DIHK-Krisen-Modulator

Die Pandemie hat eine empfindliche Lücke in das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) gerissen. Doch wie groß ist diese Lücke, und wann kann die deutsche Wirtschaft das Vorkrisenniveau wieder erreichen? Antworten darauf gibt der DIHK-Krisenmodulator. Er basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes und den Berechnungen des DIHK zur BIP-Prognose.

Monatelange Lockdowns, ausgefallene Reisen, Messen und Veranstaltungen, geschlossene Kneipen, Restaurants und Einzelhandel allenfalls mit Abholservice – trotz milliardenschwerer Hilfsprogramme steht fest: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben ein tiefes Loch in den Bilanzen der Unternehmen hinterlassen, finanzpolitisch hohe Kosten verursacht und das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2020 um 4,6 Prozent schrumpfen lassen. Auch im Jahr 2021 konnte der Verlust nicht aufgeholt werden. Das BIP stieg lediglich um 2,8 Prozent.

Der DIHK-Krisen-Modulator bildet diesen BIP-Verlust grafisch ab, rechnet die gesamtwirtschaftlichen Verluste hoch und simuliert zugleich die weitere Entwicklung. Zum besseren Verständnis des Rechenmodells wird das BIP dabei als Index angegeben; das Basisjahr ist 2015 (2015 = 100). Für das alternative Szenario ohne Corona-Pandemie legt der Krisen-Modulator ein durchschnittliches Wachstum von 0,35 Prozent pro Quartal zugrunde. Das entspricht knapp dem durchschnittlichen Quartalswachstum der letzten zehn Vorkrisenjahre. In vereinfachter Form nimmt der Modulator außerdem konstante Preise an, lässt also das Thema Inflation außer Betracht.

Und so sieht der Verlauf aus: Mit dem Beginn der Corona-Pandemie im 4. Quartal 2019 bricht die reale Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik Deutschland stark ein (dicke blaue Linie), wohingegen der theoretische Verlauf ohne Krise (dünne graue Linie) weiterhin ein BIP-Wachstum von 0,35 Prozent pro Quartal unterstellt und langsam ansteigt. Die Diskrepanz zwischen dem Wirtschaftsverlauf mit und ohne Corona-Krise zeigt sich in den farblich markierten Bereichen zwischen den beiden Linien. Sie geben die jeweiligen BIP-Verluste pro Quartal an (wobei die Länge der Balken grafisch nicht exakt den tatsächlichen Krisenverlusten entspricht).

Prognosen basieren auf rund 28.000 Unternehmensantworten

Auf der rechten Seite des DIHK-Krisen-Modulators werden die einzelnen BIP-Verluste pro Quartal aufgelistet und zusammengerechnet. Zum Jahresende 2020 summierten sich diese bereits auf mehr als 226 Milliarden Euro. Zum Ende des Jahres 2021 liegt der Verlust bei 413 Milliarden Euro. Da nach Schätzung des DIHK der mögliche BIP-Anstieg ohne Corona-Krise bis zum Jahresende 2022 nicht erreicht wird, summiert sich der Wohlstandsverlust bis Ende 2022 auf 545 Milliarden Euro.

Wäre die Wirtschaft seit dem Beginn der Corona-Krise weder gewachsen noch geschrumpft, würde sie nach dieser Modellrechnung im 3. Quartal 2022 zumindest wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Die allein in dieser Zeit aufsummierten Krisenverluste gegenüber dem "Normalverlauf" betrügen dann mehr als 528 Milliarden Euro, sollten sich die Berechnungen bestätigen.

Die Schätzungen basieren auf der DIHK-Konjunkturprognose. Gestützt auf die Rückmeldungen aus rund 28.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen Deutschlands. Für das Jahr 2022 erwartet der DIHK insgesamt ein Wachstum von 3,0 Prozent.

Zahlreiche Unwägbarkeiten

Tatsächlich hängt der weitere wirtschaftliche Krisenverlauf von verschiedenen Faktoren ab und ist in hohem Maße von Unsicherheiten geprägt. Dazu zählen etwa die Entwicklungen rund um Infektionen und Mutationen, Teststrategien, Impfungen et cetera. Für Deutschland als Exportnation ist es außerdem von entscheidender Bedeutung, wie die Weltwirtschaft insgesamt durch die Corona-Pandemie kommt.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die deutsche Wirtschaft die krisenbedingten BIP-Verluste beziehungsweise das entgangene Wachstum nicht wird aufholen können, auch wenn es in einigen Bereichen zu Nachholeffekten kommen kann. In vielen der besonders vom Lockdown betroffenen Branchen dürfte dies jedoch nicht der Fall sein – wer in der Pandemie Urlaube nicht antreten, nicht ins Konzert oder Restaurant gehen konnte, wird dies zu einem späteren Zeitpunkt höchstens teilweise nachholen.

Kontakt

Porträtfoto Dr. Jupp Zenzen
Dr. Jupp Zenzen Referatsleiter Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen