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EU setzt sich hohe Ziele für Offshore-Windenergie

Leistung soll bis 2050 um den Faktor 25 zulegen
Offshore-Windpark

Die EU will das Thema Windkraft auf See nach vorne bringen

© Mischa Keijser / Image Source / Getty Images

Die Europäische Kommission hat am 18. November 2020 als Teil des Green Deal ihre Strategie für Offshore-Windenergie und Meeresenergie vorgelegt. Bis zum Jahr 2050 sollen insgesamt 300 Gigawatt Leistung in europäischen Gewässern installiert sein – 25-mal mehr als heute.

Aktuell beträgt die in der gesamten EU installierte Offshore-Windleistung 12 Gigawatt.  Bis zum Jahr 2030 sollen der Offshore-Strategie zufolge 60 Gigawatt erreicht werden. Dazu sollen noch 1 bis 3 Gigawatt Leistung Meeresenergie kommen, etwa aus Wellen- und Gezeitenkraftwerken.

Für das Jahr 2050 ist vorgesehen, dass 300 Gigawatt Offshore-Windenergie und 40 Gigawatt Meeresenergie zu einer europäischen Stromversorgung beitragen, die dann zu 80 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt würde. Die Erzeugungsanlagen sollen nicht nur in Nord- und Ostsee errichtet werden, sondern auch im Atlantik, dem Mittelmeer und im Schwarzen Meer.

EU will mehr Tempo beim Ausbau

Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es laut EU-Kommission einer erheblichen Beschleunigung des Ausbaus. Mit den aktuellen Rahmenbedingungen würden bis 2050 lediglich 90 Gigawatt Offshore-Windkapazität entstehen.  Zur Beschleunigung des Ausbaus soll vor allem eine bessere Meeresraumplanung beitragen, die Nutzungskonflikte früh auflöst und Investoren Sicherheit bietet.

Zudem will die Kommission in Zukunft "hybride" Projekte voranbringen, unter anderem durch regulatorische Anpassungen und Klarstellungen bezüglich bestehender Marktregeln. Windparks würden nicht an ein einziges nationales Stromnetz angeschlossen, sondern als Gemeinschaftsprojekte über mehrere Anbindungsleitungen verschiedene Mitgliedstaaten direkt beliefern.

Windparks könnten in diesem Szenario in einer eigenen Gebotszone zusammengefasst werden und dann über Interkonnektoren Strom in angrenzende Gebotszonen liefern. Mit der Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark über den Ostsee-Windpark "Kriegers Flak" wurde kürzlich die erste solche Verbindung hergestellt.

"Förderlicher Rahmen" für eine wettbewerbsfähige Technologie

Die Novelle der Leitlinien für Umwelt- und Energiebeihilfen will die Kommission nutzen, um einen "förderlichen Rahmen" für Investitionen in Offshore-Wind- und Meeresenergie-Projekte zu schaffen. Die Offshore-Strategie verweist auf Mechanismen, die die Einnahmen stabilisieren, etwa Garantien, Risikobegrenzung und Direktlieferverträge (PPAs).

Zugleich unterstreicht die Kommission die hohe Marktreife und Wettbewerbsfähigkeit der Offshore-Winderzeugungsanlagen: Diese produzierten bereits heute günstiger Strom als alle existierenden fossilen Erzeugungstechnologien. Die Stromgestehungskosten lägen weltweit zwischen 45 und 79 Euro pro Megawattstunde.

Projekte sollen vor allem privat finanziert werden

Ein Großteil der Investitionen von geschätzten 789 Milliarden Euro – hiervon etwa zwei Drittel für die Netze – wird nach Ansicht der Kommission privat zu stemmen sein. Dennoch sieht die Brüsseler Behörde auch eine Rolle für öffentliche Investitionen, insbesondere für Technologien, die anders als Offshore-Wind noch keine Marktreife erlangt haben.

Für Forschungs- und Demonstrationsprojekte will die EU existierende Finanzierungsinstrumente wie InvestEU, die Connecting Europe Facility, den Innovation Fund sowie Mittel aus dem nächsten Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe nutzen. Bis zum Jahr 2025 plant die Kommission ein ganz spezifisches Investitionsprogramm für zehn groß angelegte Demonstrationsprojekte im Bereich Meeresenergie, wofür neben nationalen Fördergeldern und privaten Mitteln auch Geld aus Horizon Europe und InvestEU fließen soll.  

Zusätzlich werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, auch die als Reaktion auf die Coronavirus-Pandemie neu aufgelegte Recovery and Resilience Facility für Investitionen in Offshore-Windanlagen zu nutzen. 

Kontakt

Porträtfoto Julian Schorpp
Julian Schorpp Referatsleiter Europäische Energie- und Klimapolitik