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Höhere EU-Klimaziele 2030 stellen Unternehmen vor Mammutaufgabe

DIHK analysiert die konkreten Folgen für die deutsche Wirtschaft
Metallarbeiter mit Schleifmaschine

Wenn die Preise für CO2-Emissionen ansteigen, trifft das energieintensive Branchen ganz besonders

© Phynart Studio / E+ / Getty Images

Die EU plant im Rahmen des Green Deal, ihre Klimaziele anzuheben. Im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft soll hierüber bis Ende 2020 eine Einigung erzielt werden. Insbesondere die Verschärfung des CO2-Reduktionsziels für das Jahr 2030 hat sehr weitreichende Auswirkungen auf die Wirtschaft, die der DIHK in einem neuen Papier beleuchtet.

Im Europäischen Emissionshandel ist mit signifikanten Preissteigerungen zu rechnen. Die etwa 1.900 in Deutschland betroffenen Industrieanlagen und Kraftwerke werden weitaus mehr für jede emittierte Tonne CO2 bezahlen müssen. Im Stromsektor wird der Kohleausstieg beschleunigt. Werden emissionsintensive Kraftwerke nicht rechtzeitig ersetzt, ist zudem mit Strompreissteigerungen zu rechnen, die insbesondere stromintensive Industriebranchen belasten würden.

Folgen auch über den Emissionshandel hinaus

In Sektoren wie Verkehr, Gebäude und Industriebetrieben außerhalb des Europäischen Emissionshandels werden sich ebenfalls mittelbare und unmittelbare Auswirkungen für viele Betriebe ergeben. Deutschlands verbindliches CO2-Budget würde durch die höheren EU-Ziele erheblich verringert. Damit wird eine entsprechende Verschärfung der nationalen Klimaschutzvorgaben erforderlich. Dies beträfe beispielsweise den deutschen Brennstoffemissionshandel, der ab 2021 erstmals greift.

Die EU ihrerseits wird über die sektorale Gesetzgebung neue Rahmenbedingungen setzen. Die Europäische Kommission hat bereits angekündigt, die Novelle der Emissionsflottengrenzwerte für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge vorzuziehen. Eine erneute Senkung der Grenzwerte für 2030 würde die Automobilhersteller zwingen, noch viel schneller mehr Elektrofahrzeuge in den Markt zu bringen.

Carbon Leakage würde die Wirtschaft schwächen

Ob sich hieraus mehr Chancen als Risiken für deutsche Unternehmen ergeben, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Eine Wachstumsstrategie für Europa ergibt sich aus der Zielanhebung nicht zwangsläufig. Ohne einen effektiven Schutz vor Verzerrungen im internationalen Wettbewerb würde hingegen die Wettbewerbsfähigkeit vieler Industriebetriebe gefährdet. Denn die Verlagerung von Produktion an Standorte mit geringeren CO2-Kosten (Carbon Leakage) würde die Wirtschaft schwächen und dem Klima schaden.

Gleichzeitig sind deutsche Unternehmen als Anbieter von Klima- und Umweltschutztechnologien weltweit führend. Sie können von einer höheren Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen profitieren, die sich unter bestimmten Bedingungen aus höheren CO2-Kosten und strengeren Klimaschutzauflagen in der EU ergeben kann. Entscheidend sind zudem Nachfragentwicklungen in Drittländern, in die diese Unternehmen exportieren.

Was genau die neuen Anforderungen für die Wirtschaft hierzulande bedeuten, hat der DIHK in seinem Papier analysiert, das hier zum Download bereitsteht:

"Green Deal": Auswirkungen der Anhebung der EU-Klimaziele auf deutsche Unternehmen (PDF, 337 KB)

Aus Sicht der Unternehmen muss der Green Deal als Wachstumsstrategie für die gesamte Wirtschaft konzipiert sein und harte Strukturbrüche vermeiden.

Achim Dercks, stellvertretender DIHK-Hauptgeschäftsführer

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Porträtfoto Julian Schorpp
Julian Schorpp Referatsleiter Europäische Energie- und Klimapolitik

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Franziska Stavenhagen Pressesprecherin