Pfadnavigation

"Bürokratie? Mit Maß und Ziel"

Portrait von Karl Angler

Karl Angler ist Vorsitzender des DIHK-Geld- und Kreditausschusses

© STIHL

Karl Angler wurde im April 2021 zum neuen Vorsitzenden des Geld- und Kreditausschusses gewählt. Warum er viele Jahre lang in Amerika gelebt und was er gegen Zettelwirtschaft hat, erläutert er im Interview.

Herr Angler, Glückwunsch zur Wahl. Können Sie uns etwas zu Ihrem Ausschuss sagen?

Bei uns treffen sich Menschen, die für Zahlen brennen. Das sind zum Großteil Vertreterinnen und Vertreter der Kredit- und Finanzwirtschaft, aber nicht nur. Ich zum Beispiel bin für STIHL tätig, einen international tätigen Motorsägen- und Motorgerätehersteller. In unserem betrieblichen Alltag spielen Kredite und Finanzierungen eine nicht ganz so wichtige Rolle wie zum Beispiel Finanzanlagen.

Alle Mitglieder verbindet, dass wir die wirtschaftspolitischen Themen der Geld- und Kreditwirtschaft kritisch und konstruktiv begleiten wollen. Dabei helfen uns unsere Erfahrungen und das Wissen um die betrieblichen Bedürfnisse.

In den Ausschüssen sind mehrere Hundert ehrenamtliche Mitglieder aktiv. Ihr Unternehmen engagiert sich besonders stark, wie kommt das?

STIHL fühlt sich dem DIHK und seiner Arbeit sehr verbunden. Der älteste Sohn des Firmengründers, Hans Peter Stihl, war von 1988 bis 2001 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) beziehungsweise des DIHK. Außerdem war Herr Stihl über zehn Jahre lang Präsident der IHK Region Stuttgart. Seit 2001 ist er Ehrenpräsident von IHK und DIHK. Hans Peter Stihl hat sich auch stark für den Ausbau der weltweiten AHK-Organisation engagiert.

Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von STIHL ist es daher eine Selbstverständlichkeit, dass wir in diesem Geist die Arbeit von DIHK, IHKs und AHKs weiter begleiten. So, wie es viele Tausend andere Engagierte auch tun! Die Kammerorganisation ist Bindeglied zwischen Politik und Wirtschaft, diesem Gedanken sehen wir uns verpflichtet.

Sie waren lange im Ausland. Was haben Sie da für Ihre Ausschussarbeit gelernt?

Ich bin erst seit 2012 wieder in Deutschland. Vorher war ich über 25 Jahre lang auf dem amerikanischen Kontinent tätig, in den Vereinigten Staaten und in Kanada. Auch dort war ich als Unternehmensvertreter in der regionalen Industrie- und Handelskammer des Bezirkes Hampton Roads aktiv.

Auch Unternehmen in den USA werden mit Bürokratie konfrontiert. Dort gibt es ebenfalls eine Vielzahl von bürokratischen Hürden, die von den Unternehmen als belastend wahrgenommen werden. Und das ist leider auch in Deutschland so.

Sie sagen also der Zettelwirtschaft den Kampf an?

Eines meiner erklärten Ziele ist es, Bürokratie auf das Notwendige zu reduzieren. Keiner hat etwas gegen Aufsicht. Im Gegenteil: Ich habe die Auswirkungen der Finanzmarktkrise 2008/09 in Amerika hautnah miterlebt.

Aber: Die Politik überträgt meiner Ansicht nach immer mehr Pflichten und Verantwortung auf die Unternehmen. Diese Überregulierung geht letztendlich auch zulasten der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und des deutschen Wirtschaftsstandortes. Hier muss ein gesundes Mittelmaß gefunden werden.

Und dann sollten wir uns auch die Frage stellen, wie wir bei der Verarbeitung von Informationen weiterkommen. Im Zeitalter der Digitalisierung ist es ineffizient, Informationen, die bereits in Systemen vorhanden sind, noch einmal manuell verarbeiten zu müssen. Diese Effizienzpotenziale müssen gehoben werden, und zwar bald.

Kontakt

Porträtfoto Dr. Christian Fahrholz
Dr. Christian Fahrholz Referatsleiter Unternehmensfinanzierung und Finanzmärkte

Kontakt

Porträtfoto Urban Comploj
Urban Comploj Referatsleiter Texte und Reden

Zur Person

Karl Angler ist seit 2012 Vorstand Finanzen, Controlling und Informationssysteme bei der ANDREAS STIHL AG & Co. KG. Davor war er als Vice President der US-Auslandsgesellschaft Stihl Inc. in Virginia Beach/USA tätig.