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Ein zukunftsfester Finanzplatz Deutschland für einen breiten Mittelstand

von Dr. habil. Christian Fahrholz, DIHK-Referatsleiter Unternehmensfinanzierung und Finanzmärkte

Dr. Christian Fahrholz

Dezember 2018 – Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung: Am 4. Dezember haben sich die Länder der EU auf das europäische Bankenpaket geeinigt. Doch um den Finanzplatz Deutschland und die bankbasierte Unternehmensfinanzierung der deutschen Wirtschaft zukunftsfest zu machen, muss noch mehr geschehen.

"Typisch deutsch": breiter Mittelstand, (noch) viele Kreditinstitute

Die bankbasierte Unternehmensfinanzierung prägt nicht nur den Finanzplatz Deutschland, sondern den gesamten deutschen Mittelstand, also 99,3 Prozent aller Unternehmen der deutschen Wirtschaft. Diese Betriebe generieren hierzulande ein Drittel des gesamten Umsatzvolumens und beschäftigen mehr als 60 Prozent der Arbeitnehmer.

Die kleinteilige Wirtschaftsstruktur geht einher mit einer im europäischen Vergleich besonders hohen Zahl von Kreditinstituten: Der European Banking Federation zufolge hatten 2017 etwa 1.630 von rund 4.770 Instituten der Eurozone ihren Sitz in Deutschland. Diese Zahl ist allerdings tendenziell rückläufig.

Und auch die Profitabilität sinkt: Die durchschnittliche Bruttozinsmarge der hiesigen Institute verringerte sich zwischen 2002 und 2016 von durchschnittlich 5,3 Prozent auf 2,1 Prozent. Hohe Bruttozinsmargen helfen jedoch, ökonomische Schocks vergleichsweise leicht zu absorbieren.

Bisher waren die Vielzahl der Institute und die Vielfalt in der deutschen Bankenlandschaft Garanten dafür, dass jedem mittelständischen Unternehmen zu jeder Zeit ein Finanzierungspartner aus der kreditgebenden Wirtschaft zur Seite stand.

Heimvorteil für klassische Kreditinstitute

Klassische Banken profitieren von ihrer räumlichen Präsenz und von vernetzten Mitarbeitern, die die Wirtschaftsstrukturen vor Ort kennen. Das verschafft ihnen einen Vorteil bei der Gewinnung kundenspezifischer und regionaler Informationen, die sie mit zentralisiertem Know-how zu Branchen und Sektoren kombinieren können. Die standardisierten Scoring-Modelle auch bei den großen Ratingagenturen leisten das in der Regel nicht.

So sind klassische Kreditinstitute zu einer präziseren und individuellen Bonitätsbeurteilung der mittelständisch geprägten deutschen Wirtschaft fähig. Makroökonomisch betrachtet, senkt dieser Informationsvorsprung das Kreditausfallsrisiko substanziell – unter Aufrechterhaltung einer landesweit breiten und individuellen Finanzierungsversorgung auch unter den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Darüber hinaus ist der Mittelstand aufgrund der erheblichen internationalen Verflechtung von Handel und Produktion der deutschen Wirtschaft mehr denn je auf eine bankbasierte Finanzierung angewiesen. Auslandsgeschäfte erfordern meist eine passgenaue Finanzierung und Absicherung, wie sie insbesondere global aufgestellte (Groß-) Banken mit einem länderspezifischen Netzwerk und der erforderlichen Expertise anbieten können.

Marktprozesse und Regulierung senken Margen und verändern die Bankenlandschaft

Der Finanzierungszugang hat sich DIHK-Umfragen zufolge in den vergangenen Jahren vor allem für Kleinstunternehmen bereits deutlich verschlechtert. Auch größere Betriebe, die etwa auf eine Export- und Langfristfinanzierung angewiesen sind, klagen häufiger über Engpässe bei der Versorgung mit Finanzmitteln.

Hintergrund ist ein Strukturwandel, der durch Marktprozesse einerseits und politische Regulierung andererseits getrieben wird. So treten im Zuge der Digitalisierung neue Intermediäre wie beispielsweise FinTechs auf und ersetzen Kreditinstitute zunehmend in ihrer Funktion.

Infolge des verschärften Wettbewerbs entsteht ein zusätzlicher Druck auf die Margen in der bankbasierten Unternehmensfinanzierung und damit auf die Profitabilität der Kreditinstitute. Die Fragmentierung finanzieller Wertschöpfungsketten und die Auflösung des Hausbankprinzips können überdies dazu führen, dass mittelständische Unternehmen passende Finanzierungsangebote künftig vermehrt selbst organisieren müssen.

Gleichzeitig stellt die Regulierung der vergangenen Jahre an die Kreditinstitute stetig steigende Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen. Das gilt vor allem für das Kreditrisiko in den unteren Ratingklassen, in denen sich KMU schon rein größen- und systembedingt eher wiederfinden. In der Folge konzentriert sich die kreditgebende Wirtschaft eher auf Losgrößen jenseits von Kleinst- und Kleinunternehmen.

Steigende regulatorische Fixkosten und nicht zuletzt die anhaltende Niedrigzins- und Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank drängen die Institute zudem zu einer stärkeren Standardisierung in der bankbasierten Unternehmensfinanzierung.

Standardisierung anstelle von Vielfalt

Der Verlust an Vielfalt verringert jedoch tendenziell die Kreditvergabe an KMU. So stellt sich die Frage, wer zukünftig in einer konjunkturellen Abschwungphase noch Finanzierungspartner der mittelständisch geprägten Unternehmen in Deutschland sein kann. Auch ist damit zu rechnen, dass die mit einer stärker oligopolistischen Struktur der kreditgebenden Wirtschaft einhergehende Verteuerung der Unternehmensfinanzierung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Betriebe schaden wird.

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Europa – der regulatorisch bedingte Abbau notleidender Kredite, die anhaltend hohe Staatsverschuldung von EU-Mitgliedsländern, das absehbare Ende der Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank und zunehmende geopolitische Risiken – kommt es mehr denn je darauf an, den Finanzplatz Deutschland zu stärken.

Die IHK-Organisation unterbreitet hierfür eine Reihe von Vorschlägen. Diese Ansatzpunkte sind in der ausführlichen Fassung dieser Analyse aufgeführt, die Sie hier zum Download finden:

Die Zukunft der bankbasierten Unternehmensfinanzierung am Finanzplatz Deutschland (PDF, 213.2 kB)

 

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