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Wir brauchen weltweit weniger Zölle und Handelsbarrieren

Eric Schweitzer ruft zu mehr europäischem Engagement auf

(16.04.2018) Vor den fatalen Folgen, die der Handelsstreit zwischen den USA und China für das Welthandelssystem haben kann, hat Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), jetzt in einem Zeitungsartikel gewarnt.

Dr. Eric Schweitzer, Foto: DIHK/Chaperon

Hier Schweitzers Gastbeitrag in der "Fuldaer Zeitung" im Wortlaut:

"Es ist etwas gefährlich ins Wanken geraten. Der verbissene Streit zwischen China und den USA in der Handelspolitik stellt unser in den letzten Jahrzehnten mühsam aufgebautes Welthandelssystem infrage. Viele Handelshürden wurden mit Hilfe globaler Regeln und Abkommen abgetragen, neue Märkte erschlossen und eine insgesamt überaus positive wirtschaftliche Entwicklung eingeleitet. Unsere Wirtschaft profitiert wie kaum eine andere, indem sie die damit neu geschaffenen Chancen der internationalen Arbeitsteilung nutzt – zum Wohle unserer und der ausländischen Standorte!

US-Präsident Donald Trump hat bereits im Wahlkampf angedroht, Handelsabkommen aufzukündigen und die heimische Wirtschaft nach dem Motto 'America First' zu schützen – vermeintlich. Denn auch die Amerikaner profitieren vom Welthandel. Sie brauchen Konsumprodukte aus Asien, Rohstoffe aus Südamerika und natürlich Maschinen aus Europa für den Konsum ihrer Bürger und für viele Investitionen in ihrem Land. Der Dollar nutzt ihnen dabei, mit dem Greenback als Weltreservewährung können sich die USA mehr leisten als die meisten anderen Länder.

Waren es bisher nur Drohungen und Ankündigungen, wird es nun ernst: Zölle auf Stahl und Aluminium, später auf chinesische Produkte. Zwar gibt es temporäre Ausnahmen bei Stahl und Aluminium für Europa – aber wohlgemerkt: temporäre. Und die Zölle gegen China sind ebenso wie die Gegenmaßnahmen noch nicht in Kraft. Kommen sie, dann droht richtig Ungemach.

Die Sorgen der exportstarken deutschen Wirtschaft sind dementsprechend groß. Es ist schon fast eine Zäsur der Geschichte, dass die USA – vormals Vorreiter für weltweit offene Märkte und global anzustrebende Regeln – jetzt derart intensiv für partiell geschlossene Grenzen und gegen multilateralen Freihandel plädieren. Auf der anderen Seite hat sich auch China in den letzten Jahren nicht durch eine große Offenheit, gerade in Bezug auf ihr eigenes Land, hervorgetan.

Anstatt sich aufeinander zuzubewegen, drohen beide Staaten nunmehr erhebliche Barrieren aufzubauen. Und das trifft auch unsere Wirtschaft direkt. Die USA sind der größte Exportpartner Deutschlands. Neben guten Handelsgeschäften haben deutsche Unternehmen mehr als 350 Milliarden Euro in den Vereinigten Staaten investiert und beschäftigen dort mehr als 840.000 Menschen. Auch in China sind deutsche Unternehmen in großem Maße aktiv. Und über die Lieferbeziehungen sind alle nicht nur jeweils miteinander, sondern auch mit einer Vielzahl weiterer Märkte verbunden.

Eines sollte klar sein: Wir brauchen weltweit weniger Zölle und Handelsbarrieren und mehr gemeinsam getragene Spielregeln für guten und fairen Handel. Ich werbe sehr dafür, dass wir gegenüber unseren amerikanischen Partnern wie auch anderen Staaten und in der öffentlichen Diskussion hier in Deutschland nachhaltig für offene Grenzen eintreten.

Niemandem hilft es, wenn die Auseinandersetzung eskaliert. Es muss jetzt nicht nur entschlossen gehandelt, sondern auch verhandelt werden. Tatsächlich sind die aktuell diskutierten Maßnahmen nur die Folge einer langen Entwicklung. Seit Jahren spüren die international aktiven deutschen Unternehmen eine Zunahme an Handelshemmnissen, oftmals versteckt und gegen die etablierten Regeln. Nicht nur in den USA, sondern auch in Russland, im Nahen Osten oder auch in China.

Die Zuspitzung der Auseinandersetzung sollte daher als Weckruf verstanden werden: als Weckruf, den Wert der bisher erreichten Regeln nicht als Selbstverständnis zu sehen, und als Weckruf, sich auf die Stärken des gemeinsamen europäischen Marktes und damit einer gewichtigen Stimme in der globalen Handelspolitik zu besinnen. Den globalen Herausforderungen wird man mit nationalen Maßnahmen nicht gerecht, vielmehr sollten wir gemeinsam im europäischen Verbund für freien Handel eintreten."